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European Bike ShowFahrradmesse zieht von Frankfurt nach Köln

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Fahrrad im Mittelpunkt: Hier ein Gravelbike des Herstellers Tritao auf der Messe Eurobike in Frankfurt

Fahrrad im Mittelpunkt: ein Gravelbike des Herstellers Tritao auf der Messe Eurobike in Frankfurt

Konkurrenz zu Frankfurt: Mit der „Towards tomorrow – European Bike Show“ startet 2027 eine neue Fahrradmesse in Köln. Die Branche setzt auf frische Impulse und Konkurrenz zur etablierten „Eurobike“.

Deutschland bekommt eine neue Fahrradmesse: Unter dem Titel „Towards tomorrow – European Bike Show“ soll die Veranstaltung vom 6. bis 8. September 2027 in Köln ihre Premiere feiern, wie der Zweiradindustrieverband ZIV und die Kölner Messegesellschaft gemeinsam mitteilen. Die European Bike Show wird eine reine Fachmesse und zentrale Plattform für den Handel.

Die als „internationale Weltleitmesse“ angekündigte Schau tritt damit in direkte Konkurrenz zur Frankfurter „Eurobike“, die ebenfalls einen internationalen Anspruch verfolgt, zuletzt aber sinkende Besucher- und Ausstellerzahlen hinnehmen musste.

In der Folge eskalierte der Konflikt um die künftige Ausrichtung der Eurobike. Der ZIV kündigte die Zusammenarbeit auf und bringt nun als Markeninhaber und Branchenpartner die „Towards Tomorrow“ auf die Spur. Veranstalter der jährlich geplanten Veranstaltung ist die Messe Köln. Am Rhein gab es schon einmal ein Messe-Format für Fahrräder: Bis 2008 fand hier die ZIV-Messe IFMA statt.

Zusagen für neues Format in Köln

Für das neue Format haben bereits zahlreiche Unternehmen einschließlich aller Handelsverbände zugesagt, berichten die Partner. Es entstehe eine „neue Plattform mit klarem Führungsanspruch“, welche die internationale Strahlkraft einer Weltleitmesse mit einem starken europäischen Fundament verbinde.

„Für Köln ist das eine hervorragende Nachricht. Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die European Bike Show nach Köln zu holen und ihr einen der begehrten Septembertermine in unserem Messekalender geben zu können“, sagte Oliver Frese, Geschäftsführer der Messe Köln im Interview mit unserer Redaktion.

Namhafte Aussteller wie Abus, Bosch, Shimano, Schwalbe oder KTM haben bereits ihre Teilnahme zugesagt
Oliver Frese, Messe Köln

Der Fahrradmarkt sei hochattraktiv. Die Veranstaltung werde die Hallen 1 bis 5 belegen. „Namhafte Aussteller wie Abus, Bosch, Shimano, Schwalbe oder KTM haben bereits ihre Teilnahme zugesagt. Auch die wichtigen Handelsverbände unterstützen das neue Format. Die Messe wird parallel zu der Messe Spoga+Gafa stattfinden“, so Frese. Daraus ergäben sich viele Synergien, insbesondere in den Bereichen Fahrradzubehör, Mobilität und Outdoor-Living. 

In Frankfurt soll die 34. Ausgabe der Eurobike an diesem Mittwoch eröffnet werden. Für das kommende Jahr ist eine Verschiebung auf den Zeitraum 1.-3. September und eine stärkere Orientierung auf das Fachpublikum angekündigt.

Gegründet von enthusiastischen Mountainbikern am Bodensee, ist die Veranstaltung zur fünften Ausgabe in der Banken- und Messestadt Frankfurt heftig ins Schlingern geraten. Grund ist ein tiefgreifendes Zerwürfnis mit dem Zweirad-Industrie-Verband, der jede Zusammenarbeit mit dem Veranstalter aufgekündigt hat.

