Der Konzern Deutsche Post AG firmiert künftig als DHL. Der traditionsreiche Name bleibt aber für das deutsche Geschäft erhalten.
Bonner Konzern wird DHLDeutsche Post benennt sich um, Marke bleibt für Inland

Eine Deutsche-Post-Fahne an der Konzernzentrale, umrahmt von DHL-Fahnen.
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Konzernumbenennung: Aus Deutscher Post wird künftig DHL Die Deutsche Post AG firmiert bald als DHL. Ein entsprechender Vorschlag wurde vom Vorstand in Bonn präsentiert. Was ändert sich für Kunden und das traditionelle Briefgeschäft?
Die Deutsche Post wird voraussichtlich ihren Namen auf Konzernebene ablegen und zukünftig als DHL firmieren. Ein entsprechender Vorschlag, der eine neue Unternehmensstruktur beinhaltet, wurde vom Vorstand auf der Hauptversammlung am Dienstag in Bonn unterbreitet. Konzernchef Tobias Meyer erklärte: „In den vergangenen Jahrzehnten hat sich unser Unternehmen von der ehemaligen Deutschen Bundespost zu einem weltweit führenden Logistikkonzern entwickelt“. Eine Anpassung der historisch entstandenen Konzernstruktur an die aktuellen Bedingungen sei längst notwendig.
Die Billigung des Antrags am Nachmittag wurde als reine Formsache betrachtet. Die Umfirmierung wird voraussichtlich zum 1. September wirksam, sobald die Änderung im Handelsregister vermerkt ist.
Das Unternehmen erwirtschaftet nur noch rund ein Fünftel seines Umsatzes mit dem herkömmlichen Post- und Paketdienst. Der überwiegende Teil stammt aus globalen Sparten wie dem Express- und Frachtversand. Bereits vor zwei Jahren passte der Konzern seine Marke von Deutsche Post DHL auf DHL an, behielt jedoch juristisch die Firmierung Deutsche Post AG bei. Zukünftig wird die Aktie des Unternehmens ebenfalls unter dem Namen DHL gehandelt. Die Kosten für die Umbenennung und Neustrukturierung beziffert Meyer auf circa 37 Millionen Euro.
Die Deutsche Post AG ging aus der früheren Bundespost hervor, welche in den 1990er-Jahren stufenweise in Privateigentum überführt wurde. Im Jahr 2002 erwarb das Unternehmen den US-Logistikdienstleister DHL, woraufhin das internationale Geschäft an Bedeutung gewann. Die Abkürzung DHL repräsentiert die Namen der Gründer Adrian Dalsey, Larry Hillblom und Robert Lynn. Der in Bonn ansässige Konzern beschäftigt weltweit etwa 534.000 Mitarbeitende in Vollzeit, von denen rund ein Drittel in Deutschland tätig ist.
Name Deutsche Post für Deutschland-Tochter beibehalten
Der Firmenname Deutsche Post AG wird jedoch nicht vollständig aufgegeben: Während die Bezeichnung bisher für die gesamte Unternehmensgruppe stand, wird sie zukünftig eine neu geschaffene Tochtergesellschaft kennzeichnen. Diese ist für das deutsche Inlandsgeschäft, also die Beförderung von Briefen und Paketen, zuständig. Diese neue Tochtergesellschaft erhält zudem einen eigenen Aufsichtsrat, dessen jährliche Kosten inklusive zusätzlicher Verwaltungsausgaben auf etwa drei Millionen Euro geschätzt werden.
Bisher war der Kernbereich des Unternehmens in die Holdingstruktur integriert. Diese juristisch ungewöhnliche Anordnung war ein Überbleibsel aus der Zeit als staatliche Bundespost. Zukünftig wird die Brief- und Paketsparte innerhalb der Konzernorganisation nicht länger eine übergeordnete Stellung einnehmen, sondern gleichberechtigt neben den anderen Geschäftsbereichen positioniert sein.
„Für unsere Beschäftigten ergeben sich keinerlei Nachteile, ihre Interessen bleiben vollständig gewahrt - inklusive Lohn, Arbeitszeit und Schutzregeln“, unterstrich Konzernchef Meyer. Er fügte hinzu, dass sich auch auf der Führungsebene nichts ändern werde.

Konzernchef Tobias Meyer hält die Umbenennung für überfällig.
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Ein Schritt zur Abspaltung des Briefgeschäfts?
Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ergriff das Wort und erkundigte sich nach den Vorteilen der Maßnahme, da lediglich Nachteile ausgeschlossen worden seien. Er äußerte Skepsis, kündigte aber seine Zustimmung an. Ein weiterer Aktionär merkte an, dass er keine ökonomischen Vorzüge erkennen könne.
Die neue Organisation sorge für mehr Transparenz, erwiderte Firmenchef Meyer. Der ehemalige McKinsey-Berater ist seit 2013 für den Konzern tätig und hat seit 2023 den Vorstandsvorsitz inne. Sein Vorgänger Frank Appel hatte eine Umbenennung von Deutscher Post in DHL noch vermieden, da er Unmut bei der Belegschaft in Deutschland befürchtete.
Hendrik Schmidt vom Vermögensverwalter DWS äußerte auf der Hauptversammlung die Vermutung, die Umstrukturierung könne als Vorbereitung für eine künftige Abspaltung des Kerngeschäfts interpretiert werden. DHL-Chef Meyer widersprach dem und erklärte, der Kernbereich verbleibe im Konzern. „Wir haben keine Absicht, weitergehende strategische Optionen zu nutzen und glauben, dass wir weiter der beste Eigentümer für das deutsche Post- und Paketgeschäft sind.“
Meyer führte jedoch an, dass es „verlässliche und auskömmliche regulatorische Rahmenbedingungen“ brauche, um die aufwendige postalische Versorgung in Deutschland zu gewährleisten. Als Universaldienstleister ist das Unternehmen verpflichtet, bestimmte Regeln einzuhalten, wie den Betrieb von mindestens 12.000 Filialen und die Sicherstellung gut erreichbarer Briefkästen. Des Weiteren sind Erhöhungen des Briefportos von staatlicher Genehmigung abhängig. Nach Ansicht des Konzerns fallen die bewilligten Preisanpassungen regelmäßig zu gering aus.
Eintragung ins Handelsregister für Spätsommer erwartet
Das Briefgeschäft in Deutschland stellt für den Logistikkonzern eine Herausforderung dar: In der digitalen Ära versenden Privatpersonen und Unternehmen zunehmend weniger Briefe und nutzen stattdessen elektronische Kommunikationswege. Im ersten Quartal 2024 verringerte sich der operative Gewinn im Kerngeschäft erheblich, und das Volumen der beförderten Briefe sank um circa 13 Prozent.
Das Vorhaben des Postunternehmens, den traditionsreichen Namen auf Konzernebene aufzugeben, stieß auf politische Kritik. „Ich finde es schwer verständlich und auch schade, dass sich die Deutsche Post im internationalen Bereich von dieser starken Marke trennt und sie nur noch in Deutschland nutzt“, äußerte der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff. (dpa/red)
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