Köln – Der erste Bundesliga-Spieltag ist vorüber. Was haben wir gelernt?Wir haben gelernt, dass noch mehr Fantasie als angenommen erforderlich sein wird, um in der Meisterschaft so etwas wie Spannung heraufzubeschwören. Der Auftritt des FC Bayern München gegen den amtierenden Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt war von einer Wucht, die jeden Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Dauermeisters ohne seinen Torgaranten Robert Lewandowski weggeblasen hat. Das 6:1 drückte die Kräfteverhältnisse in Frankfurt eher noch gnädig aus.
Was hat sich bei den Bayern ohne Lewandowski geändert?Obwohl in Sadio Mané nur ein Neuzugang in der Startaufstellung stand, darf man festhalten: Sie sind noch schneller, noch flexibler, noch unberechenbarer geworden. Einerseits durch die bloße Präsenz des Senegalesen, der die Offensiver als selbstloser Weltklassespieler mit seinem Speed, seinen Laufwegen und seiner Abschlussstärke beutend verstärkt.
Der schwierige Kopfball zum 3:0 war eines echten Mittelstürmers würdig. Andererseits bedeutet das fußballerische Erwachsenwerden des Super-Talentes Jamal Musiala einen permanenten Klasse-Gewinn der Mannschaft. Der 19-Jährige verfügt über ein Gesamtpaket von Technik, Bewegungsgenie, Fußball-Instinkt, Schnelligkeit und Abschlussstärke, das auch in einer mit Mega-Talent übersäten Fußball-Welt ganz selten ist. Er kann Spiele mit einzelnen Aktionen zu jeder Zeit alleine entscheiden. Und in Partien, die enger und umkämpfter sind als das Schlachtfest gegen Frankfurt, wird das eine noch größere Rolle spielen. Dennoch war der Teenager, der bereits sein 80. Bundesligaspiel absolvierte, in diesem Spektakel voller Offensiv-Klasse mit zwei Toren Mann des Spiels.
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Was ist mit den anderen Top-Zugängen?Die saßen mit einem Gesamt-Transfervolumen mit mehr als 100 Millionen Euro erst einmal auf der Bank. Im Laufe des Spiels durften dann Ryan Gravenberch, Noussair Mazraoui, Matthijs de Ligt und Mathys Tel noch mittun, damit sie am Ende mit Arbeitsnachweis zum Jubeln in die Ecke der Bayern-Fans laufen konnten. Dort hatte sich Sadio Mané das Megafon geschnappt und die Rolle des Jubel-Einpeitschers übernommen. Der leichte Ärger über das durch den falsch dribbelnden Manuel Neuer verschuldete Gegentor und Thomas Müllers viral gehenden Slapstick-Fehlschuss aus zwei Metern waren schon vergessen. Übrigens: Müller hat nach diesem einen Spiel bereits drei Assists auf dem Konto.
Auch in der Hauptstadt scheint die Machtfrage nach dem ersten Spieltag geklärt.In der Tat. Ohne zu glänzen hat Union den Dauerkrisenklub Hertha BSC mit 3:1 Toren besiegt. Der US-Nationalspieler Jordan Sibacheu hat in seinem ersten Bundesligaspiel sofort zum 1:0 getroffen. Die Köpenicker haben dem Klub aus dem Westen der Stadt damit auch gezeigt, wie Profi-Fußball geht. Für rund sechs Millionen Euro haben sie den Mittelstürmer aus Bern als Nachfolger von Taiwo Awoniyi geholt, dessen Wechsel nach Nottingham dem Klub mehr als 20 Millionen Euro in die Kassen gespült hat. Hertha überwirft sich lieber mit seinem Ex-Kapitän Dedryck Boyata, lässt ihn durch den Trainer Sandro Schwarz aus dem Kader werfen und hofft dann noch auf Transfereinnahmen, während die Mannschaft ohne einen Anflug von fußballerischer Linie versagt. Im Pokal ist Hertha raus, in der Bundesliga gleich im letzten Drittel. Sport-Vorstand Fredi Bobic bittet, die Dinge nicht zu schwarz zu sehen. Wortspiele mit Trainer-Namen verbieten sich.
Verlass scheint weiterhin auf den SC Freiburg, der den FC Augsburg mit einem 4:0-Sieg in dessen Stadion bloßstellte.Bemerkenswert war, dass dies nach einem Halbzeitstand von 0:0 geschah. Und typisch, dass der von Augsburg nach Freiburg gewechselte Michael Gregoritsch den Untergang einleitete. Vor dem Spiel war der Österreicher noch von FCA-Manager Stefan Reuter mit einem Blumenstrauß für seinen fünf Jahre in der Fuggerstadt geehrt worden. Die Aufforderung „Reiß dich heute zusammen“ interpretierte er anders, als von Reuter beabsichtigte. Gregoritschs 1:0 fiel 15 Sekunden nach dem Wiederanpfiff. Der Schütze verzichtete auf Jubel aller Art. Kollege Vicenzo Grifo tat sich 90 Minuten später nach seinem Freistoßtreffer zum 2:0 weniger Zwang an. Das Spiel war entschieden. Augsburg wirkte danach wie ein Absteiger, der Freiburg wie ein Europapokal-Teilnehmer, der er ist.
Und wer ist jetzt der offizielle Bayern-Herausforderer?RB Leipzig hat am Sonntagnachmittag 27 Mal aufs Tor des VfB Stuttgart geschossen und trotz einer 1:0-Führung von Christopher Nkunku nur 1:1 gespielt. Dortmund hat die noch am Pokal-Aus leidenden Leverkusener nur mit viel Glück 1:0 geschlagen. Es scheint, als könne der Titel des Bayern-Herausforderers vorerst nicht vergeben werden.



