Zwei aktuelle Studienbestätigen: Der Druck auf die junge Generation wächst, schadet ihr und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Jugendstudie 2026„Die einsamste junge Generation, die wir je hatten“

Einsamkeit und psychische Probleme erreichen Höchstwerte innerhalb der jungen Generation. Fotolia/Aamon
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Gleich zwei, in der vergangenen Woche veröffentlichte Studien über die aktuellen Lebensrealitäten der Jugend, über ihre Sorgen, Ängste und Hoffnungen, zeichnen ein finsteres Bild, das einen Schatten über unser Land legt. Laut deren Ergebnissen steigt der Druck aufgrund von Dauerkrisen auf die junge Generation. Die Chancen, den enormen Herausforderungen, die Kriege, KI und Social Media mit sich bringen, gerecht zu werden, schwinden– ebenso wie die Aussichten auf eine lebenswerte Zukunft. Bei der Mehrheit der jungen Menschen überwiegt eine starke Unzufriedenheit mit der Wirtschaft, dem gesellschaftlichen Zusammenhalt, der Wohnraumsituation, den defizitären Berufsaussichten und den politischen Verhältnissen in Deutschland.
Ein Drittel der Jugend wünscht sich eine psychische Behandlung – während die Krankenkassen beschließen, die Honorare für Psychotherapeutinnen und -therapeuten zu kürzen, obwohl die Wartezeiten für einen Therapieplatz schon jetzt bei bis zu einem halben Jahr und länger liegen.
Psychischer Stress auf einem Höchststand
Einsamkeit und psychischer Stress auf einem Höchststand prägen die Lebenslage vieler junger Menschen – in diesen Kernbotschaften decken sich die Ergebnisse der beiden Erhebungen „Jugend in Deutschland“ unter Leitung von Jugendforscher Simon Schnetzer in Kooperation mit der Universität Potsdam und die „Jugendtrendstudie 2026“ des Instituts für Generationenforschung, die Rüdiger Maas geleitet hat – mit Unterstützung des Lehrstuhls für Schulpädagogik der Universität Augsburg.
Der Protest der Jugend ist nicht laut, aber unter der Oberfläche braut sich etwas zusammen, was langfristig Wirtschaft, Regionen und soziale Sicherungssysteme gefährden kann
Einsamkeit ist unter Jugendlichen auf Social Media längst ein großes Thema – nun belegt die Jugendtrendstudie 2026 dieses Phänomen empirisch. Je intensiver junge Menschen soziale Medien nutzen, desto stärker sind ihre Einsamkeitsgefühle. „Junge Menschen in Deutschland fühlen sich so einsam wie nie. Wir konnten zeigen, dass sie heute wesentlich einsamer sind als Gleichaltrige vor zwanzig Jahren“, sagt Studienleiter Rüdiger Maas.
Soziale Medien steigern Einsamket junger Menschen
Sein Forscherteam hat für die Studie knapp 5.000 Personen befragt, darunter Schülerinnen und Schüler der „Generation Alpha“ (zehn bis 18 Jahre), junge Erwachsene der „Generation Z“ (19 bis 29 Jahre) sowie pädagogisches Fachpersonal, Eltern und andere Personen im Alter zwischen 30 und 88 Jahren („Boomer- und Nachkriegsgeneration“). Im Fokus standen Fragen nach dem Umgang mit Künstlicher Intelligenz, politischer Orientierung und Rezepten gegen die Einsamkeit.
Die Antworten sind ernüchternd: Am einsamsten fühlen sich diejenigen jungen Menschen, die sich mehrere Stunden am Tag in Sozialen Medien verlieren, sich dadurch ständig mit anderen vergleichen und regelrecht vereinsamen. „Sie suchen virtuell nach Freunden, Austausch und Anerkennung – und werden enttäuscht. Statt Anschluss zu finden, steigert jede Stunde Online-Nutzung ihr Gefühl der Einsamkeit", sagt Maas.
