Ford Köln konnte sich mit mehr als 2000 Beschäftigten auf einen Jobausstieg gegen Abfindung einigen. Kündigungen sind daher nicht notwendig.
Abfindungsverträge unterschriebenKeine betriebsbedingten Kündigungen bei Ford Köln

Mehr als 2000 Ford-Beschäftigte in Köln haben in ihren Abschied aus dem Unternehmen eingewilligt.
Copyright: Alexander Schwaiger
Endlich Klarheit bei Ford. Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen in Köln geben. „Eine ausreichende Anzahl von Mitarbeitern hat die freiwilligen Abfindungsprogramme angenommen“, erklärt der Autobauer gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Damit muss keine Sozialauswahl getroffen werden. Fragen, ob der Personalabbau im Unternehmen damit abgeschlossen sei, ließ das Unternehmen allerdings unbeantwortet. Ford erklärte lediglich, man habe „die mit den Sozialpartnern abgestimmten Ziele zur Umstrukturierung erreicht“.
Konkret heißt das, dass etwas mehr als 2000 Beschäftigte zu den Konditionen abgefunden werden, die Arbeitnehmervertreter und Unternehmen Ende vergangenen Jahres ausgehandelt haben. Insgesamt will das Unternehmen die Mitarbeiterzahl stärker absenken. Zuletzt kursierten Zahlen von um die 3000 Personen. Mutmaßlich kann das Unternehmen einen Teil des Stellenabbaus über die natürliche Fluktuation und das Ausscheiden älterer Mitarbeiter in den Ruhestand erreichen.
Abfindungen häufig über 100.000 Euro
Für Ford werden laut Vereinbarung Sockelabfindungen von wenigstens 25.000 Euro plus Zahlungen abhängig von der Betriebszugehörigkeit fällig. Hinzu kommen diverse Zuschläge für die Zugehörigkeit zur IG Metall, etwaige unterhaltspflichtige Kinder oder eine Behinderung. In den meisten Fälle kommen so sechsstellige Beträge zusammen. Häufig dürften zwischen 100.000 und 200.000 Euro fließen. In einzelnen Fällen kann die Abfindung deutlich darüber liegen.
Entsprechend groß soll die Bereitschaft vieler Ford-Beschäftigten gewesen sein, ihren Job gegen die Einmalzahlung einzutauschen. In einigen Bereichen habe es einen regelrechten Ansturm auf die Abfindungen gegeben, heißt es aus dem Betrieb. Auch Ford hatte den Stellenabbau zuletzt forciert. Weil seit Januar der Bau der beiden Elektroautos Explorer und Capri vom Zwei- auf einen Ein-Schicht-Betrieb umgestellt wurde, wurden viele Facharbeiter noch früher als ursprünglich geplant nicht mehr gebraucht.Wie viel der Stellenabbau Ford insgesamt kosten wird, hat das Unternehmen nicht kommuniziert. Im Frühjahr 2024 hatte Ford Deutschland aber eine Kapitaleinlage von 4,4 Milliarden Euro von der US-Konzernmutter erhalten, um die Restrukturierung zu bewältigen.
Großes Interesse an Abfindungsprogramm
Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Benjamin Gruschka berichtet angesichts des nun abgeschlossenen Abfindungsprozesses von großer Erleichterung in der Belegschaft. Gegenüber dem WDR erklärte er, niemand könne wissen, ob bei einer Sozialauswahl nicht die eigene Stelle betroffen sei. Diese Unsicherheit ist bei den Ford-Beschäftigten nun vorerst gewichen.
In Abteilungen jenseits der Fertigung, etwa im Werkzeugbau, der Schmiede, dem Druckguss und der Instandhaltung, ist der Personalüberhang deutlich kleiner. Hier gab es mehr Interessenten für das Abfindungsangebot, als letztlich von Unternehmensseite akzeptiert wurden. Jobsicherheit für die Kollegen in diesen Abteilungen bedeutet das aber nicht. Ford könnte die Bereiche in Zukunft outsourcen oder in Partnerschaften mit anderen Unternehmen einbringen.
Der Autobauer ist mit mehr als 10.000 Beschäftigten der größte industrielle Arbeitgeber Kölns – und wird es auch nach dem Personalabbau bleiben. Ende 2027 sollen nach aktuellen Planungen aber nur noch etwa 7.600 Menschen bei Ford Deutschland beschäftigt sein. Zu den Hochzeiten in den 1970er Jahren waren es allein in Köln annährend 50.000.
Ford baut Kleinwagen künftig in Frankreich
Die Zukunft des hiesigen Standorts ist durch die jüngsten strategischen Entscheidungen bei der Konzernmutter in Dearborn bei Detroit nicht sicherer geworden. Ford hat jüngst die Abkehr vom E-Auto-Kurs erklärt und will stattdessen stärker auf Hybride setzen. Für Elektroautos sieht Ford bestenfalls im Segment der kleineren Modelle Potenzial. Die sollen allerdings nicht in Köln, sondern im französischen Douai gefertigt werden. Dafür stehen die Plattformen von Fords neuem europäischen Partner Renault bereit. Der Ford-Europazentrale in Köln bleiben nur Teile der Entwicklungsarbeit.
Preise für die neuen Ford-Modelle, die ab 2028 von Renault-Bändern rollen werden, stehen noch nicht fest. Sie dürften aber deutlich unter denen der Kölner Ford-Modelle Explorer und Capri liegen. Die bleiben nur dank staatlicher Förderung und großzügiger Rabatte in der Einstiegsausstattung noch unter der Grenze von 40.000 Euro.

