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Neuer Chef der Kreissparkasse Köln„Viele junge Menschen vertrauen gutgläubig den Anlagetipps von Influencern“

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23.02.2026, Köln: Interview mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Köln Thomas Pennartz Foto: Arton Krasniqi

Thomas Pennartz ist der neue Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Köln.

Thomas Pennartz führt seit Januar die Kreissparkasse Köln und spricht über eine erfolgreiche Bilanz, die Beratung junger Leute und das Filialnetz.

Herr Pennartz, Sie sind jetzt zwei Monate Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln. Wie ist Ihr erster Eindruck?

Thomas Pennartz: Ich bin gut angekommen als Chef der größten kommunalen Sparkasse. Wobei: Im Grunde sind wir in unseren vier Landkreisen strukturell aufgestellt wie vier mittelgroße Sparkassen, unter dem Dach einer „Holding“ in Köln. Die Sparkasse zeichnet sich dabei traditionell durch eine hohe Dezentralität aus, was auch zur DNA unseres Hauses gehört. So treffen wir 90 Prozent unserer Entscheidungen, die die Region betreffen, vor Ort. Wir haben dort unsere Regionalvorstände, die mit ihren Teams stark in der jeweiligen Region verankert sind. Diese gelebte Regionalität ist auch ein besonderes Verdienst meines Vorgängers Alexander Wüerst. Diese Philosophie fortzuführen, die er über 20 Jahre etabliert hat, ist schon herausfordernd. Den eingeschlagenen Weg möchte ich jetzt konsequent fortsetzen, das sehe ich als meine Aufgabe an.

Wo steht die Kreissparkasse wirtschaftlich nach dem dritten Rezessionsjahr in Folge?

Im Kreditneugeschäft haben wir im letzten Jahr 3,8 Milliarden Euro herausgegeben, das ist ein Fünftel mehr als im Vorjahr. An neuen Kundengeldern wurden in dem Zeitraum 1,5 Milliarden Euro angelegt, was sogar einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr entspricht. Unsere Gesamtkapitalquote, also das Eigenkapital, liegt bei 17,6 Prozent. Insgesamt sind wir mit dem Geschäft und auch dem Ergebnis zufrieden. Die endgültigen Zahlen liegen zwar erst im nächsten Monat vor, jedoch sieht alles danach aus, als wenn wir 2025 das drittbeste Ergebnis in der Geschichte der Kreissparkasse Köln erreicht hätten.

Wie kommt es zu dem starken Wachstum bei den neuen Kundengeldern?

Bei der Geldanlage spüren wir das Vertrauen der Kunden zu unserer Sparkasse. Sehr erfreulich ist, dass ein Drittel der neuen Gelder im Depot angelegt wurde. Unser Ziel ist, dass unsere breite Kundschaft auch an den Chancen der Kapitalmärkte profitiert. Denn unter langfristigen Renditegesichtspunkten ist dies sicherlich aktuell die bessere Anlageform.


Thomas Pennartz, Jahrgang 1965, ist seit 1. Januar 2026 Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln. Deren Geschäftsgebiet umfasst den Rhein-Erft-Kreis, den Rhein-Sieg-Kreis, den Rheinisch-Bergischen Kreis und den Oberbergischen Kreis sowie Bonn. Die Zentrale befindet sich am Kölner Neumarkt. Zuvor war Pennartz Geschäftsführer des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbands und Vorstandschef der Kreissparkasse Heinsberg.

Thomas Pennartz stammt aus Geilenkirchen, ist verheiratet und hat einen Sohn, der ebenfalls Banker ist. Er ist leidenschaftlicher Tennisspieler und schaut beim 1. FC Köln gerne Fußball.


Wie lief es im Bereich Immobilienkredite, angesichts der angespannten Lage am Bau und des Wohnungsmangels?

Zum einen ziehen die Baufinanzierungen an. Rund 1,9 Milliarden Euro, das ist die Hälfte des Kreditneugeschäftes, sind Baufinanzierungen. Hierbei dient wiederum der größte Teil für den Kauf von Bestandsimmobilien von Privatkunden. Das Neubaugeschäft leidet noch unter den hohen Baukosten. Jedoch ist der Geschosswohnungsbau in Köln wieder angezogen. Grund sind hier die gestiegenen Mieten, die das Bauen wieder attraktiver machen.

Menschen, die in der Niedrigzinsphase ihre Immobilien zu unter einem Prozent finanziert haben, müssen jetzt mit einer Vervierfachung ihres Zinses bei der Anschlussfinanzierung rechnen. Wie schätzen Sie das ein?

Das bereitet bei unseren Kunden sehr selten Schwierigkeiten. Wir haben darauf geachtet, dass die Kunden in der Niedrigzinsphase entsprechend deutlich mehr getilgt haben. Das sehen wir auch in unserer Bilanz. Wir haben hohe Tilgungsvolumen jedes Jahr. Nun haben unsere Kundinnen und Kunden bereits mehr getilgt und kommen bei einem höheren Zinssatz auch mit einer niedrigeren Tilgung zurecht. Das aktuelle Zinsniveau ist jedoch gemessen an längeren Zeiträumen immer noch sehr niedrig. Sinkende Zinsen erwarten wir nicht, eher gleichbleibende oder moderat steigende.

Haben Sie ein Problem mit einer Überalterung Ihrer Kundschaft?

