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Turnier der Wetter-ExtremeKölner Experte warnt vor Hitze und Höhe bei der WM

5 min
Training England

Englands Nationalspieler um Harry Kane (r) während einer Trinkpause. (Archivbild)

Die WM in den USA wird ein Turnier der Wetter-Extreme. Ein Kölner Fachmann sieht große Risiken für Spieler und Fans.

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Extremwetter bei WM: Kölner Fachmann sieht große Risiken für Spieler und Fans. Hohe Temperaturen, extreme Luftfeuchte und große Höhen: Die WM in den USA wird zur Herausforderung. Ein Sportmediziner aus Köln analysiert die Gefahren.

Für Julian Nagelsmann und das DFB-Team hat mit dem Einzug in das WM-Quartier in Winston-Salem (North Carolina) der heiße Sommer in den USA begonnen. In den ersten Tagen in Chicago hatte die Mannschaft am Lake Michigan noch von einer kühlen Brise und einem milden Klima profitiert.

Die norwegische Nationalmannschaft musste im rund 40 Kilometer entfernten Greensboro eine Trainingseinheit wegen Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius abbrechen. Bilder zeigten beispielsweise einen barfüßigen und oberkörperfreien Erling Haaland, der sich sichtlich erschöpft von der Anstrengung erholte.

Sein Mannschaftskamerad Sander Berge äußerte sich dazu: „Das Wichtigste ist, unter diesen Bedingungen zu trainieren. Und dann geht es einfach darum, sich jeden Tag an die Hitze zu gewöhnen“. Nach einer Übungseinheit in Florida konstatierte der englische Angreifer Ollie Watkins: „Es ist heiß, zu heiß“.

Kölner Sportmediziner: „Ein Turnier der Wetter-Extreme“

Die klimatischen Verhältnisse bei der Weltmeisterschaft in drei Ländern variieren stark, von schwül-heißem Wetter im Süden der USA bis zu den Höhenlagen Mexikos. Gegenüber der dpa äußerte sich der Sportmediziner Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule in Köln: „Wir müssen uns auf ein Turnier der Wetter-Extreme einstellen. Besonders kritisch wird die Kombination aus hoher Temperatur, hoher Luftfeuchtigkeit, Reiseaktivitäten und verdichtetem Spielplan sein“.

Borussia Dortmund - CF Monterrey

Das Mercedes-Benz Stadium in Atlanta ist voll klimatisiert. (Archivbild)

Als Austragungsorte mit besonderen Schwierigkeiten gelten Miami, Houston, Dallas und Monterrey. Predel führte aus: „Dort treffen hohe Temperaturen auf teils extreme Luftfeuchtigkeit. In Florida kommen zusätzlich typische Sommergewitter mit Starkregen und Blitzgefahr hinzu. Auch Atlanta und Kansas City können im Juni und Juli sehr schwül und gewitteranfällig sein“.

Eine gänzlich andere Problematik ergibt sich hingegen in Mexiko-Stadt, wie der Sportmediziner erläuterte: „Dort ist weniger die Hitze das Hauptproblem als vielmehr die Höhenlage von über 2.000 Metern. Der reduzierte Sauerstoffpartialdruck kann die Ausdauerleistung und Regeneration deutlich beeinträchtigen“.

Risiken reichen von Dehydratation bis zum Hitzschlag

Die möglichen Gefahren sind erheblich. Laut Predel gehören dazu insbesondere Flüssigkeitsmangel, der Verlust von Elektrolyten, Muskelkrämpfe, Probleme mit dem Kreislauf sowie die unmittelbare Sonneneinwirkung. „Im Extremfall kann es zu einem belastungsinduzierten Hitzschlag kommen, der akut lebensbedrohlich ist.“ Lediglich vier der Arenen – in Dallas, Los Angeles, Houston und Atlanta – besitzen schließbare Dächer, um die Temperatur im Inneren zu senken.

Dunkle Wolken über dem Fußballstadion in Charlotte

Wegen eines Gewitters musste die Achtelfinalpartie bei der Club-WM zwischen Benfica Lissabon und dem FC Chelsea im Vorjahr unterbrochen werden. (Archivbild)

Club-WM als warnendes Beispiel

Einen Vorgeschmack darauf, wie das Wetter das Großturnier in Nordamerika prägen könnte, lieferte die Club-Weltmeisterschaft des vergangenen Jahres. Damals mussten sechs Partien für Zeiträume von 40 Minuten bis zu 2 Stunden pausieren. Niko Kovac, damals Trainer von Bayern München, kommentierte dies bereits 2019 bei einer USA-Tour: „Wir spielen zwar Fußball, aber mit dem Sport an sich hat das nichts zu tun“.

