Ausgerechnet in Hoffenheim, wo er am 7. Mai 2022 sein letztes starkes Spiel machte, wird das Comeback des Bayer-04-Mittelstürmers erwartet.
Bayer 04Leverkusen braucht im Kampf gegen die Krise den echten Patrik Schick

So sieht der echte Patrik Schick aus, wie Am 7. Mai 2022 nach dem 1:1 in Hoffenheim. Am Samstag wird er dort sein Comeback geben
Copyright: Foto: Anspach/dpa
Patrik Schick hat am Donnerstag wieder fleißig und vollständig mit dem Team für das Spiel bei der TSG Hoffenheim (Samstag, 125.30 Uhr) trainiert. Das ist in diesen Tagen eine echte Nachricht, denn der Mittelstürmer war mit seiner Adduktorenverletzung sehr lange ausgefallen und Bayer 04 Leverkusen braucht ihn dringend. Und zwar den echten Patrik Schick, der im Mai trotz großen Interesses aus ganz Europa seinen Vertrag bis 2027 verlängert hat. Jenen, der trotz sich abzeichnender Leistenprobleme 27 Spielen 24 Tore schoss und 5 vorbereitete.
Weil der Tscheche dafür nur 2096 Minuten benötigte, war er als Zweiter der Bundesliga-Torjägerliste (alle 86 Minuten ein Treffer) fast so effektiv wie Robert Lewandowski (alle 84 Minuten) und besser als Erling Haaland, der im Durchschnitt 87 Minuten für einen Treffer benötigte. Und da solche Spieler im Weltfußball gesuchte Raritäten sind, war die Vertragsverlängerung des Tschechen bei Bayer 04 vergangenen Frühsommer eine mittlere Sensation.
In dieser Saison nur drei Tore in 1399 Spielminute, das ist nicht derselbe Stürmer
Ein wenig vergessen ist dagegen der Patrik Schick, der diese Saison schon für Bayer 04 gespielt hat. Tatsächlich 17 Mal trug der 27-Jährige das Trikot von Bayer 04. Elfmal in der Bundesliga, fünfmal in der Champions League und einmal im DFB-Pokal. Bilanz: Drei Tore und null Vorlagen in 1399 Spielminuten. Das heißt: Schick hat 467 für einen Treffer gebraucht. Mehr als fünf Spiele. Diese Zahlen belegen deutlich, dass es sich zwar um denselben Menschen, aber um einen anderen Fußballer als den der Vorsaison handelt.
Zwischen diesen beiden verschiedenen Stürmern lag eine Operation an den Adduktoren, die im Mai die tiefere Problematik eigentlich beheben sollte. Doch schon im Trainingslager erklärte der Mittelstürmer, dass sie nicht gut verlaufen sei und er immer noch Schmerzen habe. Und so rutschte Bayer 04 unter Trainer Gerardo Seoane in einen der schlimmsten Saisonstarts der Klubgeschichte, weil neben Florian Wirtz (Kreuzbandriss) auf der Zentralposition der echte Patrik Schick fehlte. Ein Stürmer, der wie wenige andere Physis und Eleganz, Technik und Dynamik, Ballverteilung und Chancenvollendung repräsentiert.
Im Herbst wurde er schließlich ganz aus dem Kader genommen und hat die letzten sieben Spiele komplett verpasst. Und erst im Dezember fiel die Entscheidung, auf einen weiteren Eingriff zu verzichten und die Heilung auf konventionellem Weg zu versuchen. „Die gute Nachricht ist: Patrik fühlt sich viel besser“, sagt Trainer Xabi Alonso. Er sagt das allerdings seit Wochen, ohne dass der Mittelstürmer in den Kader zurückgekehrt wäre.
Zu viel liegt ohne Patrik Schick auf den Schultern von Moussa Diaby
In der Siegesphase von fünf Spielen ohne Niederlage mag die Geduld größer gewesen sein, aber nach den Niederlagen gegen Dortmund und Augsburg drängt die Zeit. Florian Wirtz ist nach seinem Comeback physisch noch nicht auf Top-Niveau, und es fehlt ihm vor allem die Anspielstation Schick. Flanken in den Strafraum sind generell sinnlos geworden, weil er in Abwesenheit des Tschechen zuletzt nur mit Leichtgewichten besetzt war. So liegt Vieles auf den schmalen Schultern von Moussa Diaby, der in jedem Spiel prinzipiell das 1:0 erzielen müsste, damit der defensivlastige Plan des Trainers Alonso funktioniert.
In Hoffenheim kommt am Samstag erschwerend hinzu, dass der in die Bedeutungslosigkeit gerutschte Kunstklub von Dietmar Hopp unter der Woche den Trainer gewechselt hat. Andre Breitenreiter wurde beim Tabellenvierzehnten durch Pellegrino Mattarazzo ersetzt, der seine Karriere einst als Assistent des jungen Julian Nagelsmann bei der TSG begonnen hatte. Der US-Amerikaner steht für offensives, energetisches Spiel. Und Bayer 04 darf nicht auf eine Mannschaft hoffen, die sich wie in den Partien zuvor geschehen selbst schlägt.
Das Problem bleibt aber: Bayer 04 braucht den richtigen Patrik Schick. Den Torjäger, der ebenso stabil die Bälle festmachen wie sie schlau verteilen kann, der flink in die Räume sprintet und sich dann mutig in jeden Zweikampf wirft. Der war zuletzt am 7. Mai 2022 in Hoffenheim zu sehen, als er das 1:1 beim 2:1-Sieg erzielte, mit dem sich die Werkself für die Champions League qualifizierte. Vielleicht taucht echte Patrik Schick ausgerechnet dort, in Hoffenheim, wieder auf.
