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Taco Bell in KölnWas amerikanische Schnellrestaurants für Deutschlands Gastronomie bedeuten

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Die neue Taco-Bell-Filiale auf dem Hohenzollernring von außen. Fenster und Türen sind bereits im lilafarbenen Design und mit Taco-Bell-Werbung gelabelt.

Die Eröffnung der ersten Taco-Bell-Filiale auf dem Hohenzollernring wurde kurzfristig verschoben. Bisher gibt es nur Lokale auf US-Militärstützpunkten. Mit der neuen Fast-Food-Marke kommt eine weitere Schnellrestaurantkette nach Deutschland.

In Köln startet Taco Bells Deutschland-Expansion. Die US-Kette trifft auf eine Gastronomie in der Krise – und könnte den Wettbewerb weiter verschärfen.

Burger und Fritten von McDonald's oder Five Guys, Hähnchen von Kentucky Fried Chicken, Pizza von Dominos, Sandwiches von Subway, Kaffee von Starbucks, Donuts von Dunkin – und bald wird es auch Tex-Mex-Gerichte aus der amerikanischen Systemgastronomie-Küche in Deutschland geben. Einmal mehr setzt eine große US-Brand ihren Fuß in die deutsche Restaurantlandschaft. Und Wegstart ist Köln. 

Die Eröffnung der ersten öffentlichen Taco-Bell-Filiale auf dem Hohenzollernring sollte eigentlich bereits am 24. September stattfinden. Öffentlich deshalb, weil bislang Taco Bell hierzulande lediglich auf geschlossenen US-Stützpunkten zu finden und damit strikt zugangsbeschränkt war. Schon seit einiger Zeit machen lilafarbene Banner auf den Einzug des Schnellrestaurants in der Kölner Innenstadt aufmerksam. Doch man ließ Burrito- und Quesadilla-Fans warten. Der Starttermin wurde verschoben, nun auf den 3. Oktober: den Feiertag, „wenn die anderen geschlossen haben“, so kündigt es Taco Bell in den sozialen Medien an. Man arbeite an letzten Details.

Auf Absperrgittern vor der neuen Filiale von Taco Bell in Köln steht: „Hallo Kölle, Finally Here“

„Wir sind eingezogen“, liest sich schon eine Weile; nun hat das Unternehmen die Eröffnung der Filiale in der Kölner Innenstadt für den 3. Oktober angekündigt.

Die Eröffnung – wenn sie denn diesmal wie geplant stattfindet – sei „der Auftakt zu langfristigen Wachstumsplänen für den hiesigen Markt“, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. Demnach will die Kette in mehreren Städten Fuß fassen. Neben Köln sind Restaurants in Berlin und Stuttgart geplant. „Deutschland ist für Taco Bell ein Markt mit enormem Potenzial, und Köln ist der ideale Startpunkt“, sagt Ian Cranna, General Manager von Taco Bell Europe. „Die Stadt hat eine lebendige Food- und Nightlife-Szene und passt damit perfekt zur Marke. Das ist der erste Schritt auf unserem Weg, Taco Bell in Deutschland dauerhaft zu etablieren.“

Dabei ist Taco Bell freilich nicht der erste Fast-Food-Laden, der Köln für sich entdeckt, wie ein Gang durch die stark frequentierten Straßen zeigt. Das beobachtet auch Patrick Rothkopf. Er ist Präsident des Deutschen Hotellerie- und Gastronomieverbands NRW. In der Metropole gebe es „eine deutlich größere Dichte und Vielfalt an Systemgastronomie, internationalen Konzepten und Filialbetrieben als beispielsweise in einer mittelgroßen Stadt wie Euskirchen oder in den Dörfern der Eifel.“

Kleine und inhabergeführte Lokale haben es schwerer

Zwar präge die inhabergeführte Gastronomie auch hier weiterhin die Restaurantlandschaft, sagt Rothkopf. Doch angesichts steigender Insolvenzzahlen könnte sich das bald ändern. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform spricht von einer strukturellen Dauerkrise in der Gastronomie. Allein 2025 ist demnach die Zahl der Pleiten um 30 Prozent gestiegen. 12.300 Lokale stellten den Betrieb ein, 2905 davon aus Insolvenzgründen. Zehntausende verschwinden still vom Markt. Besonders kleine, inhabergeführte Lokale haben es den Experten zufolge besonders schwer.

