Vor der langen Länderspielpause steht für Bayer 04 gegen Leipzig viel auf dem Spiel. Ein Sieg würde den bisher durchwachsenen Saisonstart relativieren.
Bayer 04 gegen RB LeipzigFür Carles Martínez beginnt die Zeit der Antworten

Bayers Coach Carles Martínez am Spielfeldrand im Europa-League-Spiel gegen NK Celje.
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Drei Wochen sind eine lange Zeit. Im Fußball können sie Erholung bringen und neue Energie freisetzen. Sie können aber ebenso dazu führen, dass sich Zweifel verfestigen. Für Bayer 04 Leverkusen beginnt die Länderspielpause am Sonntag nach dem Heimspiel (15.30 Uhr, DAZN) gegen RB Leipzig. Mit welchem Gefühl der Klub in diese Unterbrechung geht, hängt wesentlich vom Ergebnis ab.
Mit sieben Punkten nach vier Spielen sähe die Welt anders aus als mit vier. Ein Sieg würde den mäßigen Start nicht auslöschen, ihn aber in ein anderes Licht rücken. Die Niederlage in Elversberg, der Erfolg gegen Union Berlin und das 2:2 in Augsburg wären dann Teil einer Zwischenbilanz, die noch Entwicklungsmöglichkeiten erkennen ließe. Eine weitere Niederlage würde dagegen den Eindruck verstärken, dass Bayer seine Qualität nicht verlässlich auf den Rasen bringt. Ein Unentschieden wäre rechnerisch mehr als vier Punkte, emotional aber kaum die Antwort, die sich Leverkusen vor der langen Pause wünscht.
„Druck gehört zu unserem Beruf“, sagte Carles Martínez am Freitag. „Natürlich bin ich mit vier Punkten nicht zufrieden. Ich denke, dass wir mehr Punkte verdient hätten. Aber so ist Fußball: Wir befinden uns in einem Prozess.“ Er verweist auf gute Phasen und viele neue Spieler. Das ist richtig. Es ist aber nicht die ganze Wahrheit. Simon Rolfes und Fernando Carro haben die Maßstäbe vor dieser Saison formuliert. Rolfes nannte die Top vier als Ziel und forderte eine Mannschaft, die Spiele nicht nur schön spielt, sondern sie mit Leidenschaft gewinnt. „Manchmal leiden, verteidigen und als Mannschaft kämpfen, um den Sieg nach Hause zu bringen“, hatte der Sport-Geschäftsführer gesagt. Carro sprach vom Anspruch, national und international um Titel zu kämpfen, gab gar den Gewinn der Europa League als Ziel aus.
Rolfes und Carro formulieren Bayers Ziele
Solche Sätze sind der Prüfauftrag für Trainer und Kader. Martínez hat ihn verstanden. „Wir wollen gewinnen und konkurrenzfähig sein“, sagte der Spanier. „Ich habe kein Problem damit zu sagen, dass wir mehr Punkte holen wollen. Das ist kein zusätzlicher Druck, sondern unser Anspruch.“ Wenn Bayer mit sieben Punkten in die Pause geht, kann der Trainer seine Arbeit in Ruhe fortsetzen. Bei vier oder fünf Zählern wird die Diskussion über Kader und taktische Entwicklung lauter werden. Rolfes und Carro haben Martínez nicht geholt, damit Bayer über gute Ansätze spricht. Sie erwarten eine Mannschaft, die sich im oberen Bereich der Tabelle festsetzt.
Die Parallele zu Leipzig macht den Nachmittag zusätzlich interessant. RB hat mit Martin Demichelis ebenfalls einen neuen Trainer installiert. Der Argentinier stand nach dem 1:3 in Bremen und dem 1:4 in der Champions League bei Como früh unter Druck. Der 5:0-Sieg gegen den Hamburger SV hat die Debatte zunächst beruhigt, beendet hat er sie nicht. Zu groß sind die Erwartungen an einen Klub, der wieder regelmäßig in der Champions League spielen und näher an die Spitze heranrücken will.
Leipzig reist dennoch nicht als verunsicherter Außenseiter an. Das Team verfügt über Tempo, individuelle Qualität und offensive Wucht. Zugleich bleibt die Mannschaft in ihrer neuen Ordnung verwundbar. Assan Ouédraogo muss nach einer Schulterverletzung operiert werden und fällt auf unbestimmte Zeit aus. Für Demichelis ist es ein weiterer Rückschlag in einer Phase, in der er seine Mannschaft noch zusammenfügt.
Bayer braucht gegen Leipzig vor allem Ibrahim Maza. Der 20-Jährige verpasste den Europa-League-Abend gegen Celje wegen einer Erkältung. Martínez geht davon aus, dass Maza am Sonntag von Beginn an wieder zur Verfügung steht. „Wenn alle Flügelspieler fit sind, ist Maza für mich eher eine Zehn als ein Flügelspieler“, sagte der Trainer. Maza kann zwischen den Linien auftauchen, das Spiel beschleunigen und die Angreifer mit Pässen versorgen. Gegen Leipzigs Tempo wird diese Fähigkeit gefragt sein.
Seine Rückkehr würde Bayer nicht von den grundsätzlichen Problemen befreien. Gegen Augsburg verlor die Mannschaft nach der Pause innerhalb weniger Minuten die Kontrolle. Gegen Celje erfüllte sie die Pflicht, verpasste aber das erhoffte Signal. Robert Andrich sprach von einem Spiel, „bei dem wir uns nicht mit Ruhm bekleckert“ haben. Mark Flekken forderte mehr Sauberkeit im Aufbau.
Martínez verlangt Konstanz: „Wenn ich von Entwicklung spreche, meine ich vor allem, konstanter zu werden. Genau darin wollen wir besser und besser werden.“ Leipzig ist nun der Gegner, an dem sich diese Entwicklung messen lassen muss. Ein Sieg würde die Mannschaft mit einem anderen Selbstverständnis in die Pause schicken – und Martínez mit Luft. Eine Niederlage würde dagegen drei Wochen lang Raum für die Frage schaffen, ob der Prozess tatsächlich vorankommt oder nur beschrieben wird.
Leverkusen: Flekken – Quansah, Tapsoba, Medina, Gutiérrez - Fernández, Giarcía, – Ben Seghir, Maza, Moreira – Schick; Leipzig: Vandevoordt - Baku, Orban, Lukeba, Raum - Seiwald - Gruda, El Aynaoui - Maksimovic, Gomis, Nusa; Schiedsrichter: Schröder (Hannover).

