Dieselpreis in Köln nahe am RekordSprit extrem teuer trotz sinkender Ölpreise

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Die Kraftstoffpreise werden auf einer Anzeigetafel an einer Tankstelle angezeigt.

Die Kraftstoffpreise werden auf einer Anzeigetafel an einer Tankstelle angezeigt. 

Der Kölner Autoclub ACV wirft den Mineralölkonzernen vor, ein generell höheres Preisniveau zu erproben.

Am Dienstagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent aus der Nordsee zur Lieferung im September 85,26 US-Dollar und damit zwar 1,75 Prozent mehr als am Vortag. Mit dem Niveau liegt der Preis für die weltweite Referenzsorte aber rund 17 Prozent unter dem in der zweiten Juli-Hälfte erreichten Zwischenhoch von etwas mehr als 100 Dollar.

Für die Mineralölkonzerne ist das aber offenbar kein Grund, die Preise an den Tankstellen auch für Verbraucher zu senken. Der Preis für Super E10 verharrt trotz insgesamt rückläufiger Ölpreise auf höchstem Niveau, ein Liter der Sorte kostete gestern in Köln kurz nach Mittag 2,27 Euro. Noch drastischer ist es beim Diesel. Dieses hat sich gegen den Ölpreis-Trend am Dienstag sogar verteuert, auf gegen Mittag 2,37 Euro im Kölner Durchschnitt, wie das Portal „Clever tanken“ ausweist. Die Daten basieren auf Meldungen von 110 Kölner Tankstellen an das Bundeskartellamt.

Spritpreise im Juli „drastisch“ gestiegen

Damit setzt sich ein Trend aus dem Vormonat dieses Jahres nahtlos fort. Die Spritpreise an deutschen Tankstellen sind nach Auswertung des ADAC im Laufe des Juli „drastisch“ angestiegen. Besonders für Diesel mussten die Autofahrerinnen und - fahrer deutlich mehr hinlegen, wie der Automobilclub in München kürzlich mitteilte. Am 4. Juli kostete der Kraftstoff demnach im Tagesmittel 1,946 Euro pro Liter, am 31. Juli waren es im Schnitt 2,225 Euro und damit 27,9 Cent mehr.

Der Preis für einen Liter Super E10 kostete am günstigsten Tag des Monats, am 1. Juli, 2,016 Euro, wie der ADAC weiter mitteilte. Am teuersten Tag, dem 23. Juli, mussten Verbraucher für den Liter Super E10 im Schnitt 2,168 Euro zahlen – 15,2 Cent mehr.

Im Monatsmittel betrug der Preis für einen Liter Super E10 laut ADAC 2,099 Euro. Das ist nur ein Cent weniger als unter dem monatlichen Allzeithoch vom April dieses Jahres, als für den Liter 2,109 Euro fällig wurden. Diesel kostete im Schnitt im Juli 2,097 Euro; im Rekordmonat April waren es mit 2,263 Euro je Liter Diesel noch deutlich mehr.

Rohölpreise unter 90 Dollar gesunken

Der ADAC verwies darauf, dass der Rohölpreis pro Barrel nach einem erneuten Anstieg über die 100-Dollar-Marke zum 23. Juli gen Ende des Monats wieder deutlich unter 90 Dollar gesunken sei. Das habe sich aber nicht in den Spritpreisen niedergeschlagen, sie gaben „nicht entsprechend nach oder stiegen sogar weiter“, erklärte der Automobilclub. Das müsse „aus Sicht des ADAC vom Bundeskartellamt untersucht und dabei insbesondere die Raffinerie- und Großhandelspreise kritisch überprüft werden“.

Der in Köln ansässige Verkehrsclub ACV kritisiert das Verhalten der Mineralölkonzerne. Die Kraftstoffpreise in Deutschland sind aus Sicht des ACV aktuell deutlich zu hoch. „Dass Benzin und Diesel nach dem Auslaufen des Tankrabatts zunächst teurer wurden, war aufgrund der wieder vollständig erhobenen Energiesteuer grundsätzlich zu erwarten. Damit lässt sich jedoch nur der unmittelbare Preissprung Anfang Juli erklären, nicht die weitere Entwicklung: Obwohl die Rohölnotierungen zum Monatsende deutlich zurückgingen, folgten die Preise an den Tankstellen dieser Entwicklung nicht, beim Diesel ging es sogar weiter nach oben“, sagte ACV-Geschäftsführer Holger Küster im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Es ensteht der Eindruck, dass ein generell höheres Preisniveau als neue Normalität erprobt wird
Holger Küster, Geschäftsführer des Automobilclubs ACV