England-Fans

Kein T-Shirt nötig: England-Fans bei einem Freundschaftsspiel in Florida.

In den Vereinigten Staaten gibt es eine klare Regelung: Sobald Blitze in einem Radius von 13 Kilometern um eine Arena erfasst werden, erfolgt eine sofortige Spielunterbrechung von wenigstens 30 Minuten. Nicht nur extreme Hitze, sondern auch die Gefahr von Unwettern führte zu Pausen, wie bei der Begegnung zwischen Benfica und Chelsea. Aufgrund von Blitzgefahr mussten die Akteure in die Umkleiden und die Zuschauer das Stadion verlassen.

FIFA reagiert mit Trinkpausen – Wissenschaftlern reicht das nicht

Als Konsequenz aus den Erfahrungen bei der Club-WM hat die FIFA reagiert: Es wird nun pro Spielhälfte eine dreiminütige Pause zum Trinken geben. Ferner stehen bei Partien unter freiem Himmel klimatisierte Bänke für die Betreuer und Ersatzspieler zur Verfügung.

Diese Vorkehrungen sind einer Gruppe international renommierter Wissenschaftler jedoch unzureichend. In einem öffentlichen Schreiben verlangten sie eine Verlegung von Spielen, wenn die Temperatur 28 Grad übersteigt, sowie die Einführung von Kühlpausen mit einer Dauer von mindestens sechs Minuten. Die 20 Experten aus den Fachgebieten Gesundheit, Klima und Sportleistung gaben die Warnung aus, dass in 14 der 16 Austragungsorte die Temperaturen bedenkliche Niveaus erreichen könnten.

Hierfür ist nicht allein die Lufttemperatur ausschlaggebend, sondern die sogenannte Kühlgrenztemperatur (Wet-Bulb-Globe-Temperatur, WBGT). Bei diesem Wetter-Index fließen Faktoren wie Sonneneinstrahlung, Windgeschwindigkeit und die Feuchtigkeit der Luft zusammen.

Digitale Kapseln zur Überwachung der Spieler

Die Teams stellen sich gezielt auf die hohe Beanspruchung ein. So wurde die englische Auswahl über ein Jahr lang von Sportwissenschaftlern auf die Verhältnisse vorbereitet. Laut übereinstimmenden Berichten in den Medien nahmen die Spieler digitale Kapseln zu sich, mit denen Körperdaten während der Anstrengung gesammelt wurden, um die Toleranz gegenüber Hitze und die Erholungsfähigkeit auszuwerten.

Manuel Neuer

Hat auch ohne Einsatz Durst: Fußball-Nationaltorhüter Manuel Neuer.

Trainer Thomas Tuchel sagte dazu: „Die Bedingungen sind nicht unser größter Gegner, aber sie sind nach einer langen und sehr anspruchsvollen Saison für unsere Spieler auch kein Vorteil. Wir sind diese Art von Hitze und Luftfeuchtigkeit nicht gewohnt“.

So wollen die WM-Städte Fußball-Fans schützen

Die klimatischen Verhältnisse stellen nicht nur für die Athleten eine Gefahr dar, sondern erfordern auch von den Zuschauern besondere Vorsicht. Für Unmut sorgt in diesem Zusammenhang die Regelung, dass aus Sicherheitserwägungen das Mitbringen von leeren Wasserflaschen in die Arenen untersagt ist.

Die Veranstalter stehen daher in der Pflicht. So beabsichtigt das Gesundheitsamt im Los Angeles County, weitreichend über Schutzmaßnahmen gegen Hitze und die Notwendigkeit von genügend Trinken aufzuklären. In New York sollen Mitteilungen an Nutzer des öffentlichen Warnsystems und via WhatsApp an Gäste aus dem Ausland gehen. Die Stadt Seattle erwägt, bei Fan-Veranstaltungen und Spielen klimatisierte Busse sowie Anlagen zur Wasservernebelung bereitzustellen. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.