Der Nahost-Konflikt verschiebt die Nachfrage bei der Lufthansa-Tochter als auch bei Dertour und Tui ins westliche Mittelmeer. Besonders Mallorca ist begehrt. Ryanair fliegt neu von Köln Rimini an.
EurowingsTickets trotz Steuersenkung eher teurer

Menschen sonnen sich und schwimmen am Strand Playa de Palma auf Mallorca. Eurowings-Flüge waren neun Prozent öfter gefragt als im Vorjahr.
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Bei der Lufthansa-Billigtochter Eurowings werden die Flugtickets trotz sinkender Luftverkehrsteuer nicht billiger. Andere Kostensteigerungen insbesondere beim Treibstoff überlagerten die Entwicklung, sagte der neue Chef der Airline, Max Kownatzki, bei seinem 100-Tage-Bilanz-Gespräch. Natürlich weise man aber ab dem 1. Juli den vollständig reduzierten Luftverkehrsteuersatz auf den Tickets aus.
Insgesamt sei die Airline mit erhöhten Kostensteigerungen konfrontiert, sagt der neue Manager, der zuvor beim Wettbewerber Sunexpress war. Die Steuern wie auch höhere Gebühren oder die stark gestiegenen Kerosinpreise fließen nach seiner Darstellung zusammen in die Bildung des Bruttopreises ein, der von den Kunden verlangt werde. Daher habe man auch im Zuge des Iran-Kriegs keine extra ausgewiesenen Kerosinzuschläge verlangt.
Die Kostensteigerungen kann Eurowings aktuell nur etwa zur Hälfte an die Passagiere weitergeben
Der Bundestag hatte im Mai die letzte Erhöhung der Luftverkehrsteuer wieder zurückgenommen. Für Kurzstrecken sinkt der Steuersatz zum 1. Juli um 2,50 Euro pro Ticket.
Die Kostensteigerungen könne Eurowings aktuell nur etwa zur Hälfte an die Passagiere weitergeben, sagte Kownatzki. In den vergangenen zwei Jahren seien die Kosten um einen zweistelligen Prozentsatz hochgegangen, während die Preise nur einstellig gestiegen seien. Der Airline-Manager verlangte weitere Entlastungen bei Steuern, Abgaben und Flughafengebühren in der Bundesrepublik. Dann könne man auch weitere Flugzeuge etwa in Berlin oder Hamburg starten lassen.
Kerosin-Versorgung ist gesichert
Sollten die gegenwärtigen Bedingungen anhalten, werde Eurowings aufs Gesamtjahr profitabel bleiben, sagte Kownatzki. Er erneuerte Aussagen, dass die Versorgung mit Treibstoff für den gesamten Sommerflugplan gesichert sei. „Wir werden für einen stabilen Flugbetrieb sorgen, und unsere Gäste können ihren Sommerurlaub mit gutem Gefühl planen.“
Die Unsicherheit der Passagiere über die Kerosin-Versorgung gehe zurück, was große Auswirkungen auf die laufende Sommersaison habe, die zuvor von Buchungs-Zurückhaltung geprägt gewesen sei. So lägen für das Top-Ziel Mallorca die Buchungsstände inzwischen mehr als neun Prozent über dem Vorjahreszeitraum, nachdem es vor wenigen Wochen noch einen Rückstand von 20 Prozent gegeben habe. Die Insel gelte vielen Urlaubern offenbar als verlässlicher Rückzugsort. Eurowings fliegt den Flughafen Palma im Sommer mehr als 400 Mal in der Woche an.
Insgesamt sei die Nachfrage wegen der Unruhe im Nahen Osten von dort in dann westliche Mittelmeer verlagert worden, heißt es von Eurowings Holiday, dem Reiseveranstalter der Lufthansa-Tochter. Diesen Trend bestätigen auf Nachfrage unserer Redaktion auch die Reiseanbieter Dertour und Tui.
Dertour und Tui sehen Spanien vorn
So heißt es von der Kölner Dertour: „Auf der Kurz- und Mittelstrecke sehen wir für den Sommer starke Buchungseingänge für die Türkei, Griechenland, die Balearen und Ägypten“, sagte eine Sprecherin von Dertour am Dienstag. Nach Ausbruch des Irankrieges sei die Nachfrage zunächst spürbar in Richtung westlich gelegener Reiseziele. Auf die Frage nach Zielen, die Einbrüche erlebt haben, antwortete sie nicht.
Inzwischen normalisiere sich die Nachfrage wieder: „Seit Transitflüge über die Drehkreuze in der Golfregion wieder möglich sind, steigt die Nachfrage insbesondere nach Malediven‑Buchungen merklich. Dabei spielen attraktive Flugangebote eine wichtige Rolle, ebenso wie die insgesamt hohe preisliche Attraktivität der Destination. Eine ähnliche Entwicklung sehen wir derzeit auch für Thailand und Mauritius“, so die Sprecherin.
Für den kommenden Winter habe sich die Nachfrage je nach Zielgebiet bereits jetzt schon wieder auf dem sehr guten Vorjahresniveau eingependelt, klar vorne lägen Thailand und die Malediven.
Auch Marktführer Tui, Europas größter Tourismuskonzern meldet reges Interesse an Reisen. „Die Gesamtnachfrage bleibt stabil. Generell gilt: Europa ist klarer Favorit der Tui-Gäste – rund 75 Prozent entscheiden sich für ein Reiseziel innerhalb Europas“, so eine Tui-Sprecherin auf Nachfrage.
Klassische Sonnenziele im Mittelmeer verzeichneten eine sehr hohe Buchungsdynamik. Besonders gefragt seien Spanien und Griechenland (z. B. Mallorca, Kanaren, Kreta, Rhodos). Bei kurzfristigeren Buchungen holten klassische Badeziele wie die Türkei und Ägypten wieder auf, da viele Gäste flexibel Angebote ausweichen.
Unterdessen wurde am Dienstag bekannt, dass es ab Köln/Bonn ein neues Sommerziel gibt. Ryanair fliegt seit Montag (1. Juni) drei Mal wöchentlich vom Köln/Bonn nach Rimini, wie der Airport mitteilt. Die Flüge starten jeweils montags, donnerstags und samstags.