Natürlich werde der Kraftstoffpreis nicht allein durch den Rohölkurs bestimmt. Auch Wechselkurse, Raffinerie- und Transportkosten, Angebot und Nachfrage sowie beim Diesel die Import- und Versorgungslage spielten eine Rolle. „Auffällig bleibt jedoch das unterschiedliche Tempo der Preisweitergabe: Steigen Rohölnotierungen oder Beschaffungspreise, reagieren die Preise an den Zapfsäulen meist sehr schnell. Entspannen sich dagegen die vorgelagerten Märkte, kommt die Entlastung bei den Autofahrern häufig erst mit deutlicher Verzögerung an“, so Küster weiter.

Dadurch entstehe aus Sicht des ACV zunehmend der Eindruck, dass „ein generell höheres Preisniveau als neue Normalität erprobt wird“. Viele Menschen bezahlten diese Preise jedoch nicht, weil sie sie akzeptieren, sondern weil sie im Alltag auf ihr Auto angewiesen seien. „Das darf kein Freibrief sein, ein aus unserer Sicht überhöhtes Preisniveau dauerhaft zu verfestigen“, so Küster. Deshalb sei es richtig und notwendig, die Preisbildung insbesondere auf der Raffinerie- und Großhandelsstufe genau zu untersuchen.

Die Niedrigwasserproblematik im Rhein verschärft dabei die Lage am Benzinmarkt. Ab Mitte Juli seien die Beschaffungskosten vor allem im Westen beziehungsweise in der Kölner Bucht stark angestiegen, erklärte das Kartellamt. „Durch das Niedrigwasser des Rheins sind die Frachtraten stark gestiegen.“ Der Transport sei an mehreren Stellen deutlich eingeschränkt - so habe die Engstelle Kaub Ende Juli „wegen der stark gefallenen Pegel vielfach vom Nieder- zum Oberrhein nicht mehr oder nur mit deutlich geringerer Ladung befahren werden“ können.

Gewinne der Ölmultis steigen deutlich

Bei den Ölkonzernen sprudeln entsprechend die Ergebnisse. Der Gewinn des britischen Mineralölkonzerns BP stieg im zweiten Quartal um mehr als das Doppelte, der saudi-arabische Ölriese Aramco steigerte seinen Gewinn um 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. In den vergangenen Tagen hatten bereits Shell sowie ExxonMobil und Chevron in den USA hohe Profite gemeldet.

BP teilte am Dienstag mit, der Gewinn sei auf 3,9 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) gestiegen, der Umsatz um 47 Prozent auf 70,1 Milliarden Dollar. Die Ergebnisse von April bis Juni spiegelten die höheren Verkaufspreise für Öl und Gas wider. Grund seien aber auch „verbesserte Raffineriemargen und eine bessere Leistung im Kundengeschäft“.

Aramco, eines der wertvollsten Unternehmen der Welt, teilte mit, der Gewinn sei im zweiten Quartal auf 122,6 Milliarden Riyal (32,7 Milliarden Dollar) gestiegen. „Trotz der beispiellosen Versorgungsstörungen über die Straße von Hormus haben wir erneut unter Beweis gestellt, dass wir in der Lage sind, die Kontinuität unserer Geschäftstätigkeit zu gewährleisten“, erklärte Aramco-Chef Amin Nasser. Aramco lieferte täglich Millionen Liter Rohöl über die Ost-West-Pipeline. Sie verbindet die Anlagen des Unternehmens am Persischen Golf mit den Exportterminals am Roten Meer.

Mehrere Ölkonzerne haben bereits hohe Gewinne im zweiten Quartal von April bis Juni gemeldet. Shell verdreifachte seinen Gewinn auf 10,8 Milliarden Dollar (rund 9,4 Milliarden Euro) im zweiten Quartal, wie das Unternehmen am Donnerstag bekanntgab. Am Freitag veröffentlichten die US-Konzerne ExxonMobil und Chevron ihre Quartalszahlen – ExxonMobil konnte den Gewinn auf 14,5 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln, Chevron verfünffachte den Gewinn auf 12,1 Milliarden Dollar.

US-Präsident Donald Trump sagte am Montag, die Ölkonzerne machten „zuviel Geld“. Das gefalle ihm nicht. In den USA sind die Spritpreise seit Beginn des Iran-Kriegs um mehr als 37 Prozent gestiegen – für Trump und seine Republikaner ein Problem vor den Kongresswahlen im November. (mit dpa)