In Rodenkirchen liegt der älteste Campingplatz Deutschlands. Seit 95 Jahren genießen Gäste aus aller Welt bei Familie Berger die Premium-Lage am Rhein.
Seit 95 JahrenCamping Berger bringt Urlaubsgefühle an die Rodenkirchener Riviera

Die Kölner Roswitha und Wolfgang Dahms haben seit 25 Jahren diesen Platz in der ersten Reihe und haben den ganzen April über nur zwei- oder dreimal in ihrem zu Hause in Dellbrück übernachtet.
Copyright: Susanne Hengesbach
Verkehrslärm ist das, was den stressgeplagten Großstädter häufig um den Schlaf bringt. Nicht so am Rheinkilometer 681. Dort stehen am ersten Maiwochenende zwar mehr Fahrzeuge, als stadteinwärts bei Stau auf der Zoobrücke, aber die Halter sind tiefenentspannt. Manche behaupten sogar, das monotone Brummen vorbeifahrender Schiffe wirke beruhigender als Baldrian.
Dass Menschen seit bald hundert Jahren an die „Kölsche Riviera“ kommen und teilweise von Anfang April bis Ende Oktober fast jedes Wochenende in Wohnwagen oder Wohnmobil verbringen, liegt nicht allein an der einzigartigen Sicht auf den Strom oder der Tatsache, dass man dort kilometerweit über Sandstrand laufen kann. Die Attraktivität von Deutschlands ältestem Campingplatz hat entscheidend auch damit zu tun, dass die Familie Berger seit jeher viel tut, damit sich die Gäste wohlfühlen.

Deutschlands ältester Campingplatz wurde vor 95 Jahren von Jakob Berger gegründet.
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Während anderswo mitunter die Zeit stehengeblieben scheint und die sanitären Einrichtungen wie von Anno dazumal erscheinen, wirkt bei Bergers nichts angestaubt und spießig. „Die machen immer was“, betont ein Kölner Ehepaar, das seit 25 Jahren hier im Kölner Süden sein zweites Zuhause hat. Wie viele andere junge Eltern sahen Roswitha und Wolfgang Dahms seinerzeit zunächst die Vorteile des Platzes samt der Spielmöglichkeiten für den damals noch kleinen Sohn. Erst später wurde ihnen bewusst, dass sie mit dem Stellplatz in der ersten Reihe praktisch ein Sahneschnittchen ergattert hatten.
Auffahrunfälle von Radlern, die auf den Rhein starren, passieren regelmäßig in Sichtweite des Campingplatzes
Inzwischen sind beide Rentner und haben „seit dem ersten April nur zwei- oder dreimal zuhause“, also in Dellbrück geschlafen“. Sie sitzen tagsüber stundenlang vor – und bei Wind – in ihrem Vorzelt und schauen hinunter zum Rhein, an dem man sich offenbar niemals sattsehen kann. „Jede Minute passiert etwas anderes.“ Und damit meinen sie nicht das Aufsehenerregende, was sie natürlich auch schon erlebt haben: Im Strom treibende Container, Extremhochwasser, spektakuläre Sonnenuntergänge oder die im Sommer nicht seltenen Auffahrunfälle direkt vor ihren Augen, weil Radfahrer beim Blick auf den Rhein regelmäßig auf den Vordermann krachen. Dann sind die Dahms mit Pflastern und Eiswürfeln zur Stelle.

Camping-Premiere an der Kölschen Riviera feiert diese Familie aus Eschweiler.
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Auf der Parzelle nebenan sitzt eine Familie aus Eschweiler auf Camping-Mobilar und blickt versonnen aufs Wasser. Die Familie – vier Erwachsene, zwei Kinder, zwei Hunde – war zuletzt vor mehr als dreißig Jahren auf einem Campingplatz und will bei seinem ersten Aufenthalt bei Bergers überprüfen, „ob wir das überhaupt noch können und ob das noch unsere Lebensart ist“. Die Gesichter spiegeln ein eindeutiges Ja.

