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Hauptversammlung
Kampf um die Kohle

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  • RWE gegen vorzeitige Abschaltung - Umweltschützer protestieren

Essen – Deutschlands größter Kohleverstromer RWE bringt sich für die Verhandlungen zum Kohleausstieg in Stellung. "Unsere Eigentumsrechte müssen gewahrt bleiben", sagte RWE-Vorstandschef Rolf Martin Schmitz am Donnerstag bei der Hauptversammlung mit Blick auf eine mögliche vorzeitige Abschaltung von Kraftwerken. Vor der Essener Grugahalle demonstrierten zahlreiche Braunkohlegegner gegen das Festhalten von RWE an der fossilen Stromerzeugung. Auch von Aktionärsvertretern gab es Kritik.

Eine Kommission soll laut Koalitionsvertrag noch dieses Jahr ein Enddatum für den Ausstieg aus der Kohlestrom-Produktion festlegen. Außerdem soll sie einen Plan für das schrittweise Abschalten der Kraftwerke erarbeiten und die finanzielle Abfederung des Strukturwandels klären.

"Gleichzeitig aus Kernenergie und Kohlestrom aussteigen - das ist zu viel", warnte Schmitz. Konventionelle Kraftwerke würden als Sicherheitsnetz für die Energiewende benötigt. Beim Klimaschutz habe RWE seine Hausaufgaben gemacht und 2017 die CO2-Emissionen um zehn Millionen Tonnen gesenkt. Bis 2030 plane RWE den Ausstoß an Klimagas im Vergleich zu 2015 um 55 bis 65 Millionen Tonnen zu reduzieren.

Alles zum Thema Henriette Reker

Nicht allen Aktionären reicht das. RWE sei noch immer "der größte Luftverschmutzer in Europa", monierte Winfried Mathes von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka. Endziel müsse die CO2-freie Stromproduktion sein - "und zwar schnell". Auch Thomas Deser von Union Investment mahnte: "RWE muss alles daran setzen, die CO2-Emissionen und damit die Kosten für die Aktionäre zu reduzieren."

Die Demonstranten warfen RWE vor, mit seinen Braunkohlekraftwerken für zehn Prozent des Ausstoßes an Treibhausgasen in Deutschland verantwortlich zu sein. Die Umweltorganisation Urgewald sagte, RWE scheine darauf zu spekulieren, im Falle einer erzwungenen Schließung von Kohlekraftwerken "von Staat gerettet zu werden". RWE betreibt Braunkohlekraftwerke mit einer installierten Leistung von knapp 10 000 Megawatt, die RWE-Steinkohlekraftwerke haben eine Leistung von weniger als 3000 Megawatt.

Der Kohleausstieg dürfte sich auch zu einer Konkurrenz der Kohlearten entwickeln. Joachim Rumstadt, Chef des Essener Steinkohleverstromers Steag, betonte jüngst, bei der Verstromung von Braunkohle entstehe ein Drittel mehr Kohlendioxid als bei der Steinkohleverstromung.

Die Kölner Sektion der Naturschutzorganisation Greenpeace hat vor wenigen Tagen einen offenen Brief an die Direktorin des Landschaftsverbands Rheinland, Ulrike Lubek, übergeben. Die Klimaschützer fordern darin, dass der LVR seine RWE-Aktien verkauft und damit ein Zeichen gegen die Planung des Unternehmens setzt, ein neues Braunkohlekraftwerk in Bergheim-Niederaußem zu bauen. Die Forderungen wurden auch an Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker übergeben.

Schmitz warb bei den Aktionären auch für den Deal mit Eon, der zur Zerschlagung der RWE-Tochter Innogy führen wird. Die Vereinbarung mit Eon bringe für RWE strategisch und finanziell die größten Potenziale mit sich. Einzelne Aktionäre bezweifelten aber, dass sich der Tausch der Netze und des Vertriebs von Innogy gegen die Erneuerbaren Energien für RWE auf Dauer rechne. (dpa, ihi)

Neue Protestaktion

Die Anti-Braunkohle-Initiative "Ende Gelände" hat für die nächste Rodungssaison am Braunkohletagebau Hambach massenhafte Proteste angekündigt. In der Zeit vom 26. bis 28. Oktober solle die Kohle-Infrastruktur um den Tagebau blockiert werden. RWE Power will im Oktober die Hälfte des restlichen Waldes roden. Damit sollen auch Baumhäuser von Waldbesetzern verschwinden. (dpa)