Erschöpfung und leere soziale Batterien
Ein wachsender Teil der jungen Generation leidet unter Stress, Erschöpfung und Überforderung. Freundschaften werden zwar als wichtig empfunden, gleichzeitig fällt es vielen schwer, stabile analoge Beziehungen aufzubauen oder aufrechtzuerhalten. So entsteht das Bild einer Generation, die sich emotional zunehmend isoliert fühlt – und eine leere „Social Battery“ (soziale Batterie), erlebt.
Die Studie zeigt dabei deutliche Unterschiede zwischen den Generationen: „Gen Z“ fühlt sich im Schnitt zwei bis drei Tage pro Woche „leer“, „Gen Alpha“ etwa zwei Tage, während „Babyboomer“ und die Nachkriegsgeneration nur etwa einen Tag pro Woche von dieser Leere und Erschöpfung berichten.„Soziale Medien können antisozial wirken: Je mehr man davon konsumiert, desto stärker ist die soziale Isolation“, sagt Maas. Das „Wie“ des Digitalkonsums entscheide über die Befindlichkeit – darüber, ob die soziale Batterie leer ist. Wird Social Media etwa reflektiert genutzt, zum Lernen oder Arbeiten, führt digitaler Konsum nicht zwangsläufig zur Vereinsamung.
Granny Style: Rückzug, Ruhe und Routinen
Viele junge Menschen reagieren darauf mit Rückzug. Statt Partys und Nachtleben setzen sie auf Ruhe, Routinen und vermeintlich „altmodische“ Hobbys. Forschende sprechen vom „Granny Style“ (Großmutter-Stil): Stricken, Häkeln, Teekränzchen statt „Sex, Drugs & Rock n' Roll“. Für Maas ist das kein Zufall, sondern ein Warnsignal: „Diese Generation flüchtet aus der Informationsflut und der permanenten Überforderung in analoge, kontrollierbare Tätigkeiten. Aber auch das ist keine Lösung. Wir müssen junge Menschen dringend dazu befähigen, mit der digitalen, von Krisen und stetigem Wandel gekennzeichneten Welt zurechtzukommen – statt sie allein in ihrem Schneckenhaus zurückzulassen.“
Wir müssen junge Menschen dringend dazu befähigen, mit der digitalen, von Krisen und stetigem Wandel gekennzeichneten Welt, zurechtzukommen – statt sie allein in ihrem Schneckenhaus zurückzulassen.
Beide Studien zeigen zudem, dass äußere Faktoren wie steigende Lebenshaltungskosten, unsichere berufliche Perspektiven und ein sinkendes Vertrauen in die Politik das Gefühl der Ohnmacht verstärken – und die politische Polarisierung unter jungen Menschen verschärfen. Die Studien bestätigen eine deutliche Verschiebung hin zu den politischen Rändern.
Junge Generation wendet sich politischen Rändern zu
Wenn 14- bis 29-Jährige den Bundestag wählen dürften, würden 25 Prozent Die Linke und 20 Prozent die AfD wählen. Dabei tendieren Jungen und junge Männer häufiger zur AfD, die ein traditionelles Männerbild vertritt, während Mädchen und junge Frauen eher „Die Linke“ bevorzugen, die die Gleichstellung stärker betont.
Die Jugendtrendstudie 2026 enthält klare Empfehlungen – unter anderem für Schulen, die das Gemeinschaftsgefühl stärken sollten mithilfe von Gruppenarbeit, Kunst- und Werkunterricht oder Ausflügen. Die Kommunen sollten mehr sichere, attraktive Orte für reale Kontakte schaffen. Zudem müsste es klare Altersregeln – und -begrenzungen für die Social-Media-Nutzung geben. Kindern und Jugendlichen müsste beigebracht werden, KI als Werkzeug zu nutzen und nicht als Ersatz für eigenständiges Denken und Lernen.
