Mark Flekken will bei Bayer 04 die Konstanz zeigen, die ihm in der vergangenen Saison fehlte. Lobende Worte für Konkurrent Janis Blaswich.
„Habe die Pfiffe abgeschüttelt“Flekken über Fehler und seinen Anspruch bei Bayer 04

Mark Flekken mit Fans im Trainingslager von Bayer 04 Leverkusen in der Nähe von Weimar.
Copyright: Jörg Schüler/Bayer 04 Leverkusen
Mark Flekken zeigte in der abgelaufenen Saison oft solide Leistungen. Seine Patzer und schwachen Auftritte blieben jedoch in Erinnerung – vor allem bei den Fans. Beim 2:7 gegen Paris in der Champions League im Herbst 2025 erntete der Keeper erstmals höhnischen Applaus. Das wiederholte sich in der Rückrunde beim 6:3-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg nach einem 1:3-Rückstand.
Kritik zogen vor allem seine Unsicherheit beim Herauslaufen und das Risiko auf sich, das er beim Spiel mit dem Ball am Fuß eingeht. „Ich habe die Pfiffe abgeschüttelt. Sonst hätte ich die letzten vier Spiele der Saison nicht so spielen können, wie ich sie gespielt habe“, sagt der 33 Jahre alte Torhüter im Trainingslager nahe Weimar. Flekken sitzt an einem gemütlichen Holztisch im urigen Golfrestaurant neben dem abgeschotteten Bereich der Bayer-Spieler. Er spricht reflektiert und spart nicht mit Kritik – an seiner Mannschaft und vor allem an sich selbst.
„Die Verantwortlichen hier im Verein haben in einem Torwart die Konstanz gesucht, die ich bei Brentford in meinen Leistungen gezeigt hatte. Das hat im vergangenen Jahr leider nicht geklappt. Deshalb bin ich jetzt noch motivierter, es in diesem Jahr besser zu machen“, betont er. „Es gab gute und weniger gute Phasen. Es gab Spiele, in denen ich Punkte für die Mannschaft liegen gelassen habe, und Spiele, in denen ich Punkte festgehalten habe. Zum Glück habe ich in den letzten vier Spielen wieder die Konstanz gefunden.“
Elftal scheitert im Sechzehntelfinale
Das reichte jedoch nicht, um das Ziel Champions League zu erreichen. Anschließend fuhr der gebürtige Kerkrader als Ersatztorhüter der Niederlande zur WM. Machtlos sah er zu, wie die Elftal im Sechzehntelfinale an Marokko scheiterte. Seine persönlichen Ziele für das vergangene Jahr habe er nicht erreicht. Wie genau er diese Ziele definiert hatte, will Flekken nicht verraten. Nun gehe es darum, wie er in die neue Saison starte.
Mit Carles Martínez hat Bayer 04 einen neuen Trainer. Flekken, der nach dem Sonderurlaub erst seit anderthalb Wochen wieder trainiert, bemerkt Unterschiede. „Es steckt eine ganz andere Energie in der Truppe“, sagt er. „Diese Energie kommt zum Teil auch vom Trainerteam. Der Trainer pusht sehr viel, ist im Training, aber auch neben dem Training sehr präsent. Er ist aktiv, lebt das vor, was er auf dem Platz von uns sehen möchte, und bringt das selbst auf den Platz. Das zieht mit. Das bringt eine ganz andere Energie in die Truppe als im vergangenen Jahr.“
Flekken nimmt zugleich aber auch Vorgänger Kasper Hjulmand in Schutz, der im vergangenen Jahr ohne eigenen Assistenztrainer nach Leverkusen kam. „Kasper ist in eine Mannschaft hineingekommen, die überhaupt nicht rundlief, und hatte niemanden an seiner Seite, der genau wusste, was er von uns verlangen wollte. Er musste zwei Aufgaben gleichzeitig erfüllen: dem Trainerteam vermitteln, was er wollte, und der Mannschaft“, betont Flekken. „Dazu kam, dass er in eine Phase hineingekommen ist, in der es eigentlich nur Spiele gab und kein Training. Der Vorteil für unseren jetzigen Trainer ist, dass er Zeit hat, etwas aufzubauen und zu entwickeln.“ Flekken geht davon aus, dabei als Nummer eins zu helfen. Andere Signale habe er bislang nicht erhalten – weder von Martínez noch von Torwarttrainer David Thiel.
Im März hätte sich der Keeper beinahe auf der Bayer-Bank wiedergefunden. Als Flekken mit einem Innenbandriss im rechten Knie ausfiel, nutzte Janis Blaswich seine Chance. Nach Flekkens Rückkehr fiel die Entscheidung knapp zugunsten des Niederländers aus. Nicht alle im Klub konnten sie nachvollziehen. „Ich erkenne an, dass Janis in der Phase, in der ich verletzt war, gut gespielt hat. Wenn der Trainer damals entschieden hätte, ihn im Tor zu lassen, hätte er sich das verdient gehabt, weil er so gute Leistung gezeigt hatte“, betont Flekken. „Der Trainer hat letztlich an mir festgehalten. Dann geht es weiter.“
In der kommenden Saison könnte Flekken auch noch mehr Verantwortung übernehmen. Neben dem amtierenden Spielführer Robert Andrich und Stellvertreter Edmond Tapsoba gilt Flekken als Kandidat für das Kapitänsamt. „Im Moment habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Sollte der Trainer zu einem bestimmten Zeitpunkt auf mich zukommen und fragen, ob ich das möchte, würde ich nicht Nein sagen“, betont Flekken. „Wir haben aber einen Kapitän und mit Eddy auch einen zweiten Kapitän. Ich habe bisher nicht gehört, dass sich daran etwas ändern soll. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Frage nicht auf mich zukommen wird. Ich kann diese Führungsrolle aber auch ohne die Binde ausfüllen. Dafür brauche ich weder den Namen noch den Titel des Kapitäns.“ Nur Konstanz.