Frankfurter Messe mit Besuchermangel

„Es müsste schon ein Wunder geschehen, damit wir wieder mit der Eurobike zusammenarbeiten“, sagte ZIV-Hauptgeschäftsführer Burkhard Stork der Deutschen Presse-Agentur vorige Woche. Zu viel ist zwischen den Parteien vorgefallen. Der Eurobike-Veranstalter Fairnamics hat am Ende den ZIV und den Verband Zukunft Fahrrad wegen angeblicher Geschäftsschädigung auf Schadenersatz verklagt.

Die Messe litt schon länger unter schwindenden Besucher- und Ausstellerzahlen, die zunächst noch vom Boom der Fahrradbranche während der Corona-Zeit überdeckt wurden. Große internationale Hersteller wie Specialized, Trek oder der niederländische Pon-Konzern (Cannondale, Gazelle, Kalkhoff, Focus) waren schon lange nicht mehr vertreten. Auch die wichtige Einkaufgenossenschaft ZEG fehlte. Nach der 25er-Ausgabe kehrten auch Zulieferer und ZIV-Mitglied Bosch oder der deutsche E-Bike-Spezialist Riese & Müller dem Frankfurter Event den Rücken.

Aus Aussteller-Kreisen waren Klagen über hohe Standmieten oder fehlende Unterstützung im Kampf gegen Produktpiraten zu hören. An Ständen chinesischer Hersteller seien Produkte gezeigt worden, die in Europa nicht zugelassen seien. Der Termin passte vielen nicht, wie auch die unentschlossene Ausrichtung, die zwischen Geschäftskunden und Endverbraucher schwankte.

Streit um Frankfurter Eurobike

Nach dem großen Krach hat die Messegesellschaft Frankfurt in dem Joint Venture mit der Messe Friedrichshafen den Lenker fester in den Griff genommen. „Ich bin angetreten, um nach vorne zu schauen“, sagt der neue Geschäftsführer Philipp Ferger. Die 34. Ausgabe der Eurobike vom 24. bis zum 27. Juni 2026 sieht er als Übergangsveranstaltung, bei der man allerdings schon sehr viel über die künftige Ausrichtung erfahren kann. Dazu wurden ein Beirat gegründet und dutzende Interviews mit Branchen-Insidern geführt.

Die schon von fünf auf drei Hallen geschrumpfte Veranstaltung zieht zudem auf den Ostteil des Frankfurter Messegeländes um, wo auf dem großen Agora-Marktplatz ein wenig die alte Lagerfeuer-Stimmung aus Bodensee-Zeiten wiederbelebt werden soll.

Ferger verspricht eine eindeutige Ausrichtung auf Business-Kunden, Konzepte für die Endverbraucher hält er noch unter Verschluss. Es sei Anspruch der Eurobike, als internationale Weltleitmesse die gesamte Wertschöpfungskette rund um das Fahrrad abzubilden.

Der ZIV glaubt nicht an diese Zukunft. „Die Eurobike hat es neben vielen handwerklichen Fehlern verpasst, auf die Branche zu hören. Eine klare Definition der Zielgruppen hat nie stattgefunden. Die geplante und dann wieder abgesagte Zusatzmesse „Mobifuture“ kam für die Beteiligten aus dem Nichts, hat viele Unternehmen irritiert und war letztlich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“, erinnert sich Stork.

Der Verband will nach seinen Worten eine Leitmesse, die ebenfalls im Herbst als großer Marktplatz das europäische Marktgeschehen und die Wertschöpfung in Europa abbildet. „Dazu haben wir bereits wichtige Zusagen großer Player. Natürlich müssen die großen internationalen Hersteller nach jahrelanger Abwesenheit von einer Rückkehr neu überzeugt werden.“ Die Messe Köln hat sich dem Vernehmen nach gegen vier andere Bewerber durchgesetzt, galt aber wegen ihrer IFMA-Geschichte als heißester Kandidat. (mit dpa)