Echte Begegnungen und sichere Räume
Jungen und Mädchen müssen möglichst früh, psychosozial unterstützt werden, um Zukunftsängste und Kontrollverlust zu reduzieren. Schließlich sollte die politische Teilhabe der jungen Generation gestärkt werden, indem sie mehr Mitbestimmung und alltagsnahe politische Bildung erfährt, um dadurch wieder Vertrauen in Politik und Institutionen aufzubauen. „Diese Generation braucht echte Begegnungen, sichere Räume und klare Orientierung, um in einer überladenen digitalen Welt zurechtzukommen“, mahnt Maas.
Auch die neunte Trendstudie „Jugend in Deutschland“ bestätigt, dass sich die Jugend immer mehr den politischen Rändern zuwendet oder gar daran denkt, Deutschland zu verlassen. Im Rahmen der Studie wurden 2.012 junge Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren befragt. Eine der zentralen Aussagen ist, dass der seit Jahren anhaltende Krisenmodus, geprägt von Krieg, Inflation und steigenden Wohnkosten, immer mehr junge Menschen überfordert.
41 Prozent der jungen Menschen denken ans Auswandern
„Die Ergebnisse der Trendstudie zeigen auf dramatische Weise, wie sehr die Belastungen der vergangenen Jahre den jungen Menschen zusetzen – in Form von Stress, Erschöpfung und wachsender Perspektivlosigkeit“, betont Simon Schnetzer. 41 Prozent denken ans Auswandern.
Trotz allem bleibt laut der Studie die Leistungsbereitschaft der jungen Generation hoch. Die große Mehrheit ist bereit, zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig wachsen jedoch Zweifel, ob sich Leistung in Deutschland noch lohnt. Aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten und des voranschreitenden Einflusses von KI bewerten junge Menschen ihre beruflichen Chancen schlechter als zuvor – mit enormen Folgen: Mit 21 Prozent plant jede fünfte junge Person konkret, Deutschland zu verlassen, um im Ausland bessere Lebensbedingungen zu finden. 41 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen, auszuwandern.
Die Studie macht deutlich, wie dringend junge Menschen verlässliche Perspektiven für Arbeit, Wohnen und finanzielle Sicherheit benötigen.„Der Protest der Jugend ist nicht laut, aber unter der Oberfläche braut sich etwas zusammen, was langfristig Wirtschaft, Regionen und soziale Sicherungssysteme gefährden kann“, warnt Autorin Nina Kolleck.
Zahlen & Fakten
- Die größten Sorgen bereiten den 14- bis 29-Jährigender Krieg in Europa und Nahost (62 Prozent), die Inflation (53 Prozent), der teure/knappe Wohnraum (50 Prozent), die Spaltung der Gesellschaft (48 Prozent), Donald Trump (45 Prozent), der Klimawandel (Prozent), Altersarmut (44 Prozent), Staatsverschuldung (38 Prozent)
- Wenn 14- bis 29-Jährige den Bundestag wählen würden, würden 25 Prozent Die Linke wählen, 20 Prozent die AfD, 14 Prozent die CDU/CSU, 13 Prozent die Grünen, 10 Prozent die SPD, 5 Prozent die FDP und 2 Prozent Volt. Bei den Landtagswahl in Rheinland-Pfalz war die AfD die stärkste Kraft bei den 18- bis 44-Jährigen.
- Der Anteil junger Menschen, die Schulden haben, erreicht mit 23 Prozent einen neuen Höchststand.
- 29 Prozent der 14- bis 19-Jährigen geben an, dringend eine psychologische Unterstützung zu benötigen – das ist ein neuer Höchstwert. Noch höher ist dieser Wert bei jungen Frauen (34 Prozent). 60 Prozent der jungen Menschen weisen zudem eine suchtähnliche Smartphonenutzung auf
- Quellen: „Jugend in Deutschland 2026“ / „Jugendtrendstudie 2026“
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Auszug aus dem neuen wir helfen-Folder 2025_2026
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