Blick auf den Sonnenuntergang am Rheinufer direkt unterhalb des Campingplatzes
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„Ungeduscht zum Frühstück kommen zu können“, nachdem man sich im Laden hinter der Rezeption mit frischen Brötchen eingedeckt hat, ist für Claudia bereits Pluspunkt genug. „Und es hat ja auch einen Kuschelfaktor, im Wohnwagen zu übernachten.“ Bevor es soweit ist, zieht eines dieser Party-Schiffe vorüber und macht deutlich, weshalb man auf dem Platz eigentlich keinen Fernseher braucht. Bild und Ton liefert der Fluss. In ein paar Stunden werden wieder zahlreiche Handys auf die Südbrücke gerichtet sein, während die untergehende Sonne den Horizont orangerot färbt und von hinten ein kugelrunder Mond durch die Baumkronen spinkst.
Gäste pilgern mit ihren Kulturbeuteln zum Waschraum
Dann liegt ein paar Stunden Stille über dem Platz, bis am Morgen gegen halb acht der Fußverkehr in zwei Richtungen einsetzt: Die einen folgen dem Hund an der Leine Richtung Rhein, die anderen pilgern mit Duschtuch und Kulturbeutel bepackt zu den Waschräumen. Danach werden so langsam die ersten Wachstuchtischdecken mit Kaffeebechern und Nutella-Gläsern beschwert.

Die dritte und vierte Generation: Bernhard Berger (r.) und seine Frau Susanne betreiben den Platz seit 1992, inzwischen übernehmen Sohn Benedikt (l.) und dessen Frau Geza aber immer mehr Aufgaben.
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Das war schon immer so. Geändert im Sinne von verringert hat sich im Laufe der Zeit die Zahl der Dauercamper und die Art der Reisemobile. Moderne Camper verdrängen zunehmend den klassischen Wohnwagen. Um auf dem Platz und vor allem in der Umgebung mobil zu sein, nutze heute fast jeder das E-Bike, das in kaum einem Wohnmobil fehle, erklärt Bernhard Berger.
Jakob Berger gründete den Campingplatz vor 95 Jahren
Der 60-Jährige verkörpert die dritte Betreiber-Generation. Sein Großvater Jakob gründete den Platz vor 95 Jahren, ihm folgte Sohn Herbert. Bernhard Berger und seine Frau Susanne sind seit 1992 am Ruder, doch allmählich übernehmen Sohn Benedikt und dessen Frau Geza immer mehr Aufgaben, obwohl der offizielle Stabwechsel noch bevorsteht. Geza Berger ist auf Mallorca aufgewachsen und hat allein deshalb eine Affinität zu „Sonnenschein und guter Laune“. Sieben Monate im Jahr praktisch rund um die Uhr für die Gäste zur Verfügung zu stehen, sei manchmal durchaus anstrengend. „Aber was gibt es Schöneres, als direkt am Wasser zu wohnen?“
Im Sommer kommen Gäste aus aller Welt nach Köln-Rodenkirchen
Benedikt Berger freut sich darüber, dass der jetzt anderthalbjährige Sohn Luis nicht das Stigma erleben wird, das er aus seiner Kindheit kennt. „Ich war in der Schule der Campingplatz-Asi“, erzählt der 31-Jährige. Das Dasein im Wohnwagen hatten noch ein negatives Image. Das ist Schnee von gestern. Im Gegensatz zu anderen Kölner Betrieben haben Bergers, die neben dem Campingplatz ja noch ein Hotel, ein Restaurant und den Biergarten führen, keine Personalprobleme. Nach Worten von Bernhard Berger gehören derzeit 30 Festangestellte zum Betrieb.
Am langen ersten Maiwochenende ist in Rodenkirchen auch der letzte der insgesamt 300 Plätze belegt. Was noch fehlt, sind die internationalen Touristen; etwa aus Japan, Südamerika, Kanada und Nordeuropa, die im Sommer regelmäßig zu Gast sind. Aber man erkennt bereits das, was die Betreiber selber so lieben: Die bunte Mischung. „Zu uns kommen Leute, die im teuersten Hotel der Stadt übernachten könnten“, sagt Bernhard Berger. „Aber hier steht das Super-Wohnmobil neben dem Fahrradfahrer mit Zelt.“ Das wird am letzten Maiwochenende definitiv auch so sein. Denn dann wird groß und mit viel Programm das 95. Bestehen von Deutschlands ältestem Campingplatz gefeiert.
