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Haie-Trainer Kari Jalonen„Für mich ist es wie eine Familie – ich genieße meine Zeit in Köln sehr“

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Augsburg, Deutschland 26. September 2025: 1. DEL - 2025/2026 - Sp. 5 - Augsburger Panther vs. Kölner Haie Im Bild: Trainer Kari Jalonen Köln gibt Abweisungen an seine Spieler *** Augsburg, Germany 26 September 2025 1 DEL 2025 2026 Sp 5 Augsburger Panther vs Kölner Haie In the picture Coach Kari Jalonen Cologne gives rebuffs to his players Copyright: xFotostandx/xStiebertx

Kari Jalonen hat die Kölner Haie zum Hauptrundentitel geführt und will mit dem Team Meister werden. 

Der finnische Coach des KEC spricht im Interview über die Erfolgssträhne der Haie, seine Eishockey-Philosophie, das Restprogramm in der DEL-Hauptrunde und die anstehenden Playoffs.

Herr Jalonen, Ihre Haie-Mannschaft spielt eine großartige DEL-Saison, gewinnt ein Spiel nach dem anderen und steht schon seit dem 1. März als Sieger der DEL-Hauptrunde fest. Sie müssen ein sehr glücklicher Trainer sein.

In dieser Saison ist bisher vieles sehr positiv gelaufen. Für mich ist das eine Bestätigung für den Weg, den wir seit fast zwei Jahren gehen. Es ist ein Prozess, wir haben Schritt für Schritt etwas aufgebaut.

Könnten Sie den Prozess beschreiben?

Das Wichtigste für mich ist, wie wir hier zusammenleben. Für mich ist es wie eine Familie – der Verein, die Mannschaft, alle zusammen. Wir trainieren zusammen, wir spielen zusammen und wir verbringen viel Zeit miteinander – auch außerhalb des Eises. Wir haben viele Dinge gemeinsam gemacht. Dieses Gefühl, wie eine Familie zu leben und zu arbeiten, war mir von Anfang an wichtig. Damit habe ich schon in meinem ersten Jahr hier in Köln begonnen.

Und Sie haben die Mannschaft, mit der Sie 2025 ins Playoff-Finale kamen, im vergangenen Sommer deutlich verstärkt.

In dieser Saison sind wir sportlich stärker als im vergangenen Jahr. Das war ich aber nicht allein. Unser Sportdirektor Matthias Baldys hat auf dem Transfermarkt einen sehr guten Job gemacht. Die Spieler fühlen sich wohl hier. Wenn wir Probleme hatten, hat Matthias Lösungen gefunden und immer die passenden Spieler geholt.

Im Eishockey gibt es nur eine Art zu spielen: mit hundert Prozent Einsatz, und zwar immer
Kari Jalonen, Trainer der Kölner Haie

Zum Beispiel den finnischen Torwart Janne Juvonen, der im Herbst kam, nachdem Felix Brückmann sich verletzt hatte. Kannten Sie Juvonen schon vorher?

Ja, ich kannte ihn schon. Aber die Verpflichtung war die Arbeit unseres Sportdirektors. Natürlich sprechen wir darüber, aber die Verpflichtungen sind seine Aufgabe. Das gilt auch für Markus Nutivaara, unseren neuen Verteidiger. Auch hier hat der Verein lange gearbeitet, um den passenden Spieler zu finden.

Wenn alle fit sind, müssen nun zwei Ausländer draußen bleiben, da nur neun von elf pro Spiel eingesetzt werden dürfen. Ein Problem für Sie?

Nein. Das ist im Eishockey ganz normal.

Wie ist Ihr Ansatz für die letzten Spiele der Hauptrunde? Nach dem 6:2 gegen Augsburg am Mittwoch sind es noch vier.

Unsere Gegner kämpfen alle noch um ihre Plätze – Mannheim, Berlin, Wolfsburg und Straubing. Deshalb erwarten wir sehr intensive Spiele. Unser Ansatz ist einfach: Wir wollen weiter unser Spiel spielen und versuchen, die Spiele zu gewinnen. Wir ändern nichts an unseren Abläufen. Unsere Vorbereitung bleibt gleich, auch die Arbeit meiner Assistenztrainer und die Analyse der Gegner.

