Entlang der A 555 entsteht auf zehn Hektar eine Freiflächen-Solaranlage, die rechnerisch 3000 Haushalte mit Strom versorgt. Weitere sieben Projekte sind geplant oder im Bau, mehrere davon in Köln.
Großprojekt in RondorfRhein-Energie baut größten Solarpark Kölns

Baustelle der PV-Anlage in Köln-Rondorf mit Projektleiterin Clara Ukat und Rhein-Energie-Chef Andreas Feicht
Copyright: Rhein-Energie
Oft bauen Energiekonzerne große Solaranlagen fernab von dicht besiedeltem Gebiet, weit entfernt von den rheinischen Metropolen. Das hat Nachteile, wird doch gerade dort besonders viel elektrische Energie benötigt. Der Versorger Rhein-Energie geht nun einen anderen Weg, und baut riesige Freiflächen-Photovoltaik-Anlage auf Kölner Stadtgebiet.
Im Stadtteil Rondorf entsteht aktuell die bislang größte Solaranlage Kölns. Entlang der A 555 entsteht auf rund zehn Hektar Fläche eine Anlage mit einer Leistung von 10,5 Megawatt/peak (MWp). Rechnerisch kann sie künftig rund 3000 Haushalte mit Strom versorgen. Der Wert in MWp zeigt, was die Anlage unter perfekten Bedingungen maximal schaffen kann, etwa bei vollem Sonnenschein zur Mittagszeit.
Die Inbetriebnahme ist für Herbst 2026 vorgesehen. Die Fläche wurde zuvor landwirtschaftlich genutzt. Für die künftige Pflege gibt es Gespräche mit zwei Schäfern über eine mögliche Beweidung durch Schafe. Eine Vereinbarung gibt es bislang noch nicht. Die Baustelle wirkt schon weit fortgeschritten. Die Solarmodule stehen auf Metallständern. Aktuell werden sie von Technikern verkabelt.
Geschätzt zehn Millionen investiert
„Entscheidend ist nicht allein, möglichst viel erneuerbaren Strom zu erzeugen, sondern ihn systemdienlich zu integrieren. Ideal ist es, wenn Erzeugung und Verbrauch möglichst nah zusammenliegen und wir Netze und Speicher mitdenken. Genau deshalb sind Projekte in der Region besonders interessant: Hier haben wir viel Verbrauch und können Erzeugung und Last zusammenbringen", sagte Rhein-Energie-Chef Andreas Feicht beim Interview mit unserer Redaktion auf der Baustelle in Rondorf.
Feicht führte aus, dass bei der Entwicklung neuer Anlagen nicht allein die verfügbare Fläche entscheidend sei. Auch Netzanschluss und die Nähe zu Verbrauchern spielten eine zentrale Rolle. Besonders günstig seien beispielsweise Anlagen direkt auf Industrieflächen, bei denen der erzeugte Strom unmittelbar in die Produktion fließen könne. In Rondorf ist ein Netzanschluss nur wenige Meter entfernt über einen Ackerrand erreichbar. Eine konkrete Angabe, wie hoch die Investitionen für den neuen Solarpark sind, gibt es vom Betreiber nicht. Als branchenüblich gelten Insidern zufolge aber rund eine Million Euro je Megawattstunde.
Auch Photovoltaikanlagen für Kunden
Rondorf ist aber nur Teil eines deutlich größeren Ausbaus des städtischen Versorgers: Insgesamt bringt die Rhein-Energie nach eigenen Angaben ein Vielfaches an neuer Solarleistung auf den Weg. Dahinter stehen unterschiedliche Projekte und Anwendungen – von großen Freiflächenanlagen über Industrie- und Gewerbedächer bis hin zu Kundenlösungen. Der Ausbau findet dabei sowohl in Köln als auch bundesweit statt und zeigt die Bandbreite des Photovoltaik-Geschäfts.

