Neun Leverkusener Doublehelden von 2024 sind noch da. Robert Andrich und Jonas Hofmann können – oder sollen – den Verein verlassen.
Andrich, Hofmann & Co.Bayers Doublehelden auf dem Abstellgleis

14. April 2024: Jonas Hofmann (l.) und Robert Andrich bei der Meisterfeier in der BayArena.
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Als Bayers Ex-Trainer Kasper Hjulmand in der vergangenen Saison auf das Verhältnis von Robert Andrich und Jonas Hofmann angesprochen wird, lacht er und sagt: „Sie sind ja fast verheiratet, die zwei.“
Im Sommer nahmen beide dann auch noch denselben Nebenjob an: Sie gehörten zum Magenta-Expertenteam für die WM. Hofmann arbeitete im Studio in München, Andrich als Co-Kommentator in den USA und Mexiko. Nun haben beide dasselbe Problem im Hauptjob: Die Doublesieger von 2024 dürfen – oder sollen – Bayer 04 verlassen. Ob es dazu jedoch kommt, ist fraglich.
Zwei Jahre nach dem großen Triumph stehen nur noch neun Meister- und Pokalsieger im aktuellen Kader: Niklas Lomb, Edmond Tapsoba, Arthur, Exequiel Palacios, Nathan Tella, Patrik Schick, Victor Boniface sowie Hofmann und Andrich. Wie ist die Lage bei den Helden von 2024?
Niklas Lomb (33): Der Kulttorhüter ist dienstältester Spieler, seit 2012 im Klub. Chancen auf Einsätze hat er hinter Mark Flekken und Janis Blaswich weiterhin nur in Testspielen.
Edmond Tapsoba (27): Seine Vertragsverlängerung bis 2031 im Frühjahr kam überraschend. Klubs aus England und Spanien waren an dem Burkiner interessiert. Doch „Eddy“ fühlt sich in Leverkusen wohl und wertgeschätzt. Er ist als Innenverteidiger gesetzt und gilt als Anwärter auf das Kapitänsamt unter dem neuen Trainer Carles Martínez.
Arthur (23): Bayer sucht weiter Verstärkungen – auch für die Position des Rechtsverteidigers. Sollten Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes und Kaderplaner Kim Falkenberg fündig werden, könnte der Brasilianer weniger Spielzeit bekommen. In den Testspielen hinterlässt er bisher allerdings einen guten Eindruck und glänzte mit Vorlagen. Im Mai verlängerte er seinen Vertrag bis 2031.
Exequiel Palacios (27): Neben Tapsoba ist er wohl der Spieler, dessen Platz in der Mannschaft am sichersten ist. Allerdings kämpft der Argentinier immer wieder mit Verletzungen. Bleibt er gesund, ist er als feste Größe im zentralen Mittelfeld eingeplant.
Nathan Tella (27): Wie Palacios ist der Engländer mit nigerianischen Wurzeln verletzungsanfällig. Er verlängerte im Frühjahr ebenfalls bis 2031. Zusammen mit Zugang Afonso Moreira bringt Tella Tempo in die Offensive. Deshalb gehen Trainer und Verantwortliche davon aus, dass er in der kommenden Saison eine wichtige Rolle spielen wird.
Patrik Schick (30): Womöglich ist der Stürmer derzeit eine der spannendsten Personalien. Nach seiner WM-Teilnahme mit Tschechien kehrte er erst vergangene Woche zur Werkself zurück. Den Vorsprung nutzte Christian Kofane mit starken Testspielauftritten. Der junge Kameruner und Schick duellieren sich – wie schon in der abgelaufenen Saison – um den Platz in der Spitze. Der Ausgang ist offen.
Victor Boniface (25): Nach seiner unglücklichen Leihe zu Werder Bremen ist der Shootingstar der Meistersaison zurück. Die Knie-OP im Januar verlief besser als erwartet. Der Angreifer wirkt motiviert, ist fitter und hat Gewicht verloren. Sollte im August ein Angebot kommen, würde Bayer 04 ihn jedoch gern abgeben.
Jonas Hofmann (34): In der Meistersaison spielte er vor allem eine starke Hinserie. Im zweiten Jahr in Leverkusen überwarf er sich mit Trainer Xabi Alonso. Unter Kasper Hjulmand kam er wieder häufiger zum Einsatz, überzeugte aber zu selten und saß am Ende wieder auf der Bank. Der Klub hat dem Spieler und seinem Berater mitgeteilt, dass Bayer ihm keine Steine in den Weg legen werde, sollte er wechseln wollen. Eine Ablöse würde damit nicht fällig. Bisher sieht es nicht danach aus, dass es zu einer schnellen Trennung kommt. Hofmann hat noch einen gut dotierten Vertrag bis 2027. Immerhin: Der gebürtige Heidelberger lässt sich nicht hängen. Im Gegenteil. In allen Testspielen machte er als zentraler Spieler hinter der Spitze eine gute Figur. Allerdings sind bald Ibrahim Maza und Malik Tillman wieder dabei, dann dürfte Hofmann weniger Chancen bekommen, sich zu zeigen.
Robert Andrich (31): Im vergangenen Sommer kokettierte er mit einem Abschied aus Leverkusen, um seine Chancen auf eine WM-Teilnahme durch mehr Spielzeit bei einem anderen Klub zu erhöhen. Dann machte Erik ten Hag ihn zum Kapitän. Andrich blieb, spielte eine durchwachsene Saison – meist als zentraler Mann in der Dreierkette – und wurde schließlich von Julian Nagelsmann nicht für die WM nominiert. Wie bei Hofmann sind die Fronten zwischen Spieler und Verein geklärt: Bei einem vernünftigen Angebot darf Andrich, der einen Vertrag bis 2028 hat, gehen. Es ist schlicht kein Platz für ihn in der kommenden Saison. Martínez setzt auf eine Viererkette, dafür ist Andrich nicht der richtige Spielertyp. Auf seiner Stammposition im zentralen Mittelfeld gibt es ein Überangebot. Dem Vernehmen nach erhalten dort Exequiel Palacios, Aleix García und Zugang Kennet Eichhorn den Vorzug. Andrich will dennoch zunächst versuchen, sich durchzusetzen. Sein Zuhause in der Nähe von Düsseldorf würde er nur ungern verlassen. Seine Frau Alicia erwartet das dritte Kind der beiden. Womöglich beschäftigt sich Andrich erst gegen Ende des Transferfensters im August mit einem Wechsel, sollte er bei Bayer 04 dann wirklich außen vor sein. Die Option, zu Eintracht Frankfurt zu wechseln, hat er verstreichen lassen.

