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Ausverkaufte Lanxess ArenaKölner Experte erklärt, warum die E-Sport-Szene weiter wächst

3 min
IEM Cologne

Seit 2014 gibt es das IEM Cologne. (Archiv)

Die IEM Cologne ist ausverkauft, doch der Hype scheint vorbei. Ein Experte erklärt den Wandel der E-Sport-Branche.

Die Kölner Lanxess Arena ist am Wochenende Schauplatz der „IEM Cologne“, wo sich die Weltelite der Computerspieler versammelt und die Halle erneut bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Ein Preisgeld von 1,25 Millionen Euro wird unter den Profis des Taktik-Shooters „Counter-Strike“ ausgespielt, beobachtet von zehntausenden Zuschauern. Das seit zwölf Jahren in der Domstadt verankerte Ereignis stellt für die Szene einen bedeutenden Höhepunkt dar. Zugleich ist festzustellen, dass E-Sport in der allgemeinen Wahrnehmung an Präsenz verloren hat, verglichen mit dem großen Interesse, das besonders während der Corona-Pandemie in Deutschland zu beobachten war.

Christopher Grieben, ein Wissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule in Köln, teilt jedoch nicht die Ansicht, dass dieser Hype nachgelassen hat oder nicht mehr existiert. „E-Sport ist jetzt kein Nischen- oder Trendthema mehr“, so Grieben. „Die klassischen Medien haben ein Stück weit in der Pandemie viel berichtet und jetzt eher weniger. Die Branche ist keineswegs irgendwie verschwunden, ganz im Gegenteil, der deutsche Games-Markt wächst.“ Grieben, der sich seit über einem Jahrzehnt mit dem Forschungsfeld E-Sport befasst, unterstreicht die hohe internationale Bedeutung des deutschen Marktes.

IEM Cologne

Fans betiteln das Event in der Lanxess Arena als «Kathedrale des Counter-Strikes». (Archiv)

Ebenso wachse die Unterstützung durch die Anhänger. Von organisierten Fangruppen, die ihre Mannschaften bei Wettkämpfen vor Ort anfeuern, berichtet Vincent Kranz, ein Spieler des Ego-Shooters „Valorant“. „Auch hier gibt es ein deutliches Wachstum zu erkennen“, äußert sich der E-Sportler, der seit fünf Jahren aktiv ist.

Non-Profit-Status: Ein bedeutender Fortschritt für die Branche

Viele Vereine waren lange Zeit nur im Hintergrund aktiv. Eine Erhebung des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (Zeitraum 2023-2025) zeigt, dass sich zwei Prozent der 86.378 befragten Sportvereine im E-Sport engagieren, was einer Zahl von über 1700 Vereinen gleichkommt. Jedoch ist nur ein geringer Anteil Mitglied im E-Sport-Bund Deutschland (ESBD). „Der größte Knackpunkt war, dass traditionelle Sportvereine Gefahr liefen, ihre Gemeinnützigkeit zu verlieren, wenn sie E-Sport-Angebote mit rein nehmen“, erläutert Chris Flato, der Präsident des ESBD. Aus diesem Grund habe man sich bisher „eher unter dem Radar“ bewegt.

Diese Lage wandelt sich jetzt, weil seit Januar die Anerkennung von E-Sport-Vereinen als gemeinnützig möglich ist. „Darauf hat die Branche über zehn Jahre hingearbeitet, das ist sozusagen der Ritterschlag“, kommentiert Forscher Grieben. Für professionelle Spieler wie Vincent Kranz ergeben sich daraus kaum Änderungen, jedoch betreffen die Effekte insbesondere den Nachwuchsbereich, die sogenannte „Playerbase“. Der Status der Gemeinnützigkeit könnte den Aufbau von besseren Förderstrukturen für junge Talente beschleunigen.

DOSB sieht Potenzial in millionenstarker Gaming-Community

Nach neuesten Erhebungen des Branchenverbands Game gibt es in Deutschland 41,5 Millionen Menschen, die Videospiele auf diversen Geräten wie Smartphones, Konsolen, PCs oder Tablets spielen. „Das sind noch lange keine E-Sportler, das ist auch wichtig zu differenzieren“, hebt Wissenschaftler Grieben hervor.

Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat das Potenzial dieser Szene erkannt und reagierte im Mai mit der Gründung einer E-Sport-gGmbH. „Wir erleben Gemeinschaft und Zusammenhalt auch im Bereich des E-Sports“, sagte Leon Ries, Jugendvorstand des DOSB. „Es ist eine Bewegung von jungen Menschen und das wollen wir unterstützen.“

Weltmeisterschaft: Paris statt Riad als Austragungsort

Die Aufmerksamkeit der E-Sport-Community konzentriert sich im Sommer auf Paris, wo vom 6. Juli bis zum 23. August die Weltmeisterschaft stattfindet. Bei dem Turnier werden in über 20 verschiedenen Disziplinen Wettkämpfe ausgetragen, darunter etablierte Titel wie „League of Legends“ und „Counter-Strike“ sowie die Fußball-Simulation „EAFC“, die in der deutschen Virtual Bundesliga (VBL) von Mannschaften wie Bayern München und Borussia Dortmund eingesetzt wird. Der World Cup, der überwiegend vom saudischen Staatsfonds getragen wird, wurde aufgrund des Iran-Krieges von Riad nach Paris verlegt.

Für das Großereignis in Paris ist ein Gesamtpreisgeld von 75 Millionen Dollar vorgesehen. Im Vergleich dazu betrug die gesamte Ausschüttung bei den jüngsten French Open im Tennis 61,7 Millionen Euro. (dpa/red)