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Verlängerung der Förderfrist unwahrscheinlichKölner Museum Selma in Kalk droht das Aus

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Das Museum Selma war eigentlich als Migrationsmuseum mit bundesweiter Strahlkraft geplant. Dieser Entwurf wird nicht umgesetzt.

Das Museum Selma war eigentlich als Migrationsmuseum mit bundesweiter Strahlkraft geplant. Dieser Entwurf wird nicht umgesetzt.

Die Kölner Bundestagsabgeordnete Abdi sagt: „Der Förderantrag muss jetzt fristgerecht eingereicht werden – sonst droht dem Projekt endgültig das Aus.“

Dem Museum Selma droht das Aus: In Köln hoffen die Beteiligten darauf, man könne noch einmal die Frist für die Abberufung der Fördermittel in Berlin verlängern, um nun doch eine kleinere Version in Kalk zu planen. Doch damit sieht es schlecht aus. Die Kölner SPD-Bundestagsabgeordnete Sanae Abdi sagte der Redaktion: „Der Förderantrag muss jetzt fristgerecht eingereicht werden – sonst droht dem Projekt endgültig das Aus.“

Das Museum Selma prüft derzeit, ob sich das Migrationsmuseum innerhalb des Kostenrahmens von 44 Millionen Euro durch starke Einschnitte im Ausstellungsprogramm realisieren lässt. Konzipiert war es als bundesweites Vorzeigeprojekt, um die Geschichte der Menschen mit internationaler Familiengeschichte erstmals in diesem Umfang sichtbar zu machen. Wie lange die Prüfung noch dauert und ob sich derzeit bereits eine Tendenz abzeichnet, kann Sprecher Timo Glatz vom Trägerverein Domid (Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland) auf Nachfrage nicht sagen. „Dazu können wir noch keine Aussage machen, wir kommunizieren auch keine Zwischenstände.“

Domid-Geschäftsführer fordert Unterstützung der Kölner Stadtverwaltung

In einer Sondersitzung des Ausschusses für Chancengleichheit und Integration am Dienstagnachmittag sagte Domid-Geschäftsführer Robert Fuchs dann nur so viel: „Wir denken in Bauabschnitten, es wird nicht mehr die ganze Halle am Stück realisiert werden können.“ Fuchs forderte intensive Unterstützung der Stadt, um das Projekt noch bis Jahresende retten zu können.

Das Domid hatte am 17. März überraschend mitgeteilt, wegen gestiegener Baukosten doch nicht die Halle 70 nutzen zu können. Die 44 Millionen für den Bau hatten je zur Hälfte bereits das Land NRW und der Bund zugesagt. Die Stadt Köln stellte die Halle in Kalk zur Verfügung, für weitere Kosten wie etwa für den Betrieb kommt sie nicht auf. Die 44 Millionen Euro reichen aber nicht mehr, es bräuchte für den ursprünglichen Plan mittlerweile 77. Für die Differenz wollen weder Bund, noch Land, noch Stadt aufkommen. Die Stadt bot dem Domid das Kulturzentrum am Neumarkt (KAN) als Alternative an, die Bezirksregierung Köln als Prüfbehörde jedoch teilte später mit, dass das Domid mit der Planung von vorn beginnen müsse. Aufgrund des bevorstehenden Ablaufs der Frist, die Bundesmittel abzurufen, ist das jedoch nicht möglich. Daher wurde die Option wieder verworfen (wir berichteten).

Sanae Abdi, die ihren Wahlkreis im rechtsrheinischen Köln mit Kalk in der Mitte hat, nennt wie so viele Unterstützer das Museum ein „Herzensprojekt“: „Ein Museum wie Selma könnte sichtbar machen, welchen prägenden Platz Migration in unserer Gesellschaft und unserer gemeinsamen Geschichte hat.“ Seit 2019 stehen Bundesmittel für dieses Projekt bereit, die bis 2025 noch nicht abgerufen waren. Wie berichtet, verweist das Domid darauf, dass die Verhandlungen mit der Stadt lange gedauert hätten und der Verein erst mit Abschluss des Erbbaurechtsvertrages über die Hallen verfügen konnte. Domid-Geschäftsführer Robert Fuchs beteuert, so schnell wie möglich gearbeitet zu haben: „Wir konnten erst im letzten Jahr die museale Planung bearbeiten, das dauerte acht Monate – ein Verfahren, für das normalerweise zwei Jahre Zeit ins Land ziehen.“ In diesem Zuge wurde den Beteiligten dann im August vorigen Jahres klar, dass das Geld für den ursprünglichen Plan nicht reichen würde.

„Keine realistische Möglichkeit mehr“ für Fristverlängerung der Fördermittel aus Berlin

Abdi setzte sich voriges Jahr dafür ein, dass die Mittel noch bis Ende 2026 zur Verfügung stehen, „gegen erhebliche Widerstände“ und „obwohl das Projekt die ursprünglichen Förderfristen bereits gerissen hatte“. „Dass noch einmal ein Jahr Zeit gewährt wurde, war eine absolute Ausnahmeentscheidung“, sagt Abdi. „Deshalb finde ich es problematisch, wenn jetzt der Eindruck erweckt wird, eine weitere Fristverlängerung ließe sich politisch einfach beschließen. So sehr ich mir das für das Projekt wünschen würde, sehe ich dafür keine realistische Möglichkeit mehr.“

Dass eine zweite Fristverlängerung durch den Bund derzeit mindestens fragwürdig erscheint, sieht Glatz nicht so. „Wir gehen schrittweise vor. Wir prüfen erstmal, gehen ins Gespräch mit der Stadt und Politik und je mehr Menschen sich für das Museum einsetzen werden, desto höher ist die Chance, dass beim Bund eine Fristverlängerung möglich ist.“

Glatz und Fuchs hoffen weiter auf die öffentliche Unterstützung für den Erhalt des Selma in Kalk sowohl aus Berlin - unter anderem vom Grünen-Bundestagsabgeordneten Sven Lehmann, der schon einen offenen Brief in Unterstützung des Museums geschrieben hatte, als auch etwa von der NRW-Kulturministerin Ina Brandes. Das Domid pocht und hofft weiter auf die Geschlossenheit der Akteure in Köln, um die Signalwirkung Richtung Bund zu erhöhen.

Eine Oper gibt es in jeder Großstadt, ein Migrationsmuseum nicht.
Turan Özkücük, Mitglied des Integrationsausschusses

In der Sondersitzung des Integrationsausschusses stellten die gewählten Vertreter der 42 Prozent der Kölner mit Migrationsgeschichte das geplante Museum als eine Investition in die Zukunft Kölns dar, die sich auszahle und die Stadt bundesweit von anderen abhebe. Turan Özkücük sagte: „Eine Oper gibt es in jeder Großstadt, ein Migrationsmuseum nicht.“ Der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses, Ahmet Edis, sagte: „Die Menschen haben in den vergangenen Jahren ihre Habseligkeiten an Domid gegeben, in dem Glauben, dass ihre Geschichte irgendwann erzählt wird. Das ist ein politisches Versprechen, das wir einhalten müssen.“

Eine finanzielle Unterstützung wies Kulturdezernent Stefan Charles erneut ab, sagte dem Ausschuss aber: „Ich habe gelernt, dass ich mich noch mehr dafür einsetzen muss.“ Am Freitag, 5. Juni, folgen die für die Projektsteuerung Verantwortlichen von Domid, der Kölner Verwaltung und von den Geldgebern Land und Bund einer Einladung von Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) zu einem Runden Tisch.