Die Stadt Köln ist wegen der Energiewende auf einen starken kommunalen Versorger angewiesen. Die Übernahme ist der Weg zum Erfolg.
Übernahme von EnBWRhein-Energie-Kauf ist gut für Köln


Außenaufnahme der Zentrale der Rhein-Energie
Copyright: Michael Bause
Der Kölner Versorger Rhein-Energie ist auf der Suche nach neuen Geschäften und dabei in dieser Woche fündig geworden. Für eine nicht genannte Summe übernimmt das Unternehmen die Contracting-Sparte der EnBW. Aber ist es gut und sicher, wenn ein zutiefst regionaler Spieler im Energiesektor mit den großen auf Bundesebene mitspielen will?
Aus heutiger Sicht muss man eindeutig sagen: Ja. Denn der Versorger und sein Vorstand Andreas Feicht betreten bei dem Geschäft mit Energiedienstleistungen ja kein Neuland. Seit vielen Jahren werden einmal jährlich bei der Bilanzpressekonferenz in der Konzernzentrale am Parkgürtel die finanziellen Erfolge der Energiedienstleistungssparte präsentiert. Entsprechend ist der Wunsch, in dem Segment wachsen zu wollen durchaus nachvollziehbar.
Mit der jetzigen Akquisition setzt die Rhein-Energie-Spitze ein deutliches Zeichen in den Markt sowohl der großen privaten Energiekonzerne als auch in das Lager der diversen kommunalen Stadt- und Kreiswerke. Die Kölner werden nun auf einen Schlag Marktführer unter den kommunalen Energiedienstleistern Deutschlands und rücken in die bundesweiten Top-3 vor.
Energiewende muss finanziert werden
Und das Geschäft mit industriellem Contracting, also Dienstleistungen mit Wärme, Kälte, Photovoltaik, liefert wichtige Erträge, um die Milliarden-Investitionen in die lokale Wärmewende und Dekarbonisierung zu finanzieren.
Bei Kunden aus dem Bereich Gewerbe und Wohnungsbau ist die Rhein-Energie schon stark. Gute Beispiele dafür gibt es auch in Köln etliche. Um nur einige zu nennen: Die Solaranlage auf dem gleichnamigen Kölner Stadion wird von der Rhein-Energie im Sinne eines Contractings betrieben. Beim Flughafen Köln/Bonn entsteht ein hochmodernes Heizwerk, das von der Rhein-Energie im eigenen Risiko unterhalten werden soll. Ist es einmal fertig, wird der zweitgrößte Airport des Landes mit Grünabfällen beheizt.
Für Toyota Racing in Marsdorf wurde eine Kältezentrale gebaut, die die Rhein-Energie im Full-Service betreibt. Das Geschäft mit Energiedienstleistungen brummt also. Nun kommt hinzu, dass der zum Verkauf stehende EnBW Bereich für Rhein-Energie eine wichtige Bereicherung mitbringt. Denn über das Geschäft mit Wohnen und Gewerbe sind die Karlsruher auch auf kommunale Kunden von Energiedienstleistungen spezialisiert. Ein lukratives, wachsendes und obendrein sehr sicheres Geschäftsfeld.
Netzausbau als teures Ziel
Die Rhein-Energie dürfte durch die Übernahme also idealerweise wachsen, nicht nur beim Umsatz, sondern auch bei dem, was am Ende unter Strich als Gewinn überbleibt. Und das ist für den Kölner Versorger von elementarer Wichtigkeit. Denn das Kerngeschäft der Rhein-Energie läuft nicht einfach vor sich hin. Der Stadt-Konzern steht vor einer Wende, die zu stemmen kein Kinderspiel wird.
In Köln muss in den nächsten Jahren die Energietransformation gelingen. Die Netze müssen ertüchtigt werden, wenn immer mehr Kölnerinnen und Kölner ihre Elektro-Autos an der heimischen Wallbox aufladen wollen. Der Fernwärmeausbau steht an. Mit der größten Fluss-Wärmepumpe des Kontinents, der im Niehler Hafen entstehen soll, hat sich die Rhein-Energie ein ehrgeiziges und auch teures Projekt vorgenommen. So bleibt zu hoffen, dass die neue Sparte die gewünschten Überschüsse mitbringt. Irgendwo müssen die Milliarden für den Energietransfer herkommen.
Für Köln selbst ist eine prosperierende Rhein-Energie essenziell. Schließlich wird ein Großteil der Gewinne an die Stadt Köln ausgeschüttet und zur Finanzierung der defizitären Kölner Verkehrsbetriebe aufgewendet. Ohne dieses Geld würde im städtischen Haushalt ein Riesenloch klaffen.
