Bayer 04 Leverkusen will zurück in die Spitzengruppe, die Leistung beim 2:2 in Augsburg ist dafür nicht gut genug.
„Ist nicht genug“Vier Punkte, alte Muster - Bayer 04 steht schon unter Druck

Leverkusens Trainer Carles Martínez beim Auswärtsspiel beim FC Augsburg.
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Patrik Schick musste nicht lange nach einer angemessenen Beschreibung suchen. „Natürlich tut es weh. Wenn wir in dieser Saison Ambitionen haben und Ziele erreichen wollen, dann fühlt sich das eher so an, als hätten wir zwei Punkte verloren“, sagte der Stürmer nach dem 2:2 beim FC Augsburg. Das Remis war für Bayer 04 kein gewonnener Punkt, sondern die nächste verpasste Gelegenheit. Vor einem Jahr hatte Leverkusen nach drei Spieltagen vier Punkte gesammelt. Nun steht die Werkself erneut bei vier Zählern.
Die Parallele ist nicht nur statistischer Natur. Wieder hat Bayer 04 ein Spiel kontrolliert, wieder war die Mannschaft über die meiste Zeit die bessere, wieder fehlte ihr die Konsequenz, aus dieser Überlegenheit einen Sieg zu machen. Und wieder genügte eine kurze Zeit der Unordnung, um die Partie aus der Hand zu geben. „Wir haben besser gespielt, aber in fünf oder acht Minuten aufgehört, Fußball zu spielen“, sagte Simon Rolfes. Viel präziser lässt sich das Problem kaum fassen.
Der Vergleich zur vergangenen Saison ist deshalb unangenehm, weil die Umstände kaum als Entschuldigung taugen. Leverkusen spielte in den ersten drei Partien gegen Aufsteiger Elversberg, Union Berlin und den FC Augsburg. Das ist nicht die Crème de la Crème der Liga. Gegen Elversberg verlor Bayer 2:3, Union wurde 4:0 geschlagen, in Augsburg reichte es trotz einer starken ersten Halbzeit nur zu einem 2:2. Vier Punkte sind unter diesen Voraussetzungen kein Ausdruck eines schwierigen Programms. Sie sind Ausdruck davon, dass Leverkusen seine Möglichkeiten nicht verlässlich auf den Platz bringt.
Dabei war in Augsburg zunächst vieles zu erkennen, was Trainer Carles Martínez sehen möchte. Bayer gewann zweite Bälle, presste nach Ballverlusten und hielt den Gegner weitgehend vom eigenen Tor fern. Die Mannschaft hatte Kontrolle und führte zur Pause 1:0. Sie hätte aus ihrer Überlegenheit mehr machen müssen. Im letzten Drittel fehlten Zielstrebigkeit und die letzte Entschlossenheit, eine Partie früh in die eigene Richtung zu kippen. „Wir müssen das Spiel entscheiden, wenn es dazu die Möglichkeit gibt“, sagte Kapitän Edmond Tapsoba.
Das betrifft nicht nur den Abschluss. Es geht um den Moment, in dem aus einem guten Angriff eine klare Chance werden muss. Bayer hatte 30 Torschüsse und 14 Ecken. Das klingt nach einer Mannschaft, die genügend Einfluss auf das Spiel genommen hat. Es zeigt zugleich, dass Einfluss allein nicht genügt. Eine ambitionierte Mannschaft muss aus ihrer Dominanz mehr Ertrag ziehen.
Zwei Gegentore in fünf Minuten
Noch schwerer wiegt, was nach der Pause geschah. In der Kabine war angesprochen worden, dass Augsburg mit größerem Druck aus der Halbzeit kommen würde. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Genau darüber haben wir in der Halbzeit gesprochen, und genau das ist dann passiert“, sagte Schick. Innerhalb von fünf Minuten kassierte Leverkusen zwei Gegentore. Beim ersten Treffer blieb die Mannschaft in einer Szene stehen, weil sie den Ball im Aus wähnte. Beim zweiten durfte Michael Gregoritsch nach einer Ecke zu frei zum Kopfball kommen. Es waren keine komplizierten taktischen Rätsel, sondern vermeidbare Aussetzer. „Jeder von uns muss mehr machen. Wir dürfen nicht erst reagieren, wenn wir zwei Gegentore bekommen haben“, sagte Tapsoba. Der Anführer beschrieb damit nicht nur die Augsburger Wende, sondern eine grundsätzliche Anforderung an diese Mannschaft. Die Werkself muss ein Spiel in jeder Phase bearbeiten – gerade dann, wenn der Gegner den Rhythmus verändert und die Partie körperlicher wird.
Martínez wollte den Auftritt nicht auf das Negative reduzieren. Das ist verständlich. Seine Mannschaft hatte sich nach dem 1:2 zurückgekämpft, erzeugte weiter Druck und wurde durch Schicks sehenswerten Hackentreffer in der 89. Minute belohnt. Zugleich benannte der Trainer den entscheidenden Fakt: „Vier Punkte aus drei Spielen sind nicht genug, wenn wir oben in der Tabelle stehen wollen.“ Die Frage lautet nun, ob Bayer aus den wiederkehrenden Fehlern endlich lernt oder ob die guten Phasen erneut als Beleg für eine Qualität dienen, die sich in der Tabelle nicht niederschlägt. Gegen Union war die Reaktion auf Elversberg überzeugend. In Augsburg zeigte sich, dass diese Reaktion noch keine Stabilität bedeutete. Eine Mannschaft, die unter die ersten vier will, muss nicht nur beweisen, dass sie guten Fußball spielen kann. Sie muss beweisen, dass sie ein Spiel auch dann gewinnt, wenn es nicht mehr nach Plan läuft.
Europa League am Mittwoch
Die Europa-League-Partie gegen NK Celje am Mittwoch (21 Uhr, RTL+) kommt deshalb zur richtigen Zeit. Sie bietet Martínez die Möglichkeit, Kräfte zu verteilen und Spielern Einsatzzeit zu geben, die sich anbieten. Vor allem aber kann Bayer Selbstvertrauen tanken. Ein überzeugender Abend würde die verunsichernden Parallelen nicht beseitigen, aber er könnte der Mannschaft wieder jene Sicherheit geben, die in Augsburg nach der Pause verloren ging. Rotation darf dabei aber kein Selbstzweck werden. Wer spielt, muss die Gelegenheit nutzen, die Hierarchie zu verändern oder zu bestätigen.
Die eigentliche Bewertung des Ligastarts wird dann am kommenden Sonntag (15.30 Uhr) vorgenommen. Dann empfängt Leverkusen RB Leipzig, ehe eine dreiwöchige Länderspielpause beginnt. Ein Sieg würde die ersten drei Spieltage nicht ungeschehen machen. Er würde jedoch zeigen, dass Bayer die richtigen Schlüsse gezogen hat. Andernfalls müsste die Analyse schonungsloser ausfallen. Schick hat in Augsburg gesagt: „Alle Spieler, die für Bayer spielen, haben viel Qualität. Es geht aber nicht nur um Qualität. In einem Bundesligaspiel braucht man weitere Dinge, wenn man gewinnen will – das komplette Paket.“ Genau daran muss sich Leverkusen in den kommenden Tagen und Wochen messen lassen. Das Talent ist vorhanden. Die Geduld mit den Aussetzern ist aufgebraucht.