Die PV-Anlage in Köln-Rondorf Ende August aus der Luft. Sie wird bei Fertigstellung zehn Hektar groß sein.
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„Wir bringen derzeit rund 50 Megawatt neue Solarleistung auf den Weg – mit ganz unterschiedlichen Projekten, von der Freiflächenanlage über Industrie- und Gewerbedächer bis hin zu Kundenlösungen. Damit treiben wir den Ausbau der Photovoltaik hier in Köln voran und wachsen gleichzeitig mit unserem Geschäft bundesweit“, sagte Feicht. „Entscheidend ist immer die Frage, wie wir den erzeugten Strom möglichst sinnvoll integrieren können“, so der Rhein-Energie-Chef
Neben eigenen Freiflächenanlagen entwickele die Rhein-Energie Photovoltaiklösungen für Industrie- und Gewerbekunden. Als Beispiele wurden im Gespräch unter anderem das Kölner Rhein-Energie-Stadion und eine große Dachanlage auf zwei Logistikhallen in Voerde am Niederrhein genannt. Solche meist im „Contracting“ betriebenen PV-Anlagen gehören zum Energiedienstleistungeschäft (EDL) der Rhein-Energie, das kürzlich durch die Ankündigung der Übernahme der EnBW Contracting-Sparte einen weiteren Wachstumsschub erfahren hat.
Bald noch größere Anlage in Niehl
Contracting ist ein Energiedienstleistungsmodell, bei dem ein externer Anbieter – der sogenannte Contractor (oft ein Energieversorger oder Stadtwerk) – die Planung, Finanzierung, Installation, den Betrieb und die Wartung einer modernen Energie- oder Heizungsanlage für einen Kunden übernimmt. Der Kunde (zum Beispiel ein Hausbesitzer, eine Wohnungsbaugesellschaft oder ein Unternehmen) muss kein eigenes Geld für die Anschaffung investieren, sondern zahlt stattdessen eine laufende Gebühr für die bereitgestellte Nutzenergie wie Wärme oder Kälte.

PV-Anlage in Köln Rondorf, mit unter anderen Rhein-Energiechef Andreas Feicht (v.l.), Wirtschafts-Chefreporter Thorsten Breitkopf und Projektleiterin Clara Ukat
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Der Ausbau der Photovoltaik ist Teil des strategischen Ausbaupfads der Rhein-Energie bei den erneuerbaren Energien. In den kommenden Jahren will die Rhein-Energie Feicht zufolge den Ausbau von bis zu 600 Megawatt erneuerbarer Energien ermöglichen – mit eigenen Erzeugungsanlagen ebenso wie mit Lösungen für Kunden.
Der Rang als größter Solaranlage Kölns könnte dem Standort Rondorf möglicherweise nur kurze Zeit beschieden sein. Auf dem Gelände der Firma Infineum im Kölner Stadtteil Niehl soll eine Freiflächen-Solaranlage mit 18 MWp entstehen. Infineum gehört zu den weltweit führenden Unternehmen in der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Additiven für Kraft- und Schmierstoffe. Das Unternehmen wurde 1999 gegründet und besteht seitdem als Joint Venture von ExxonMobil und Shell. Der Spatenstich soll bereits im Januar 2027 stattfinden.
Neben Photovoltaik investiert die Rhein-Energie unter anderem in Windenergie und Batteriespeicher. „Wenn mittags sehr viel Solarstrom gleichzeitig erzeugt wird, ist nicht allein mehr Erzeugung die Antwort. Batteriespeicher als Flexibilitätsoption werden immer wichtiger. Die Kombination von erneuerbaren Energien und Speichern halte ich für einen der entscheidenden Punkte“, sagte Feicht.
Im Interview verwies Feicht auf einen im Frühjahr 2026 in Betrieb genommenen Speicher mit rund 24 Megawatt Leistung sowie weitere Speicherprojekte in Entwicklung. Im Jahr 2023 nahm die Rhein-Energie ihren ersten Batteriespeicher an ihrem größten Solarpark in den Gemeinden Lärz/Rechlin in Mecklenburg-Vorpommern in Betrieb.