Nein, das haben wir nicht. Wir haben sehr viele junge Kunden. Was wir aber schon merken, ist, dass jüngere Kunden andere Ansprüche an ihr Kreditinstitut haben als ältere. Junge Menschen finden nicht zwangsläufig den Weg zum Kundenberater. Wir haben daraufhin in einem Test im Rhein-Erft-Kreis das Betreuungskonzept umgestellt. Wir beraten nun mit einem Team aus jungen Kolleginnen und Kollegen im Alter zwischen 20 und 30 die unter 30-jährigen Kunden. Das fördert eine Gesprächskultur auf Augenhöhe. Diese Kunden sind es nicht gewohnt, dass die Sparkasse sich proaktiv bei ihnen meldet. Und wir erleben, dass sie dies jedoch sehr wertschätzen. Vor zwei Jahren haben wir diesen Test gestartet, und nach den guten Erfahrungen haben wir das Angebot im letzten September aufs gesamte Geschäftsgebiet ausgeweitet.

Welchen Beratungsbedarf haben denn diese jungen Menschen?

Interessanterweise ist das ganz bunt. Altersvorsorge ist beispielsweise durchaus ein Thema. Hier erleben wir, dass junge Menschen sich zunehmend interessieren, oft sogar mehr als ältere. Und sie fragen nach geeigneten Anlageformen. Andersherum erleben wir auch viele junge Menschen, die gutgläubig den Anlagetipps von irgendwelchen Influencern vertrauen. So ist ein ETF auf lateinamerikanische Aktien vielleicht nicht gerade die beste Wahl, wenn man in einem Jahr von dem Geld ein gebrauchtes Auto kaufen oder eine Reise buchen möchte. In solchen Fällen sehen wir es auch als unsere Aufgabe, junge Menschen dabei zu unterstützen, fundierte Entscheidungen zu treffen.

23.02.2026, Köln: Interview mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Köln Thomas Pennartz Foto: Arton Krasniqi

Thomas Pennartz im Gespräch mit Thorsten Breitkopf

Wie begegnen Sie denn den Neo-Banken, die rein digital agieren und oft sehr günstige Konditionen bieten, wie Scalable oder N26? Wie wollen Sie denen Paroli bieten? Die wirken unschlagbar…

Ich glaube schon, dass wir dem ein sehr gutes Angebot entgegensetzen. Wer das fair vergleicht, wird zu demselben Schluss kommen. Nicht alles bei den Neo-Brokern ist wirklich kostenfrei. Wir sind auch in einer Krisensituation für unsere Kunden erreichbar und beraten aktiv, damit können wir punkten. Wettbewerbsfähig werden wir auch, was die Preise angeht. Wir machen uns auf den Weg, Produkte anzubieten, die sich mit denen der Neo-Broker messen können.

Ein Beispiel?

Zum Beispiel das Depot, das wir im Laufe des Jahres zu sehr günstigen Preisen anbieten werden. Das ist dann ein Einsteiger-Depot, das ähnliche Leistungen bietet wie das der angesprochenen Distanzbanken. Das werden die Sparkassen bundesweit im zweiten Halbjahr anbieten. Wir zählen zum Kreis derjenigen Sparkassen, die das Angebot vorab erproben. Dieses Depot wird S-Neo heißen.

Paypal als Bezahldienst ist marktführend. Mit Wero bieten Sie mit anderen deutschen Banken eine Alternative. Wie wird die angenommen?

Die Zahlen von Wero laufen aktuell extrem hoch. Wir sind inzwischen bei vier Millionen Kunden in der Sparkassen-Finanzgruppe, die sich für Wero freigeschaltet haben. In unserer eigenen Kundschaft hat sich die Zahl der Wero-Nutzer in den letzten zwei Wochen verdoppelt. Jetzt macht auch die Commerzbank mit, was wir ausdrücklich begrüßen. Wir haben die Prozesse der Registrierung deutlich vereinfacht. Wenn man sieht, was Wero im Peer-to-Peer-Bereich heute schon kann, also Zahlungen unter Privatpersonen, kann sich das durchaus mit Paypal messen. Rechnungen aufteilen, Geld bei Freunden einziehen mit der Handynummer, das kann Wero heute schon. Und die Zahlung geschieht vollkommen in der sicheren Sphäre der eigenen Hausbank. Das Geld macht keinen Umweg über ein amerikanisches Unternehmen oder ist eine Forderung an ein solches, wenn dort Guthaben besteht. Wero bietet abgesicherte Wege. Es werden auch zunehmend mehr große Händler, bei denen online mit Wero bezahlt werden kann. Wir rechnen mit 50 bis 60 großen Anbietern im E-Commerce, die auf Wero setzen. Die Händler haben großes Interesse an Wero, weil wir ein sehr wettbewerbsfähiges Angebot zur Verfügung stellen, preislich und leistungsmäßig. Wir wetteifern mit Paypal, das – so ehrlich müssen wir sein – die von der europäischen Kreditwirtschaft gelassene Lücke über viele Jahre beständig und gut gefüllt hat.

Gerade hat die Deutsche Bank ihr Filialnetz radikal ausgedünnt, jede zweite Filiale in Köln geschlossen. Sie haben auch ausgedünnt und haben jetzt 92 Filialen. Wie geht es weiter?

Wir sind zufrieden mit unserem Filialnetz, wie es heute aufgestellt ist. Wir werden so aktuellen Anforderungen gerecht. Zu den 92 bemannten Filialen kommen noch rund 70 SB-Stellen und 64 Haltepunkte unserer sechs mobilen Filialen. Wir sehen im Moment keinen akuten Handlungsbedarf.

Heißt das: erstmal keine Filialschließungen?

Wir sind mit dem bestehenden Filialnetz gut aufgestellt. Es kann immer mal zu kleinen Anpassungen kommen, jedoch planen wir in den nächsten Jahren keine gravierenden Veränderungen.