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„Mehr Unterstützung gewünscht“
Tillman kritisiert Führung und Fans von Bayer 04 und lässt Zukunft offen

5 min
dpatopbilder - 28.01.2026, Nordrhein-Westfalen, Leverkusen: Fußball: Champions League, Bayer Leverkusen - FC Villarreal, Vorrunde, 8. Spieltag, BayArena. Torschütze Malik Tillman (Bayer Leverkusen) jubelt nach seinem Treffer zum 2:0. Foto: Marius Becker/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bayer-Profi Malik Tillman im Champions-League-Spiel gegen den FC Villarreal

Leverkusens US-Nationalspieler Malik Tillman spricht über den Fall Balogun bei der WM, kritisiert die Führungsetage der Werkself und die Fans.

Herr Tillman, Sie wirken hier im Trainingslager sehr gelöst und strahlen viel Freude aus. Täuscht dieser Eindruck?

Nein, so bin ich eigentlich immer. Die vergangene Saison ist so gelaufen, wie sie gelaufen ist. Was könnte es für einen besseren Neustart geben als eine neue Saison mit einem neuen Trainer? Ich kann mich wieder neu zeigen und beweisen. Ich versuche, wieder Spaß zu haben. Das hat mir in der vergangenen Saison gefehlt.

Warum hat Ihnen dieser Spaß gefehlt? Lag es an der schwierigen Situation im Verein?

Das ist schwer zu sagen. Ich bin wohl nicht richtig angekommen. In der Mannschaft habe ich mich wohlgefühlt. Aber man kann inzwischen offen sagen, dass es zwischen dem Trainer (Kasper Hjulmand, Anm. d. Red.) und mir nicht richtig gepasst hat. Nun beginnt eine neue Saison mit einem neuen Trainer – ein neuer Start. Ich komme von einer guten Weltmeisterschaft zurück, bin voller Vorfreude und bereit, wieder anzugreifen.

Sie sprechen die WM an. Wie haben Sie das Turnier als US-Nationalspieler erlebt?

Das war beeindruckend. Eine Weltmeisterschaft im eigenen Land ist immer etwas Besonderes. Für mich war es die erste WM, bei der ich mitgespielt habe. Ich hatte eine große Rolle. Natürlich sagt jede Mannschaft, dass sie das Turnier gewinnen will. Unser größtes Ziel bestand aber darin, den Blick auf den Fußball in den USA zu verändern und jüngere Generationen zu ermutigen, selbst mit dem Fußball anzufangen. Ich glaube, dabei haben wir einen großen Schritt gemacht. Darauf können wir stolz sein.

Bei aller Euphorie hat der Fall Balogun das Turnier überschattet. Wie haben Sie die Situation erlebt, und was hat sie mit der Mannschaft gemacht?

Mit mir persönlich hat sie nicht besonders viel gemacht. Balogun ist ein wichtiger Spieler für uns und für die Mannschaft. Im Nachhinein betrachtet darf so etwas aber nicht passieren. Eine Rote Karte ist eine Rote Karte und sollte Bestand haben. Ich weiß nicht, wer dabei wie viel Einfluss genommen hat. Man sollte bei einer Rot-Sperre jedoch nicht im Nachhinein in eine Diskussion einsteigen und die Entscheidung verändern.

Sie haben gesagt, dass es zwischen Ihnen und Kasper Hjulmand nicht gepasst habe. Wie bewerten Sie Ihr erstes Jahr in Leverkusen? Sie mussten teilweise heftige Kritik einstecken. War sie berechtigt, oder fühlten Sie sich ungerecht behandelt?

Die Meinungsfreiheit muss man natürlich akzeptieren. Manche Kritik war sicher auch berechtigt. Manchmal könnte man aber schon etwas mehr Rücksicht nehmen, weil hinter jedem Spieler ein Mensch steht. Wer den Verein als Fan unterstützt, sollte die Spieler in guten wie in schlechten Zeiten unterstützen. Einige haben das getan, ein großer Teil der Reaktionen war aber negativ. Ich kann mit Kritik umgehen, trotzdem ist sie nicht immer leicht zu ertragen.

July 06, 2026: United States of America midfielder Malik Tillman 17 leaps into the air to celebrate his goal during the FIFA World Cup, WM, Weltmeisterschaft, Fussball knockout round of 16 match between USA and Belgium in Seattle, WA. Belgium defeated USA 4-1 to advance to the quarter finals. / CSM FIFA World Cup 2026: JUL 06 USA Vs Belgium PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAc04_ 20260706_zma_c04_043 Copyright: xStevexFaberx

Malik Tillman jubelt über sein Tor beim WM-Spiel gegen Belgien.

Sie haben zwischenzeitlich Bilder mit Bezug zu Leverkusen aus Ihrem Instagram-Profil gelöscht. Darüber wurde viel diskutiert. War das ein Zeichen dafür, dass Sie der Umgang mit Ihnen verletzt hat?