Ist es schwierig, die Spannung hochzuhalten, wenn Platz eins schon feststeht?

Wir haben mit der Mannschaft darüber gesprochen. Im Eishockey gibt es nur eine Art zu spielen: mit hundert Prozent Einsatz, und zwar immer. Man kann nicht mit 90 oder 95 Prozent spielen. Das funktioniert nicht. Wir haben eine gute Stimmung in der Kabine und einen starken Teamgeist. Alle wissen: Wir haben die Hauptrunde gewonnen, und das ist schön. Aber der wichtigste Teil der Saison kommt erst jetzt.

Nach der Hauptrunde haben Sie wegen der Pre-Playoffs eine Woche Pause. Wie überbrücken Sie das?

Das ist gar nicht so einfach. Nach einer langen Saison ist eine Pause gut, aber sie ist auch kurz. Wir haben bereits einen Plan – ein bisschen Erholung und natürlich Training.

Unter den letzten Gegnern sind Teams, gegen die Sie auch in den Playoffs spielen könnten, zum Beispiel Mannheim, wo Sie am Freitagabend antreten. Ist es Ihnen wichtig, ein Zeichen zu setzen?

Wir haben auch darüber gesprochen. Jedes Spiel ist ein eigener Wettbewerb. Wichtig ist, dass wir unser Spiel spielen – und, wie gesagt, bei 100 Prozent sind.

Sie waren während der Olympischen Spiele in Mailand TV-Kommentator für das finnische Fernsehen. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Ich habe sehr viel Eishockey gesehen und hatte nur zwei Tage frei, sonst habe ich fast alle Spiele verfolgt. Das Niveau war sehr hoch. Man sieht deutlich, wohin sich das Eishockey entwickelt: mehr Geschwindigkeit und mehr technische Qualität. Das Tempo ist unglaublich.

Im Finale zwischen Kanada und den USA hat man gesehen, wie wichtig ein guter Torhüter sein kann, als die USA in der Overtime mit 2:1 gewannen – vor allem dank Goalie Connor Hellebuyck.

Ein Torhüter kann ein Spiel entscheiden. Kanada hat meiner Meinung nach im Finale sehr gutes Eishockey gespielt, aber sie haben verloren. Ich mag das Drei-gegen-Drei in der Verlängerung eigentlich nicht so. Aber so ist das Spiel, man muss den Sieger respektieren.

Sie haben in Köln eine starke Mannschaft – einen guten Torwart, eine gute Verteidigung und gute Stürmer. Was könnte in den Playoffs noch schiefgehen?

Darüber denke ich nicht nach. Wir gehen Schritt für Schritt. Im Moment denke ich nur an die letzten Hauptrunden-Spiele. Danach konzentrieren wir uns auf die Playoffs.

Jetzt ist nicht der Moment, über Abschied zu sprechen. Bald beginnt die wichtigste Zeit des Jahres
Kari Jalonen über seinen Abschied am Saisonende

Sie waren viermal in Finnland Meister und zweimal in der Schweiz und haben auch Erfahrung damit, als Hauptrundenerster in die Playoffs zu gehen. Das dürfte hilfreich sein?

Platz eins gibt Selbstvertrauen. Die Spieler wissen, dass sie Spiele gewinnen können. Die Hauptrunde ist wie ein Marathon. Man muss über die ganze Saison konstant arbeiten – Training, Spiele, Vorbereitung. Die Playoffs sind etwas anderes. Dort lebt man noch viel stärker im Moment.

Nach der Saison werden Sie die Haie verlassen. Sie würden sich am liebsten mit einem Sieg im letzten Spiel und dem Titel verabschieden?

Wir wissen, dass in den Playoffs alles passieren kann. Im Moment denke ich nicht daran. Ich genieße einfach die Zeit hier.

Haben Sie in Köln auch noch etwas Neues über Eishockey gelernt?

Ja, vieles. Es war viel Arbeit, alles aufzubauen – Training, Organisation, Reisen. Das gehört zum Trainerjob. Genau deshalb mache ich diesen Beruf. Ich genieße meine Zeit hier in Köln sehr. Aber jetzt ist nicht der Moment, über Abschied zu sprechen. Bald beginnt die wichtigste Zeit des Jahres.