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Mehr Konkurrenz im FernverkehrDeutsche Bahn muss auf besonders profitablen Strecken Platz für Italo schaffen

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Die ICE Trasse führt in Höhe der Hallerbachtalbrücke, sowie der Wiedtalbrücke parallel an der Bundesautobahn A3 bei Neustadt Wied vorbei. Sie ist ein Teil der Eisenbahn Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen den Städten Köln und Frankfurt. 12.05.2023 Neustadt Wied Rheinland-Pfalz Deutschland *** The ICE route runs parallel to the A3 federal freeway near Neustadt Wied at the height of the Hallerbachtal bridge and the Wiedtal bridge It is part of the high-speed railroad line between the cities of Cologne and Frankfurt 12 05 2023 Neustadt Wied Rhineland-Palatinate Germany

Ab 2028 ist Konkurrenz in Sicht: Die Bahngesellschaft Italo will auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln–Frankfurt, hier bei Neustadt (Wied), dem ICE der Deutschen Bahn Marktanteile abluchsen.

Die Entscheidung der Bonner Behörde, auf attraktiven Fernverkehrsstrecken mehr Platz für die Konkurrenz zu schaffen, stößt bei der Deutschen Bahn auf Widerstand.

Der Weg für mehr Wettbewerb auf der Schiene in Deutschland ist frei. Die Bundesnetzagentur hat am Freitag die Infrastruktur-Sparte der Deutschen Bahn (DB InfraGo) verpflichtet, auf stark ausgelasteten Strecken Platz für Konkurrenten zu machen. „Mehr Wettbewerb hat das Potenzial, bessere Angebote für die Fahrgäste zu schaffen“, sagte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. „Wir sind überzeugt, dass unsere Entscheidung den Wettbewerb im Fernverkehr in Bewegung bringen wird.“

Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Um welche Strecken geht es?

Konkret um die besonders profitablen Strecken von Dortmund über Köln nach München und die Verbindung zwischen München und Berlin. Das sind die sogenannten Rennstrecken, auf denen die Züge mit bis zu Tempo 300 fahren. Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass die Anzahl der ausgelasteten Streckenabschnitte weiter zunehmen wird. Bis 2028 sollen wichtige Knoten wie München und Frankfurt mit dabei sein.

Was muss die Deutsche Bahn ändern?

Die DB InfraGo darf ab 2028 auf stark befahrenen Korridoren im Streitfall nur noch maximal zwischen 60 und 75 Prozent der Trassen an ein einziges Unternehmen vergeben. Den genauen Prozentwert darf sie selbst festlegen. „Auf diese Weise ist sichergestellt, dass mindestens ein Wettbewerber der DB Fernverkehr AG tatsächlich verkehren kann“, heißt es in einer Erklärung der Bundesnetzagentur.

Gibt es schon Interessenten?

Ja. Hintergrund der Entscheidung ist ein Antrag des Bahnunternehmens Italo, das ab 2028 auf den Fernverbindungen zwischen den Metropolen 30 Hochgeschwindigkeitszüge einsetzen will.

Wie ist der Markt derzeit strukturiert?

Bisher wird der Fernverkehr in Deutschland zu 95 Prozent von der DB dominiert. Der einzige Konkurrent ist Flixtrain, der künftig mit 65 Zügen plant. Der Geschäftsbereich Fernverkehr der DB hat eine Flotte von rund 400 Zügen.

Können auf Strecken, die jetzt schon voll ausgelastet sind, überhaupt noch mehr Züge fahren?

Offenbar schon. Zumindest hat die DB InfraGo im Italo-Verfahren bei der Bundesnetzagentur eingeräumt, dass sie noch Reserven erschließen könne, wenn das Verfahren der Trassenzuweisung modifiziert wird. Laut dem Interessenverband Mofair, einem Zusammenschluss von Eisenbahnunternehmen, hat der DB-Fernverkehr in der Vergangenheit mit der Ankündigung eines Halbstundentakts zwischen Hamburg und Berlin oder dem „Hineinpressen von immer neuen ICE-Sprinter-Linien in den Fahrplan“ den Beweis selbst erbracht.

Wie sagt die Deutsche Bahn zu der Entscheidung der Bundesnetzagentur?

In einer offiziellen Stellungnahme heißt es, man werde „den Beschluss der Bundesnetzagentur ausführlich prüfen und bewerten“. Aus einer Stellungnahme der DB InfraGo an die Bundesnetzagentur geht aber hervor, dass die Bahn die Entscheidung für rechtlich fragwürdig hält. Schließlich sei die Vergabe von Trassenkapazitäten durch die InfraGo an Wettbewerber bisher rechtlich nicht beanstandet worden.

Warum wehrt sich die Fernverkehrssparte der Bahn gegen die Konkurrenz?

Bahnchefin Evelyn Palla und der Vorstandsvorsitzende der DB InfraGo, Philipp Nagl, sind einer Meinung. Sie fürchten, auf Dauer die weniger lukrativen ICE- und IC-Verbindungen nicht mehr querfinanzieren zu können, wenn sie auf ihren Rennstrecken Marktanteile an die Konkurrenz verlieren. Dadurch könne der geplante Deutschlandtakt in Gefahr geraten. Die Politik sei aufgerufen, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. „Sonst droht ein ungesteuerter Wettbewerb, dessen Folgen sich am Ende womöglich für die Mehrheit negativ auswirken“, sagte Palla schon vor Wochen vor Journalisten.

Wie sieht es mit dem Regionalverkehr aus, wenn beispielsweise zwischen Köln, Düsseldorf und Dortmund neben den ICE-Zügen der Bahn auch noch Schnellzüge von Italo fahren?

Die Bundesnetzagentur macht in ihrem Beschluss deutlich, dass durch mehr Wettbewerb im Fernverkehr der Regionalverkehr nicht verdrängt werden darf. Für Köln-Düsseldorf-Dortmund hieße das konkret: Die Trassen, die für den Rhein-Ruhr-Express, weitere Regionalzüge und S-Bahnen bereits reserviert sind, dürfen vom Fernverkehr nicht angetastet werden.

Wie geht es jetzt weiter?

Gegen den Beschluss können alle Beteiligten beim Verwaltungsgericht Köln Beschwerde einlegen. Der Interessenverband „Allianz pro Schiene“ fordert den Bund auf, „ein Konzept für Wettbewerb im Fernverkehr vorzulegen, von dem am Ende auch wirklich die Fahrgäste profitieren“. Zentral seien ein einfacher Ticketkauf, die anbieterübergreifende Gültigkeit von Fahrscheinen und die Verzahnung mit dem Deutschlandtakt, teilte Verbandschef Dirk Flege mit. (mit dpa)