Während klassische Betriebe mit Nachfolgeproblemen, hohen Personal-, Energie-, Waren- und Mietkosten und damit fehlenden Investitionsmöglichkeiten kämpfen, gewinnen systematisierte Konzepte immer mehr an Bedeutung, sagt Rothkopf. Dabei werden zwar auch asiatische Geschäftsmodelle, etwa aus Japan oder Korea, immer sichtbarer. Trotzdem gelten die USA weiterhin als wichtiger Trendsetter. „Das war schon immer so.“ 

Die Eröffnung in Köln zeigt, dass internationale Marken den deutschen Markt weiterhin als attraktiv ansehen. Gleichzeitig entscheidet am Ende der deutsche Gast, welche Konzepte sich dauerhaft durchsetzen.
Patrick Rothkopf, Präsident Dehoga NRW

Die hinter Taco Bell, McDonalds und Starbucks stehenden Großkonzerne können mit ihrer Strategie wirtschaftlicher agieren als die Individualgastronomen. „Beispielsweise, weil weniger Fachkräfte notwendig, gleiche Standards kostengünstiger umzusetzen sind oder günstiger eingekauft werden kann.“ Und: Sie profitieren von ihrer Markenbekanntheit.

Taco Bell, 1962 in Kalifornien gegründet, ist eigenen Angaben zufolge inzwischen mit rund 10.000 Restaurants in mehr als 40 Ländern vertreten. Nicht nur USA-Touristen dürften die Kette, die genauso wie KFC zum börsennotierten Mutterkonzern Yum! Brands gehört, kennen. Bislang aber fehlte sie in der deutschen Gastro-Szene. Ein früherer Anlauf zwischen Taco Bell und einem potenziellen Franchisenehmer soll an  Differenzen gescheitert sein. Bei den geplatzten Plänen ging es um mehr als 100 Filialen, die bis 2030 eröffnet werden sollten. Nun also der nächste Versuch.

Auch diesmal erfolgt die Expansion über ein Franchise-Modell. Zum einen wird die Schaal Group, Multipächter in der Tankstellen- und Autohofbranche, aus Baden-Württemberg genannt. Für Nordrhein-Westfalen zeichnet außerdem die 2025 gegründete Feel Better Holding aus Koblenz verantwortlich, die auch die Kölner Taco-Bell-Filiale betreiben wird. 

Patrick Rothkopf, Präsident Dehoga NRW, vor einem blauen Vorhang

Patrick Rothkopf, Präsident Dehoga NRW, sieht die Gastro-Branche in starker Bewegung: „Die Grenzen zwischen klassischem Fast Food, Systemgastronomie und Restaurantkonzepten verschwimmen zunehmend.“

Rothkopf wertet die Standortwahl als gutes Zeichen. „Die Eröffnung in Köln zeigt, dass internationale Marken den deutschen Markt weiterhin als attraktiv ansehen.“ Für die Gastronomie bedeute die Entwicklung vor allem mehr Wettbewerb. „Das kann durchaus positiv sein, weil es Innovation und Investitionen fördert.“

Die Gastronomielandschaft werde vielfältiger und internationaler. „Interessant und spannend ist die permanente Bewegung, die in der Branche herrscht, und wie die Grenzen zwischen klassischem Fast Food, Systemgastronomie und Restaurantkonzepten zunehmend verschwimmen.“ Ein Beispiel sind aufploppende Luxus-Döner-Ketten. Viele neue Konzepte verbinden Schnelligkeit und Standardisierung mit höherwertigen Produkten, stärkerem Erlebnis und individueller Ansprache.

