Die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit hat ihr Jahresprogramm vorgestellt.
Christlich-Jüdische ZusammenarbeitKölnische Gesellschaft verstärkt Bildungsarbeit gegen Antisemitismus

Marcus Meier (l.) und Jürgen Wilhelm beim Jahrespressegespräch der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
Copyright: Alexander Schwaiger
Die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit stärkt ihr Bildungsangebot, um dem zunehmenden Antisemitismus in Deutschland zu begegnen. „Unsere Arbeit gestaltet sich in einem total veränderten und gewaltbereiteren Umfeld, und wir müssen darauf reagieren“ sagte Jürgen Wilhelm bei der Vorstellung des Jahresprogramms. „Unsere Arbeit ist schwieriger geworden, aber auch wichtiger.“ Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel und dem Beginn des Krieges im Gazastreifen sei der Antisemitismus hierzulande enorm gewachsen. Längst sei er „in der Mitte der Gesellschaft angekommen“ und „deutlich breiter aufgestellt“ als früher. In Deutschland lebende Juden und Jüdinnen würde „in Sippenhaft“ genommen für die Politik der israelischen Regierung, unabhängig davon, wie sie zu ihr stünden.
Zu den Auswüchsen gehöre, Konzerte mit jüdischen Musikern und andere Veranstaltungen zu stören oder gar „mit Hinweis auf Sicherheitsbedenken“ abzusagen. Zu schweigen von den Anfeindungen, mit denen etwa jüdische Schüler und Schülerinnen im Alltag rechnen müssten. „Ohne Wenn und Aber stellen wir uns schützend vor unsere jüdischen Freunde in der Region“, sagte Wilhelm.
Gesellschaft bietet Material für die Oberstufe an
Er erneuerte die Forderung der Gesellschaft, den aktuellen Antisemitismus als Thema in die Lehrpläne für die Sekundarstufe II aufzunehmen. Bisher hänge es vom individuellen Engagement der Lehrer und Lehrerinnen ab, ob das Thema behandelt werde. Allzu oft komme es überhaupt nicht vor. Die Gesellschaft hat bereits entsprechendes pädagogisches Material für die Oberstufe herausgegeben. Nun hat sie die Handreichung „Refl:act for Kids. Methoden für eine rassismus- und antisemitismuskritische Bildung“ publiziert, die praxisnahe Ansätze für die Arbeit mit Neun- bis 13-Jährigen zur Verfügung stellt. Primär an Lehrkräfte richtet sich das kürzlich erschienene Konzeptpapier „Politische Bildung zum israelbezogenen Antisemitismus und zum „Nahostkonflikt“ nach dem 7. Oktober 2023“. Demnächst erscheint eine Publikation zum „Shoah-Gedenken zwischen Schuldabwehr und anderen Herausforderungen“.
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Mittlerweile beschäftigt die Gesellschaft, die laut Wilhelm die „mit Abstand größte“ ihrer Art in der Bundesrepublik ist, elf Mitarbeiter, die in verschiedenen Projekten der Bildungsarbeit tätig sind. „Aktuell bekommen wir sehr viele Nachfragen von unterschiedlichen Organisationen und Institutionen zur Durchführung von Fortbildungen“, so Geschäftsführer Marcus Meier. Ende 2025 lief das Projekt „Unter Druck? Medien und Antisemitismus im NS-Staat und heute“ aus. Unter anderem wurde ein Workshop-Format für die journalistische Ausbildung entwickelt, und es entstand eine Wanderausstellung, die bei einer Fachtagung im vorigen September im Neven DuMont Haus zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde und weiterhin ausgeliehen werden kann.
Auftaktveranstaltung im Gürzenich
Das wichtigste Ereignis im Kalenderjahr des Deutschen Koordinierungsrats der Christlich-Jüdischen Gesellschaften ist die Auftaktveranstaltung des „Jahres der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit 2026 – 5786/5787“. Sie findet am 8. März im Gürzenich statt und bildet den Rahmen für die Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an den Schweizer Jesuiten und Judaisten Christian Rutishauser. Zum Auftaktprogramm gehören unter anderem eine Führung zu antisemitischen Artefakten im Dom und ein Vortrag von Rutishauser. Am 16. März, 19 Uhr, liest Sarah Levy im Haus der Evangelischen Kirche, Kartäusergasse 9-11, aus ihrem Buch „Kein anderes Land – Aufzeichnungen aus Israel“. Darin beschreibt die in Deutschland aufgewachsene Journalistin, wie sie sei ihrer Auswanderung im Jahr 2019 die Spaltung der israelischen Gesellschaft durch die rechtsnationale Regierung erlebt hat.
Als sie nach dem Terrorangriff der Hamas mit Partner und Kind in ihre Heimatstadt Frankfurt floh, musste sie erkennen, dass Deutschland nicht mehr ihr Zuhause war, und kehrte zurück nach Israel.


