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Rhein-EnergieKölns neue Heizung kommt aus dem Rhein

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v.l.: Rhein-Energie-Chef Andreas Feicht, NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Kölns OB Torsten Burmester bei der Grundsteinlegung

v.l.: Rhein-Energie-Chef Andreas Feicht, NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Kölns OB Torsten Burmester bei der Grundsteinlegung

Im Hafen von Köln-Niehl baut die Rhein-Energie Europas größte Flusswasserwärmepumpe. Die Anlage ist auch klimapolitisch ein Modellprojekt. Zur Grundsteinlegung kamen gleich zwei Wirtschaftsministerinnen.  

„Aus dem Rhein, der Lebensader von Köln, wird jetzt auch Kölns Heizung.“ Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche brachte das, was mit Investitionen von 280 Millionen Euro, mit erheblichem regulatorischem Aufwand und Pioniergeist bis spätestens 2028 im Hafen von Köln-Niehl entstehen soll, auf den Punkt. Europas wahrscheinlich größte Flusswasserwärmepumpe macht im Auftrag der Rhein-Energie aus Rheinwasser Heizenergie und schafft damit einen Sprung auf dem Weg der Stadt hin zu einer klimaneutralen Energieversorgung. 

Am Donnerstag war Grundsteinlegung, Reiches Düsseldorfer Amtskollegin Mona Neubaur (Grüne) und Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) sowie Rhein-Energie-Chef Andreas Feicht nahmen gemeinsam Kelle und Backsteine in die Hand – um unter dem gewaltigen Kühlturm der Rhein-Energie und vor vielen Kameras große Worte zu sprechen. „Meilenstein für Europa“, „industriepolitisches Modellprojekt“ oder „Signal an Deutschland, was alles geht“. Gleich neben dem Podium war das Fundament des Projekts schon gegossen, auf 25.000 Quadratmetern sind die Betonanker versenkt, es kann also tatsächlich losgehen. Folgt man dem Bauherrn, soll es schon zur Heizperiode 2028, also in gut zwei Jahren, für bis zu 50.000 Kölner Haushalte Wärme aus dem Strom geben.

Kölner Mega-Pumpe zieht 30.000 Kubikmeter Wasser pro Stunde

Ermöglichen soll das eine sogenannte Flusswasser-Wärmepumpe. Technisch funktioniert sie wie eine ordinäre Wärmepumpe, nur sind die Dimensionen gewaltig und die Heizenergie kommt nicht aus Luft, sondern aus dem Rhein. Und dieses Wasser war auch der Grund, dass es mit der Grundsteinlegung etwas länger gedauert hat: Die Kölner Mega-Pumpe entzieht dem Strom pro Stunde 30.000 Kubikmeter Wasser – oder ungefähr 180.000 Badwannenfüllungen. Da kamen die Genehmigungsbehörden ins Grübeln, heißt es. Nun ist aber alles unter Dach und Fach, von der Landeswirtschaftsministerin gab es Speziallob für die Bezirksregierung, insgesamt waren sich alle Beteiligten einig, dass man Lehrfeld bezahlt, damit aber auch ein Modellprojekt auf die Beine gestellt hat.

Tatsächlich ist die Kölner Anlage mit einer Leistung von 150 Megawatt Europas derzeit größte ihrer Art. Rheinenergie in sehr großem Maßstab. Auch deshalb wird sie von der Bundesregierung mit viel Geld unterstützt, 100 der mit 280 Millionen Euro veranschlagten Investitionssumme stammen aus Berliner und Brüsseler Töpfen. Das Herz der Anlage wird von der Everllands AG produziert, die hieß vor gar nicht langer Zeit MAN Power Solutions. Dahinter steckt also ein traditionsreicher deutscher Maschinenbauer, die Kölner Wärmepumpe wird in Berlin, Oberhausen und Augsburg gebaut. Komplettes Made in Germany, auch wenn der Mehrheitsaktionär inzwischen die amerikanische Investmentfirma Bain Capital ist.

Unabhängiger von Preisschwankungen bei Gas

Alle Redner ließen es sich jedenfalls nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass es sich um ein sowohl klimapolitisches wie auch industriepolitisches Vorzeigeprojekt handele. „Eine Garantie für verlässliche Wärme in unsicheren Zeiten“, zählte Kölns Oberbürgermeister die vielen Vorteile auf, die die Anlage bietet: Statt wie bisher fast ausschließlich aus Gas, kann künftig bis zu einem Drittel der Heizenergie von Energiemarktschwankungen unabhängig aus dem Rheinwasser gewonnen werden. Das senkt nicht nur das Versorgungsrisiko. Auch die Emissionen für Heizenergie, die die Rhein-Energie ausstößt, gehen um etwa ein Drittel zurück. Köln spart so auch 100.000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr. Und sichert Jobs im deutschen Maschinenbau, einer Branche, die es bekanntermaßen gerade nicht so leicht hat.

Dabei ist einkalkuliert, dass die Pumpe nicht ununterbrochen läuft. Sie ist Teil des Kölner Energiemixes. Prinzipiell kann die Anlage die Energiemenge aus einer Kilowattstunde Strom, die die Kölner aus dem deutschen Netz ziehen, fast verdreifachen. Sie läuft jedoch dann besonders gut und günstig, wenn die Sonne schön scheint und der auf dem Spotmarkt gehandelte Strompreis im Keller ist. Im Sommer dürfte die Pumpe daher auf Hochtouren laufen, betriebswirtschaftlich entscheidend sind dem Vernehmen nach aber die Übergangszeiten zu den Heizperioden, vor allem die Monate Oktober und November.

Fernwärme soll günstiger werden

Für die Kunden soll sich die Pumpe jedenfalls auszahlen. Der Wechselbetrieb zwischen Gaskraft und Wärmpumpe dämpfe die Erzeugungskosten für Fernwärme und somit auch die Endpreise, heißt es. Kritische Stimmen, mit der Fernwärme aus Rheinwasser drohe ein neues Versorgungsmonopol, konterte Rhein-Energie CEO Feicht gutgelaunt: „Es gibt keinen Anschlusszwang, die Kunden können frei wählen.“ Über ihr bestehendes Fernwärmenetz versorgt die Rhein-Energie derzeit gut 6.300 Gebäude in der Stadt.

Für die Energie aus Rheinwasser ist das Leitungsnetz des Unternehmens ein großer Standortvorteil. Denn alle Infrastruktur, die die Großwärmepumpe braucht, um eine ökonomisch sinnvolle Versorgung sicherzustellen, liegt schon im Boden der Stadt. Deshalb denkt die Rhein-Energie schon über eine zweite derartige Anlage nach. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil zwar rheinoberhalb, in Mannheim, derzeit ebenfalls eine große Flusswasseranlage im Bau ist; rheinabwärts, so sagte es Ministerin Neubaur, aber noch nichts Vergleichbares in Planung ist. „Ich freue mich als Düsseldorferin, wenn auch meine Stadt nachzieht“, sagte sie.