Abo

Rhein-EnergieWas der Zukauf von EnBW für den Kölner Energieversorger bedeutet

3 min
Ein Windrad dreht sich in einem sanierten Windpark.

Ein Windrad dreht sich in einem sanierten Windpark. 

Die Rhein-Energie plant einen der größten Zukäufe in ihrer Firmengeschichte. Die Akquisition soll den Kölner Versorger fitter machen für die Energiewende.

Der Kölner Versorger Rhein-Energie übernimmt einen Teil des baden-württembergischen Unternehmens EnBW. Worum es geht, was das für Kunden und Mitarbeiter bedeutet und wie es demnächst weitergeht – ein Überblick:

Was wurde verkauft?

EnBW und Rhein-Energie betreiben als eine ihrer Sparten das Geschäft mit Energiedienstleistungen für gewerbliche Kunden und ganze Wohnkomplexe. Bei der EnBW heißt dieses Segment Contracting. Das Contracting-Portfolio der EnBW umfasst laut übereinstimmenden Firmenmeldungen deutschlandweit rund 200 Anlagen.

Mit der geplanten Übernahme erweitert die Rhein-Energie ihre Möglichkeiten insbesondere bei komplexen Industrieprojekten und im Geschäft mit der öffentlichen Hand. Denn im Geschäft mit den Kommunen war EnBW besonders stark. „Mit der Übernahme des EnBW-Portfolios beschleunigen wir diesen Weg und entwickeln die Rhein-Energie zu einem der führenden Anbieter komplexer Energie- und Wärmelösungen in Deutschland. Gemeinsam erreichen wir eine neue Größenordnung: Aus rund 600 Anlagen und 550 Megawatt werden rund 800 Anlagen und 1100 Megawatt“, sagt Rhein-Energie-Vorstandschef Andreas Feicht.

Damit gehöre das Unternehmen künftig zu den Top-3 Energiedienstleistungs-Anbietern in Deutschland, so Feicht. Gleichzeitig wächst das Unternehmen auf rund 800 Anlagen und 1.100 MW installierte Leistung und gehört künftig zu den führenden Anbietern komplexer Energiedienstleistungen (EDL) in Deutschland.

Welches Geschäft betreibt der Bereich?

Teil des Geschäftsbereichs sind Beratung, Planung, Finanzierung und Bau, Betrieb sowie Instandhaltung von Anlagen zur Energieerzeugung. Dazu zählen Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen, Gaskessel und Blockheizkraftwerke für Geschäftskunden. Laut Mitteilung wechseln rund 200 Anlagen und etwa 150 Beschäftigte zu Rheinenergie.

Was wird aus den EnBW-Mitarbeitern?

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurde laut Rhein-Energie eine „verlässliche Perspektive“ vereinbart: Die Rhein-Energie wird den Standort Stuttgart mit der gesamten Belegschaft erhalten. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2029 ausgeschlossen.

Wo sind die Standorte des übernommenen Bereichs?

Bei der Rhein-Energie als eigentlich kommunalem Versorger legt man Wert darauf, mit der Akquisition künftig verstärkt bundesweit aktiv zu sein. Bislang lag der Schwerpunkt im Energiedienstleistungsgeschäft der Rhein-Energie in Nordrhein-Westfalen, es gab jedoch auch Standorte in Nord-, Ost- und Süddeutschland sowie in Berlin.

Der Schwerpunkt des EnBW-Contractring-Geschäfts liegt zwar in Baden-Württemberg, der Heimat des Unternehmens. Darüber hinaus gibt es aber Standorte in NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern und ebenfalls in Berlin.

Was hat der Kauf gekostet?

Über die Höhe des Kaufpreises haben die beteiligten Parteien nach übereinstimmenden Mitteilungen Stillschweigen vereinbart. Markt-Insider gehen von einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag aus.

Wie geht es nun weiter?

Der Vollzug der Transaktion steht unter anderem unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Kartellbehörde sowie der Kommunalaufsicht in Nordrhein-Westfalen und wird zum Jahresanfang 2027 erwartet. Bis dahin führt die Verkäuferin EnBW das Geschäft zunächst weiter fort.

Was ändert sich für die Kunden?

Für die Contracting-Kunden der EnBW läuft der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weiter. „Bestehende Verträge und Konditionen gelten unverändert fort und werden vollumfänglich übernommen“, heißt es auf Nachfrage. Für Kölner Energiekunden der Rhein-Energie hat der Zukauf ohnehin keine direkten oder indirekten Auswirkungen.

Was bedeutet der Deal für die Stadt Köln?

Das hängt im Wesentlichen von der wirtschaftlichen Entwicklung des akquirierten Geschäftsfeldes ab. Mit den Ausschüttungen der Gewinne der Rhein-Energie an die Stadt Köln wird unter anderem seit Jahren das Defizit der Kölner Verkehrsbetriebe gedeckt. Sollte der Geschäftsbereich wie in den vergangenen Jahren weiter wachsen, wäre das mit Blick darauf also eine gute Nachricht.

Warum verkauft EnBW sein Contracting-Portfolio?

Im Mai wurde bekannt, dass der Gewinn des Unternehmens im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte eingebrochen ist. Als Gründe nannte das Unternehmen unter anderem geringere Erlöse aus erneuerbaren Energien sowie ein rückläufiges Ergebnis infolge des Verkaufs eines Braunkohlekraftwerks.

Operativ habe sich das Geschäft aber als robust erwiesen, teilte EnBW damals mit. Im vergangenen Jahr war EnBW aus den Offshore-Windprojekten „Morgan“ und „Mona“ in Großbritannien ausgestiegen, auch wegen massiv gestiegener Kosten. „Mit dem Verkauf schärfen wir unseren strategischen Fokus im Bereich der Erzeugung, um unsere starke Wettbewerbsposition im Markt zu behaupten“, sagt Peter Heydecker, Vorstand  bei der EnBW.