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Nach Irans WM-AusBayer 04 macht sich Sorgen im Sardar Azmoun

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Sardar Azmoun beim Spiel gegen Wales

Der iranische Regimekritiker kehrt ohne Umweg über seine Heimat nach Leverkusen zurück. Geschäftsführer Simon Rolfes bezeichnet die Situation als "kompliziert" und "herausfordernd". 

Am Donnerstag beginnt bei Bayer 04 Leverkusen die ungewöhnlichste Trainingsphase der Bundesliga-Geschichte. Die Mannschaft kommt aus einem Kurz-Urlaub. Und wird sich nach knapp drei Wochen harter Arbeit in den nächsten Kurzurlaub verabschieden. Anfang Januar geht es mit der direkten Vorbereitung auf die letzten beiden Rückrundenspiele weiter, ehe die Rückrunde beginnt. Und als wäre dieser Wahnsinn nicht verrückt genug, wissen die Verantwortlichen auch nicht, in welcher Verfassung wichtige Spieler zurückkehren.

Die Hauptsorge gilt Sardar Azmoun (27), der am Dienstag mit der Nationalmannschaft des Iran bei der Weltmeisterschaft ausgeschieden war. Der profilierteste Kritiker der Mullah-Diktatur unter den iranischen Profis reiste im Gegensatz zu einem Großteil der Mannschaft nicht in die Heimat. Dort hätten ihn als Unterstützer der Proteste nach dem Tod von Mahsa Amini schwere Repressalien erwartet. Noch vor den letzten beiden Testspielen des Iran in Österreich hatte der Stürmer mit regimekritischen Äußerungen für Wirbel gesorgt. Während der Tage in Katar hatte er nach extremer Einschüchterung bis hin zu Bedrohung der Mannschaft durch die Machthaber keine Meinungsäußerung von sich gegeben. Dem Schweigen zur Nationalhymne nach dem Auftaktspiel folgte ein Schweigen in den sozialen Medien.

„Sardar Azmoun wird ein paar Tage frei haben und dann noch vor Weihnachten hier bei uns ins Training einsteigen. Natürlich versuchen wir, ihm zu helfen, aber es ist eine sehr komplizierte Situation für alle, für ihn und seine Familie als Betroffene ganz besonders, aber auch für uns als Klub ist das herausfordernd“, sagte Leverkusen Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes am Mittwoch im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Rolfes hofft, dass Azmoun im Trainingsalltag als Fußball-Profi zu Rhythmus und sportlicher Normalität findet. „Es wird nicht einfach, trotzdem glaube ich, dass er das schaffen wird, denn Fußball ist auch seine Leidenschaft.“

Trotzdem ist es für den Arbeitgeber, der mit Azmoun einen Vertrag bis 2027 abgeschlossen hat, schwer, in das wahre Leben des iranischen Volkshelden einzudringen. Sardar Azmoun ist nicht nur einer der beliebtesten Fußballer seines Landes, er ist auch Besitzer eines erfolgreichen Gestüts in seiner Heimatstadt Gonbad-e Kavus und Sponsor einer Volleyball-Frauenmannschaft, die den Namen seines Lieblingspferdes Serik trägt. Wenn ein aktiver Fußballer als Symbol des Widerstandes taugt, dann er. Fast alle anderen haben den Respekt der Fans dadurch verloren, dass sie rund um die WM nicht genug Solidarität mit den leidenden Menschen in der Heimat zeigten.

Ich liebe die iranischen Menschen, und ich mag es, dass viele von ihnen meine Fans sind
Sardar Azmoun

„Ich liebe die iranischen Menschen, und ich mag es, dass viele von ihnen meine Fans sind. Ich freue mich darüber und möchte es nicht ändern“, hat Azmoun im Juli in einem Interview mit dieser Zeitung gesagt. Das Problem von Bayer 04 Leverkusen ist, dass man dringend jenen Sardar Azmoun bräuchte, der in seiner Zeit vor dem Wechsel von Zenit St. Petersburg zu Bayer 04 im Januar 2022 Tore am Fließband schoss. Dass dieser Profi allerdings angesichts der Sorge um seine Heimat und seine inzwischen zum Großteil aus dem Iran ausgereiste Familie nicht einfach verfügbar ist, zeigte auch sein letzter Auftritt bei der WM in Katar. Im entscheidenden Vorrundenspiel gegen die USA (0:1) stand der Leverkusener in der Startaufstellung, wurde aber nach 45 Minute ohne Wirkung ausgewechselt.

Patrick Schicks Adduktorenprobleme sind ein Langzeitproblem

Erschwerend kommt für Bayer 04 hinzu, dass Top-Mittelstürmer Patrik Schick weiterhin an den Adduktorenproblemen leidet, die ihn schon vor Beginn der WM-Pause gebremst hatten. Eine Operation im Mai 2022 hatte nicht den gewünschten Erfolg. Schon im Trainingslager berichtete der Tscheche davon, dass die Schmerzen immer noch da seien. „Es ist eine Sache, die nicht von heute auf morgen weggeht, das ist ein Prozess, den wir beobachten müssen“, erklärt Simon Rolfes. Auch hier werden die nächsten Trainingswochen und die beiden Testspiele am 10. und 17. Dezember bei den Glasgow Rangers und gegen den FC Zürich Aufschluss geben. Zur Not hat die Werkself als Mittelstürmer den jungen Adam Hlozek (21) in er Hinterhand, der im Sturmzentrum beim 3:0 in St. Louis zweimal traf.

Von der Trainingsphase bis 19. Dezember erhofft sich Simon Rolfes nach dem katastrophalen Saisonstart, dem Trainerwechsel und zuletzt drei Siegen einen weiteren Schub: „Es geht nicht nur darum, alle irgendwie bei Laune zu halten. Wir wollen und sportlich und taktisch schon weiterentwickeln. Der Großteil der Mannschaft steht zur Verfügung. Auch Florian Wirtz ist wieder voll belastungsfähig und fit. Er wird weiter an sein früheres Leistungsniveau herangeführt.“