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Gewalt im Netz„Diese Inhalte haben  im Kinderalltag nichts zu suchen“

Der Kölner Gründer des Elternblogs „Medienzeit“ Tobias Dillinger im Interview über Gefahren in der digitalen Welt.

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Tobias Dillinger ist Gründer des Elternblogs „Medienzeit“.

Herr Dillinger, als Vater eines Teenagers und als Schulelternsprecher kennen Sie die Herausforderungen der digitalen Lebenswelt von jungen Menschen und haben deshalb das ehrenamtliche Elternprojekt Medienzeit gegründet. Welche Apps sind für Kinder besonders gefährlich?

Tobias Dillinger: Egal ob auf TikTok, Snapchat, WhatsApp oder Gaming-Plattformen, überall stoßen Kinder immer wieder auf Gewalt, Pornografie, Rassismus. Besonders kritisch sehe ich Roblox und Snapchat. Wir erfahren regelmäßig, dass junge Menschen dort verstörenden Inhalten, Erpressung und Grooming begegnen. Roblox wirkt wie ein Kinderspiel, Snapchat wie ein harmloser Messenger. Viele Eltern unterschätzen die Risiken massiv. Von beiden Plattformen raten wir deshalb dringend ab.

Können Sie die Gefahren an einem Beispiel konkretisieren?

Es gibt kaum eine andere App, die allein durch ihre Funktionen so sehr kriminelle Machenschaften begünstigt wie Snapchat – vor allem Grooming. Erwachsene Täter schreiben Kinder an, geben sich als Gleichaltrige aus und bauen Vertrauen auf. Dann fordern sie intime Bilder und drohen, diese an Mitschüler oder die Familie zu schicken. Sie erpressen Geld, weitere Bilder oder sexuelle Handlungen. Hinzu kommen Drogenangebote und Videos, die Gewalt, sexualisierte Inhalte oder Selbstverletzung zeigen. Kinder müssen danach nicht suchen, um ihnen zu begegnen.

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Sie nennen auch WhatsApp – wo liegen hier die Risiken?

In Klassenchats kommt es zu Mobbing. Über diverse Kanäle können Kinderschutzmaßnahmen leicht umgangen werden. YouTube-Videos laufen auch dann direkt in WhatsApps ein, wenn die YouTube-App eingeschränkt ist. Besonders erschreckend sind Kanäle, auf denen sich Grundschulkinder sexualisierte Reaktionen erhalten.

Welche Risiken bringt die Künstliche Intelligenz mit sich?

KI bietet Chancen, etwa beim Lernen. Ohne Begleitung entstehen aber erhebliche Risiken. Uns erreichen zunehmend Berichte über Erpressung mit KI-generierten Nacktbildern von Mitschülern. Dafür genügt oft ein gewöhnliches Foto. Die Täter sind häufig selbst Jugendliche. Ein neues Thema sind Chatbots, die Freundschaft oder Liebe simulieren. Anbieter machen emotionale Bindung zum Geschäftsmodell.

Kinder entwickeln Gefühle für eine KI, die nichts empfindet?

... und keine Verantwortung übernimmt. Echte Freundschaften und der Umgang mit anderen Menschen geraten dabei oft in den Hintergrund. Nutzer erstellen auch Nachbildungen realer Mitschüler, Lehrer oder Nachbarn, ohne deren Wissen.

Wie können Eltern ihre Kinder schützen, ohne ihnen das Smartphone einfach wegzunehmen?

Wir empfehlen, dass das Smartphone nachts außerhalb des Kinderzimmers liegen sollte. Eltern sollten Apps, die Ihre Kinder nutzen auch selbst anschauen. Alle in meiner Klasse nutzen auch die App ist kein Grund, diese zu erlauben. Kinder erzählen oft nicht, dass sie auf verstörende Inhalte geraten, weil sie Angst haben, dass ihnen dann das Handy weggenommen wird. Vorwürfe wie Du solltest doch keine Fotos verschicken! helfen nicht. Die Schuld liegt beim Täter, nicht beim Kind.

Ab welchem Alter sollten Kinder soziale Medien nutzen dürfen?

Je später desto besser. Wir bei „Medienzeit“ empfehlen, soziale Medien ab 16 Jahren zu nutzen. Aufnahmen oder Videos von Kriegsverbrechen und Folter, sexualisierte Inhalte oder Videos, die Selbstverletzungen in Echtzeit dokumentieren, gelangen heute sehr leicht über Feeds und Chats bis auf den Schulhof. Wir dürfen nicht hinnehmen, dass solche Inhalte Teil des Kinderalltags werden.


Tobias Dillinger ist Inhaber einer Kölner Kommunikationsagentur und berät Unternehmen zu digitaler Kommunikation. In seiner Funktion als Gründer des ehrenamtlichen Elternprojekts Medienzeit war er als Referent beim Eltern-Fachtag des Vereins Mediensuchtprävention NRW e.V. zu Gast. Bei Medienzeit finden Eltern praxisnahe Tipps zu sicherer Mediennutzung, Social Media, Gaming, KI und Online-Gefahren ihrer Kinder.