Bayer 04 will nach einer enttäuschenden Saison zurück in die Top vier. Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes fordert dafür mehr Führung und Leidenschaft.
Neue Haltung, alte ZieleSimon Rolfes fordert mehr Mentalität bei Bayer 04

Simon Rolfes, Sport-Geschäftsführer bei Bayer 04, spricht im Trainingslager in der Nähe von Weimar.
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Den gewünschten Zeitplan konnte Bayer 04 nicht ganz einhalten. Bei der ersten Trainingseinheit am Montagmorgen in Blankenhain war der neue Linksverteidiger noch nicht dabei. Er soll aber noch im Trainingslager in Thüringen zur Mannschaft stoßen – möglichst schon am Dienstag. Dann soll Miguel in der Nähe von Weimar den Medizincheck absolvieren – wenn bis dahin alle Verträge mit den harten Verhandlern der SSC Neapel abgeschlossen sind.
Vorher wird Miguel nicht ins Flugzeug steigen. Die Rahmenbedingungen sehen eine Ablösesumme von rund 30 Millionen Euro einschließlich Bonuszahlungen und einen Vertrag für Miguel bis 2031 vor. Der 25 Jahre alte Spanier soll die Lücke schließen, die der zu Atlético Madrid gewechselte Alejandro Grimaldo hinterlässt, und zu einem wichtigen Baustein der kommenden Saison werden.
Bayer 04 hat die vergangene Saison, die enttäuschend auf Tabellenplatz sechs endete, eingehend analysiert. Für die neue Spielzeit zieht der Klub daraus Konsequenzen. Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes hat klare Erwartungen an die Werkself und ihre Herangehensweise unter dem neuen Trainer Carles Martínez. Ein Problem der vergangenen Spielzeit war der Mangel an Führung – auf dem Platz, vor allem aber daneben. „Führung entsteht durch Persönlichkeit, aber natürlich auch durch Qualität auf dem Platz. Wenn du viel Erfahrung hast, diese Erfahrung aber keine Rolle mehr spielt, dann ist es mit der Führung ebenfalls nicht mehr weit her“, betont Rolfes. „Die Spieler, die wir jetzt holen wollen und bei denen wir sagen, dass sie uns verbessern können, sollen uns sofort helfen. Sie sollen punktuell das Mannschaftsgefüge und die Qualität direkt stärken.“
Noch mehr Führungspersonal weg?
Im bestehenden Kader gibt es mit Robert Andrich, dem Kapitän der vergangenen Saison, einen ausgewiesenen Führungsspieler. Auf ihn trifft jedoch genau das zu, was Rolfes meint: Bekommt der 31-Jährige überhaupt genug Spielzeit, um als Führungsspieler zu gelten? Andrich ist ebenso ein Verkaufskandidat wie Jonas Hofmann, der generell nur auf dem Papier Führungsspieler ist.
Womöglich verliert Bayer 04 mit Exequiel Palacios einen weiteren Spieler, der zumindest auf dem Rasen vorangeht. Der Argentinier liebäugelt mit einem Wechsel zu einem Spitzenklub im Ausland. Der Werksklub ist gesprächsbereit, sollte ein finanziell attraktives Angebot eingehen. Sollten Andrich und Palacios gehen, müsste Leverkusen den Verlust beider Spieler ebenfalls auffangen. Dabei ist der personelle Aderlass an Führungsspielern in den vergangenen Transferphasen ohnehin bemerkenswert: Lukas Hradecky, Jonathan Tah, Granit Xhaka, Florian Wirtz oder Grimaldo.
Für Rolfes bemisst sich Erfahrung nicht am Alter, sondern an Leistungen auf hohem Niveau über einen längeren Zeitraum. Generell stehen sportliche Kriterien über allem. „Eine starke Einheit entsteht aus vielen Bausteinen. Zunächst brauchst du Qualität. Ohne Qualität hast du keine Chance, eine starke Einheit zu bilden. Diese Qualität musst du zusammenfügen, und dann muss sich jeder zu den Zielen bekennen“, betont Rolfes. „Das betrifft die Mannschaft, aber auch den ganzen Verein: Trainerteam, Physiotherapeuten und alle anderen.“
Der große Kaderumbruch und die Entscheidung für Erik ten Hag als Nachfolger von Meistertrainer Xabi Alonso trugen in der vergangenen Saison zu vielen Problemen bei. Auch nach dem Trainerwechsel zu Kasper Hjulmand kam die Entwicklung im Jahr 2026 nicht wieder in Gang. Zugleich verschlechterte sich die Stimmung in der Kabine. „Jetzt spürt man schon wieder Vorfreude und neue Energie. Jeder muss bereit sein, einen Schritt mehr zu machen als im vergangenen Jahr“, sagt Rolfes. „Wenn jeder einen Schritt mehr macht, entsteht eine starke Einheit. Dann merkst du: Das ist konkurrenzfähig, jeder steht dahinter und alle ziehen an einem Strang.“
Rolfes gilt als Manager, der vor allem auf die spielerischen Fähigkeiten eines Profis schaut. Der 44-Jährige setzt innere Motivation voraus. In diesem Sommer fordert Rolfes aber stärker jene Mentalität ein, die Bayer 04 in der vergangenen Saison vermissen ließ. „Dieses Gebilde zu formen, ist ein Entwicklungsprozess“, sagt er. Es gehe darum, Verbindungen zu schaffen, damit Freundschaften zwischen den Spielern entstehen und sie sich in schwierigen Momenten aufeinander verlassen können. „Solche Momente muss man manchmal gemeinsam durchschreiten. Dann bildet sich eine Einheit oft am stärksten. Ich glaube, dass wir dort den nächsten Entwicklungsschritt machen und besser werden müssen.“
Auch der Trainer soll dazu beitragen, die Haltung der Mannschaft zu verändern. Leidenschaft, immer besser zu werden, aber auch Freude am Beruf auszustrahlen – das sollen Kernpunkte seiner Arbeit sein. „Das lebt er vor: am Spielfeldrand, bei Testspielen und in seinem Ehrgeiz. Er will Testspiele gewinnen und fragt zugleich, wo wir uns noch verbessern können“, sagt Rolfes. „Mit diesem Mindset muss man an die Aufgabe herangehen: als starke Einheit, mit Leidenschaft und mit dem Ehrgeiz, an den Details zu arbeiten, bis man wirklich top ist.“ Platz sechs und die Qualifikation für die Europa League sollen ein Ausreißer nach unten bleiben. „Unser Ziel sind die Top vier. Da wollen wir hinein“, sagt der Sport-Geschäftsführer.
Er hat genaue Vorstellungen davon, wie die Leute in der kommenden Saison über Bayer 04 reden sollen: „Ich will, dass wir Erfolg haben, nicht nur mit Freude am schönen Spiel, sondern mit der Leidenschaft, Spiele zu gewinnen. Und sie anzunehmen – je nachdem, wie der Moment ist. Manchmal muss man leiden, verteidigen und als Mannschaft kämpfen, um den Sieg nach Hause zu bringen. Entscheidend sind Passion und Leidenschaft für den Erfolg. Diese Haltung muss sich auf Fans und Zuschauer übertragen. Sie sollen immer wissen, dass die Mannschaft alles gibt, um das Spiel zu gewinnen.“

