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Initiative an der UniVom Dorf zur Promotion – die Perspektiven von Erststudierenden in Köln

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Sieben Personen stehen vor einer Leinwand, auf der steht: „Role Model Night: Mein Karriereweg als Erstakademiker*in“, darunter das Datum (02.07.2026) sowie daneben „Gefördert durch Ford Philanthropy und Global Giving“.

Die Vortragenden der Role Model Night, unter ihnen Martina Belarbi (dritte v.l.) und Ann-Kristin Kolwes als Moderatorin und Organisatorin (rechts außen).

Menschen, die als Erste in ihrer Familie studieren, haben es oft schwerer. An der Uni Köln gibt es Hilfsangebote. Zwei Betroffene erzählen.  

Der Neue Senatssaal der Uni Köln. Als Martina Belarbi vor dem Publikum steht, zeigt die Präsentation auf der Wand hinter ihr die Stationen eines sozialen Aufstiegs. Die Etappen sind Meilensteine, sie sind in unterschiedlichen Pastellfarben hervorgehoben. Sie steht neben einem Tisch, hält ihre Karten und das Mikro, man sieht ihren Schweiß im Gesicht glänzen. Sie spricht über ihre eigene Geschichte. Martina Belarbi ist 35 Jahre alt, sie promoviert am Lehrstuhl für Pädagogik und Didaktik für Menschen mit geistiger Behinderung. Dass sie heute hier steht, ist ein statistischer Ausnahmefall. Denn Martina ist die Erste in ihrer Familie, die sich fürs Studieren entschieden hat. Solche Menschen nennt man Erststudierende.

Für diese Gruppe wurde die „Role Model Night“ ins Leben gerufen, bei der Belarbi spricht. Es ist ein Abend, um diejenigen zu erreichen, die andere Startvoraussetzungen haben. „Die Universität ist für Arbeiterkinder oft eine völlig fremde Welt“, sagt Ann-Kristin Kolwes. Allein Wörter wie „Kommilitonen“ und „Asta“ seien fremd. Die 39-jährige promovierte Historikerin arbeitet an der Uni Köln als Referentin für Bildungsgerechtigkeit und gehört zum Organisationsteam des Abends. Laut nationalem Bildungsbericht beginnen von 100 Kindern aus Nicht-Akademiker-Familien statistisch gesehen nur 27 ein Studium. Bei Akademikerkindern sind es 79.

Dafür gibt es viele Gründe. Kolwes ist selbst Erstakademikerin, Tochter einer Pharmareferentin und eines Bankkaufmanns. Sie habe es vergleichsweise leichter gehabt als andere. „Ich habe keine Armutserfahrung und keinen Migrationshintergrund“, sagt sie. Ihr Anliegen ist es, das akademische System gerechter zu machen. Sie sorgt zum Beispiel dafür, dass Erststudierende eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft bekommen. Damit haben sie „einen Fuß in der Tür“ und einen Job. Das gibt Sicherheit. „Viele haben Angst zu scheitern, die falsche Entscheidung getroffen zu haben und dann mit Schulden dazustehen.“ Und allein die Bürokratie bei der Einschreibung und das Beantragen von Bafög seien oft eine Riesenhürde.

Keine Angst vor dummen Fragen

„Ich war nie gut in Rechtschreibung und Grammatik, kannte außer meinen Lehrern niemanden, der studiert hat. Mit 16 dachte ich, mit 25 zu heiraten und drei Kinder zu bekommen, und dass ich im Dorf ein Haus im Garten meiner Oma baue“, erinnert sich Kolwes. Sie weiß aber auch noch, wie stolz sie war, einen Schlüssel zu einem Büro an der Uni zu haben. Sie wurde damals als studentische Hilfskraft angestellt. „Weil ich immer Fragen gestellt habe und damit auffiel. Mir war egal, ob die Fragen dumm waren.“

Martina Belarbis Weg zur Uni war schwierig. Sie stammt aus einem kleinen Dorf in Thüringen. Ihr Vater war Handwerker und zeitweise arbeitslos, die Mutter Postzustellerin. Aus ihr werde wohl nichts Großes, meinten die Lehrer. Ihren Eltern waren ihre Schulnoten und Hobbys egal, erwartet wurde von ihr, eine Ausbildung zu machen.

Mit 16 Jahren zog sie aus, lebte in einer WG und machte ihr Fachabitur. Neben der Schule und während ihres gesamten Studiums arbeitete sie bei McDonald’s. Die Wende kam dann auch durch ihren heutigen Mann. Der war nach Deutschland gekommen, um zu studieren, und stellte ihr damals die Frage: Warum studierst du eigentlich nicht? Durch die erste Hausarbeit an der Uni fiel sie durch. Ihre Mitstudierenden hatten Eltern, die Hausarbeiten Korrektur lesen konnten, doch Belarbi musste sich allein durchschlagen. Sie wollte nicht dumm wirken durch ständiges Nachfragen. Auch Ann-Kristin Kolwes weiß, wie ernüchternd der Start sein kann, wie Scheitern und Probleme zu Selbstzweifeln werden und zum Gefühl, fehl am Platz zu sein: „Vor allem wenn man in der Schule zu den Besten gehört hat, nagt das am Selbstbewusstsein. Es braucht Mut und Durchhaltevermögen, um diese Zweifel und Ängste zu überwinden.“

Mentoring-Programm für Erstpromovierende

Die „Role Model Night“ soll dabei helfen. Sie ist Teil einer Initiative an der Uni, die gerechte Chancen und Bildung fördert. Diese schafft Hilfsangebote und Programme, die unter anderem von einer Stiftung von Ford finanziert werden. Und wer wie Martina Belarbi eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, findet Rückhalt in einem Mentoring-Programm.

„Man lernt aus Fehlern und wird selbstbewusster“, sagt Belarbi. Trotzdem ist in ihr noch die irrationale Angst, dass sie doch nicht promovieren darf. Und vor fremden Leuten die eigene Lebensgeschichte zu erzählen, sei ihr am Anfang unangenehm gewesen, also habe sie versucht, sich das Publikum wegzudenken.

„Ich habe früher immer gezweifelt, ob meine Geschichte überhaupt besonders genug ist“, sagt Martina Belarbi. Doch nach ihrem Vortrag kommt eine junge Frau aus dem Publikum auf sie zu und bittet sie um Tipps. Das sei für sie der Moment, für den sich der Aufwand bereits lohne. Schon dann, wenn man nur eine Person erreicht.