Das wurde in den Medien größer gemacht, als es war. Ich hatte die Beiträge schon einige Wochen vor der Berichterstattung gelöscht. Ich finde einfach, bestimmte Kommentare gehören sich nicht. Natürlich habe ich ein öffentliches Profil. Trotzdem muss ich nicht demütig alles hinnehmen, was dort über mich geschrieben wird. Darum ging es mir: Ich wollte diese Kommentare nicht mehr öffentlich auf meinem Profil stehen lassen. Die Menschen können mir persönlich schreiben oder mich persönlich ansprechen. Es ist leicht, solche Kommentare anonym im Internet zu hinterlassen. Wer ein Problem mit mir hat, kann zum Training kommen, mich nach dem Training ansprechen und es mir sagen. Hinter dem Bildschirm oder am Smartphone kann jeder große Worte schwingen. In der Realität sieht es häufig anders aus.

Die Kritik an Ihnen entzündet sich häufig an Ihrer Körpersprache. Verstehen Sie das?

Ich kann die Kritik verstehen. Wer mich kennt, weiß aber, dass ich einfach so bin. Das war schon immer so, viele Menschen haben mich darauf angesprochen. Mit dieser Kritik kann ich deshalb am leichtesten umgehen. Sie beschäftigt mich nicht mehr, weil ich sie schon so oft gehört habe. Ich bin so und werde auch so bleiben.

Als wir im Herbst miteinander gesprochen haben, sagten Sie: „Trainer sind schnell nicht mehr da, wenn es in einem Klub schlecht läuft. Umso wichtiger ist es, dass der Verein hinter einem Spieler steht und nicht nur der Trainer.“ Hatten Sie in der vergangenen Saison das Gefühl, dass der Verein hinter Ihnen stand?

Vielleicht nicht immer zu hundert Prozent. Die Kommunikation zwischen mir und der Führung ist sicher verbesserungsfähig. Auch während der Weltmeisterschaft hätte ich mir etwas mehr Unterstützung gewünscht. Niemand muss jeden Tag schreiben oder anrufen. Aber hin und wieder hätte ich die eine oder andere Nachricht mehr schön gefunden. Natürlich liegt unser Fokus während einer WM auf dem Turnier, und vielleicht antworten wir Spieler nicht sofort. Trotzdem freut man sich, wenn vom Verein etwas mehr kommt.

Wären Sie ohne den Trainerwechsel noch in Leverkusen?

Ich denke nicht.

In der jetzigen Konstellation können Sie sich aber vorstellen, in Leverkusen zu bleiben und in Ihr zweites Jahr zu gehen? Sie haben noch Vertrag bis 2030.

Ich bin mit der Einstellung zurückgekommen, den Trainer kennenzulernen und mir die Abläufe anzuschauen: Wie arbeitet er? Wie denkt er? Welchen Plan verfolgt er, und welchen Plan hat er mit mir? Am Ende wird sich zeigen, ob ich bleibe oder nicht.

Sie sind erst seit kurzer Zeit zurück. Konnten Sie schon mit dem neuen Trainer über Ihre Rolle sprechen?

Das wird noch etwas dauern. Wir haben gleich am ersten Tag miteinander gesprochen. Dabei ging es aber vor allem um seine Grundprinzipien, die er auch zuvor am ersten Tag vor der Mannschaft erläutert hat: um Leidenschaft und Details.

Welches persönliche Ziel verfolgen Sie, falls Sie in Leverkusen bleiben und der Trainer auf Sie setzt?

Ich will in Leverkusen beweisen, was ich wirklich kann. Das ist mir bislang nicht gelungen. Ich denke, dass mich viele Fans noch unterschätzen. Ich selbst weiß, dass ich sehr viel mehr kann, als ich bisher gezeigt habe.

Was muss sich ändern, damit Bayer 04 wieder die Champions League erreicht?

Wir müssen Spiele gewinnen. (lacht) In der vergangenen Saison haben wir zu viele Spiele aus der Hand gegeben. Im zweiten Saisonspiel gegen Bremen führten wir beispielsweise mit 3:1 und spielten am Ende 3:3. Es gab zu viele unnötige Unentschieden und Niederlagen.

Welche Position liegt Ihnen am meisten? Sie haben einmal gesagt: je weiter vorne, desto besser.

Das habe ich mal mehr oder weniger so gedacht und gesagt. Bei der Weltmeisterschaft habe ich mich allerdings sehr mit meiner dortigen Rolle als Achter angefreundet. Ich glaube, dass ich die Fähigkeiten besitze, der Mannschaft sowohl offensiv als auch defensiv zu helfen.

Bei der WM haben Sie Freistoßtore erzielt. Trifft sich gut, dass bei Bayer jetzt Alejandro Grimaldo weg ist, oder?

(lacht) Ja, aber darüber müssen wir wohl noch etwas diskutieren – vor allem mit Aleix (García, Anm. d. Red.). Ich denke aber, dass ich auf jeden Fall ein Kandidat bin.

Wie erleben Sie das Mannschaftsgefühl im Vergleich zur vergangenen Saison? Sie sind erst seit kurzer Zeit zurück, aber unter anderem Mark Flekken hat bereits von einer neuen Energie gesprochen. Spüren Sie die ebenfalls?

Auf jeden Fall. Wir sind noch enger zusammengerückt, verstehen uns besser und finden auf dem Platz besser zueinander. Daran hat der Trainer großen Anteil. Ich bin zwar erst kurz dabei, aber nach meinem bisherigen Eindruck verlangt er auf dem Platz Leidenschaft und achtet sehr auf die Details. Das gilt ebenso für das Verhalten neben dem Platz. Ein Trainingslager hilft dabei.