Gaming, Streaming und Social Media gehören für die allermeisten Kinder und Jugendlichen längst zum Alltag. Digitale Medien dienen dabei nicht nur der Unterhaltung, sie sind, keine Frage, auch ein wichtiger Bestandteil sozialer Kontakte und eine Möglichkeit der Teilhabe. Doch sie bergen auch enorme Risiken.
Studien zum Medienkonsum junger Menschen geben Anlass zur Sorge. Laut der Postbank-Jugendstudie vom Februar 2026 verbringen 16- bis 18-Jährige durchschnittlich 65 Stunden pro Woche am Smartphone, Tablet, Computer oder an der Spielekonsole – mehr Zeit als Erwachsene in einem regulären Vollzeitjob verbringen.
1,5 Millionen Mediensucht-gefährdete Kinder
Die DAK-Mediensuchtstudie vom März 2026 kommt ebenfalls zu alarmierenden Ergebnissen: Demnach nutzen rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren soziale Medien riskant bis suchtartig. Das entspricht 28 Prozent dieser Altersgruppe. Wie können Familien mit dieser Entwicklung umgehen? Und wie lässt sich verhindern, dass digitale Medien den Alltag junger Menschen zunehmend bestimmen?
Der Verein Mediensuchtprävention NRW e.V. mit Sitz in Köln unterstützt Kinder und Jugendliche dabei, ihr eigenes Nutzungsverhalten zu hinterfragen, und möchte zugleich Eltern Orientierung im digitalen Familienalltag geben – schließlich sind sie die ersten Ansprechpartner und sollten auch Vorbilder sein.
Kölner Verein klärt Eltern alltagsnah auf
„Immer mehr Eltern suchen Hilfe im Umgang mit Social Media und digitalen Trends. Sie wollen mit ihren Kindern auf Augenhöhe sprechen können und informiert darüber sein, was ihre Kinder online so treiben. Deshalb möchten wir die Eltern erreichen – ohne erhobenen Zeigefinger“, sagt Vereinsgründer Andreas Pauly.

Andreas Pauly ist Gründer und Vorsitzender des Vereins Mediensuchtprävention NRW e.V. mit Sitz in Köln.
Copyright: Inge Swolek
Immer mehr Eltern suchen Hilfe im Umgang mit Social Media und digitalen Trends. Sie wollen mit ihren Kindern auf Augenhöhe sprechen können und informiert darüber sein, was ihre Kinder online so treiben. Deshalb möchten wir die Eltern erreichen – ohne erhobenen Zeigefinger
Ein Projekt des Vereins nennt sich „Netzpause“ und richtet sich an 12- bis 14-Jährige, die digitale Medien bereits besonders intensiv nutzen. Die jungen User sollen für mögliche Risiken sensibilisiert werden und lernen, bewusster mit Smartphone, Gaming und sozialen Netzwerken umzugehen.
Surfcamp in der Natur statt surfen im Netz
Bei dem – auch von „wir helfen“ geförderteten – Projekt „Surfen statt surfen“ erleben Jugendliche Gemeinschaft in Echtzeit, Bewegung und Sport in der Natur. Statt im Internet zu surfen, geht es bei dem Surfcamp in den Ferien darum, tatsächlich aufs Surfbrett zu steigen, Neues auszuprobieren und offline Zeit miteinander zu verbringen.
„Besonders erfolgreich ist unser Angebot ODO – One Day Off. Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen verzichten dabei 24 Stunden lang freiwillig auf ihr Smartphone. Nach anfänglicher Skepsis sind die meisten Teilnehmenden im Anschluss begeistert. Ich denke, das funktioniert so gut, weil sie als Gruppe verzichten und die Einzelnen dadurch nicht das Gefühl haben, etwas zu verpassen“, sagt Pauly.
Mediencoachings in Kölner Bürgerzentren
Neben den vielfältigen Präventionsangeboten für junge Menschen möchte der Verein Mediensuchtprävention NRW e. V. auch Eltern stärker unterstützen. Ziel ist es, Fragen rund um Medienerziehung, Social Media und psychische Gesundheit aufzugreifen. Dafür setzt der Verein auf niedrigschwellige Angebote, die Eltern in ihrem Alltag erreichen. „Unsere Aktionstische bei Elternsprechtagen oder Mediencoachings in Bürgerzentren werden bereits gut angenommen. Uns geht es darum, Eltern zu ermutigen, sich ohne schlechtes Gewissen und ohne Angst vor Bewertung den Herausforderungen des digitalen Familienalltags zu stellen“, sagt Pauly.
Neu im Programm sind Fachtage für Eltern. Der erste, kürzlich stattgefundene Fachtag wurde über vier Kölner Schulen mit insgesamt rund 6.400 angeschriebenen Familien sowie kurzfristig über den Schulverteiler aller Kölner Schulen beworben. Referent war unter anderem Tobias Dillinger, Gründer des ehrenamtlichen Elternprojekts „Medienzeit“. Dennoch haben „nur“ rund 40 Eltern teilgenommen. Für den Verein bleibt damit die Aufgabe, weitere Wege zu finden, um Eltern für seine Angebote zu erreichen.
Karl Valentins Botschaft ist immer noch aktuell
„Wir müssen Eltern dafür sensibilisieren, dass ein bewusster Umgang mit digitalen Medien nicht nur gefordert, sondern auch vorgelebt werden muss. Wer von Kindern verlangt, das Smartphone wegzulegen, selbst aber ständig auf den Bildschirm schaut, sendet widersprüchliche Signale“, sagt Pauly. Karl Valentin brachte es wie folgt auf den Punkt: „Kinder müssen nicht erzogen werden, sie machen uns eh alles nach“ – das gilt auch viele Jahrzehnte später noch im digitalen Zeitalter.