Für die Gäste bedeutet das zunächst mehr Auswahl. Allerdings nur, wenn die Systemgastronomie die regional verankerten Lokale nicht verdrängt. Rothkopf, der Vertreter der regionalen Gastronomiebranche, glaubt nicht, dass sie mit ihrer klassischen Ausprägung verschwindet. „Im Gegenteil: Individualität, Regionalität, persönliche Atmosphäre und das eigene Profil bieten gerade in einer zunehmend standardisierten Welt wichtige Wettbewerbsvorteile und geben Städten und Dörfern ein eigenes gastronomisches Gesicht.“

Zunehmende Filialisierung – Fast Food bei jungen Menschen beliebt

Die Zahlen legen indes nahe, dass Menschen dieser Tage beim Restaurantbesuch sparen. Die Branche setzte im ersten Halbjahr laut Dehoga zwar fast 15 Prozent mehr um als 2019. Real, also preisbereinigt, lagen die Erlöse allerdings gut 23 Prozent niedriger. „Verunsicherte Verbraucher halten sich bei Ausgaben für Freizeitaktivitäten spürbar zurück“, schreibt der Dehoga in seiner Halbjahresbilanz.

Die Konsumenten wägten genauer ab, wofür sie ihr Geld ausgeben und ob ein Restaurantbesuch nötig sei, sagt Sebastian Walter vom Marktforschungsinstitut Yougov. Laut einer im März 2026 durchgeführten Umfrage ist der Restaurantbesuch für 72 Prozent der Verbraucher zu teuer, 38 Prozent gingen zu Jahresbeginn seltener essen als im Vorjahr. Zugleich scheint der Appetit auf einen schnellen Imbiss ungebrochen. Laut Yougov geben rund ein Drittel der Deutschen an, mindestens einmal im Monat Fast Food zu bestellen – insbesondere bei der jungen Generation sind Schnellrestaurants beliebt.

Gastroketten erwirtschaften Umsatzplus gegen den Trend

Welchen Marktanteil sie in der Branche ausmachen, wird laut Dehoga nicht explizit erhoben. Das Statistische Bundesamt differenziere nicht zwischen Individual- und Systemgastronomie. Dafür deuten andere Zahlen auf die zunehmende Filialisierung und den Wachstumskurs der Gastroketten hin. Dem Fachmagazin Foodservice zufolge erwirtschafteten die 100 größten Unternehmen – allen voran die amerikanischen Global Player McDonalds, Burger King und Yum! – ein Umsatzplus von fünf Prozent – trotz gestiegener Preissensibilität der Gäste und entgegen des Branchentrends. 

Als Treiber gelten laut Bundesverband der Systemgastronomie die digitalen Bestellmöglichkeiten, das Angebot von Liefer- und Mitnahmemöglichkeiten oder Loyalitätsprogramme, die von Schnellrestaurants eher genutzt werden – das wiederum zeigt das Kölner Beispiel Taco Bell. Dort soll an einem digitalen Kiosk bestellt werden, gegessen wird vor Ort oder unterwegs und ein Lieferservice ist ebenfalls in Planung. Kommuniziert wird offenkundig über ein professionelles Medienteam via Social Media. 

„Entscheidend ist, dass die Rahmenbedingungen für alle Betriebe stimmen – unabhängig davon, ob hinter einem Restaurant ein internationaler Konzern oder ein Unternehmer steht, der seinen Betrieb selbst führt“, so Rothkopf. Die Bürokratie müsse reduziert werden, weil sie inhabergeführte Betriebe im Besonderen belaste. Letztlich entscheide aber der deutsche Gast, welche Konzepte sich dauerhaft durchsetzen – und auch, ob sich Taco Bell neben der Konkurrenz auf den Ringen und anderswo in Deutschland etablieren kann.