Insgesamt sollen 600 Jobs gestrichen werden, jetzt wurden erste Details verkündet. Dass es gerade RTL News an den Kragen geht, überrascht nicht.
Sparmaßnahmen bei RTLSender stellt News- und Promi-Formate ein – so viele Mitarbeiter müssen gehen

Ein Schild am Eingang zur RTL-Zentrale in Köln-Deutz.
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Der Kölner Sender RTL stellt mehrere TV-Sendungen ein und strukturiert seine journalistische Einheit neu, um den angestrebten Abbau mehrerer Hundert Arbeitsplätze zu erreichen. Anfang Dezember hatte die Konzernmutter RTL Deutschland angekündigt, insgesamt 600 Vollzeitstellen zu streichen, um trotz stark sinkender Werbeeinnahmen im linearen Fernsehen wettbewerbsfähig zu bleiben. RTL h atte angekündigt, sich konsequent auf das Streaming-Geschäft auszurichten.
In welchen Bereichen Jobs wegfallen, hatte der Kölner Konzern, zu dem neben dem namensgebenden Sender zum Beispiel auch Vox, ntv oder das Magazingeschäft mit Capital, Geo und Stern gehören, im vergangenen Jahr noch offen gelassen. Bekannt wurde schon damals, dass am 7. Januar erste Details veröffentlicht werden und jene Mitarbeiter eine Gesprächseinladung erhalten sollen, auf die RTL beim Wandel zum Streaming-Unternehmen verzichten will. Und so kam es am Mittwoch auch.
Gemeinsame Morgen-Sendung mit ntv
In einem ersten Schritt sollen etliche Beschäftigte von RTL News ihre Jobs verlieren, insgesamt fallen 230 Vollzeitstellen weg. Da viele Angestellte in Teilzeit beschäftigt sind, dürfte es deutlich mehr Personen treffen. RTL News ist die journalistische Einheit, die Nachrichtensendungen und Magazinformate wie etwa „RTL Aktuell“, „Punkt 12“ und „Explosiv“ produziert. Die Frage des „Kölner Stadt-Anzeiger“, wie groß die Abteilung insgesamt ist, beantwortete der Medienkonzern nicht. Beim neuen Fokus auf digitale Streaming-Inhalte hat der Bereich auch deshalb das Nachsehen, weil nur wenige der produzierten Inhalte auf dem Streaming-Angebot RTL+ mit derzeit sieben Millionen zahlenden Nutzerinnen und Nutzern stattfinden, dessen Erfolg sich der Sender zum Ziel gesetzt hat. Im Streaming funktionieren von RTL News derzeit im Wesentlichen nur die Sportformate – etwa zu American Football sowie zur Nations League und zur Europa League im Fußball.
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Im Zuge des Jobabbaus werden also die linearen Nachrichtensendungen „Punkt 6“, „Punkt 7“ und „Punkt 8“ im Mai 2026 eingestellt. Stattdessen strahlen RTL und ntv ab Juni gemeinsam von 6 bis 9 Uhr „Deutschland am Morgen“ aus. Die samstägliche RTL-Promi-Sendung „Gala“ wird ebenso eingestellt wie das Vox-Format „Prominent“, das derzeit am späten Sonntagabend ausgestrahlt wird. RTL fokussiert sich im Gegenzug auf „Exclusiv“, das Vip-Format läuft bereits ab 17. Januar sieben Tage pro Woche.
Allein über die Einstellung von Sendungen werde das Abbauziel von 230 Jobs allerdings nicht erreicht, hieß es bei der Information für RTL-Beschäftigte. „Wir müssen mit weniger Menschen weniger Inhalte herstellen und die Art und Weise, wie wir arbeiten, verändern“, stand auf einer Folie einer Präsentation für die Belegschaft. Und so strukturiert RTL News die gesamte Organisation um: Die einzelnen Themen-Ressorts und Sendungsredaktionen werden aufgelöst. Stattdessen soll es zentrale Newsrooms in Köln und Berlin geben, die sich um Nachrichten und Breaking News kümmern, sowie jeweils eine Einheit, die sich um Vip-Formate, ausgeruhte Magazin-Beiträge und die Steuerung der Digitalangebote ntv.de, stern.de und rtl.de kümmert. Ntv, Stern, Geo und Capital seien von dem Abbau nicht direkt betroffen, teilte RTL mit.
„Transformation ist notwendig“
„Diese Transformation ist notwendig, geht jedoch mit einschneidenden Entscheidungen einher“, sagte RTL-Programmchefin Inga Leschek laut Mitteilung. „Dass Menschen, die mit großem Engagement zum Erfolg von RTL News beigetragen haben, ihren Arbeitsplatz verlieren, bedauern wir zutiefst.“
„Entscheidungen wie diese fallen uns nicht leicht und sind sehr schmerzhaft“, sagte RTL-News-Geschäftsführer Martin Gradl. „Gleichzeitig sind sie notwendig geworden, um RTL News weiterhin in einer starken und zukunftssicheren Position zu halten. Uns ist bewusst, wie sehr diese Veränderungen einzelne Menschen treffen.“ Gradl versprach, den Jobabbau „verantwortungsvoll, fair und so transparent wie möglich“ zu gestalten.
Geschäftsführung und Betriebsrat haben sich bereits auf Abfindungsangebote geeinigt. Je nach Betriebszugehörigkeit, Alter und sozialen Faktoren wie Kindern und Behinderungen können RTL-Beschäftigte mindestens mit einem niedrigen fünfstelligen Abfindungsbetrag rechnen. Führungskräfte, die schon viele Jahre im Unternehmen sind und Kinder haben, können derweil Abfindungen erwarten, die in Einzelfällen auch rund 250.000 Euro hoch sind. Zudem wird eine Transfergesellschaft gegründet, in der betroffene Angestellte weiterbeschäftigt werden, damit Arbeitslosigkeit verhindert wird.


