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LesermeinungenJens Spahn: „An Arroganz kaum zu überbieten“

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Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke stehen vor einer mit Blumen geschmückten Hauswand und lächeln in die Kamera. Beide tragen blaue Anzugjacken.

Jens Spahn (r.) und sein Ehemann Daniel Funke haben mithilfe einer Leihmutter einen Sohn bekommen. 

Leser werfen Jens Spahn Doppelmoral bezüglich Leihmutterschaft vor und fordern Konsequenzen zugunsten der Glaubwürdigkeit der CDU.

Jens Spahn: Glaubwürdigkeit verloren

Dass Jens Spahn, wie er erklärt, „grundsätzlich keine politischen Forderungen aus seinem Privatleben ableitet“, ist nicht zu beanstanden. Von einem gewählten Volksvertreter darf man aber erwarten, dass er aus seiner politischen Arbeit Konsequenzen für sein Privatleben ableitet. Wer den Menschen, die er im Parlament vertritt, Wasser predigt, aber selbst ohne jede Scham Wein trinkt, hat jede Glaubwürdigkeit verloren.

Ein Heuchler als Vorsitzender der größten Fraktion im Deutschen Bundestag stellt die Würde und verfassungsmäßige Bedeutung unseres obersten Staatsorgans infrage. Dessen sollte sich die Union bewusst werden und entsprechende Konsequenzen für ihr politisches (Über)Leben ableiten. Christian Schultze Wesseling

Spahn sollte sich für die Legalisierung von Leihmutterschaft einsetzen

Man kann Jens Spahn und seinem Mann zur Vaterschaft nur gratulieren. Es zählt zu den größten Glücksmomenten im Leben von Paaren, wenn sie Kinder bekommen und diese zu lebenstüchtigen Menschen erziehen können. Dieses Glück darf man nicht nur heterosexuellen Paaren zugestehen, sondern es muss auch homosexuellen Paaren gegönnt werden. Neben einer Adoption ist es aber für schwule Paare nur möglich, durch eine Eizellspende und Leihmutterschaft Väter zu werden, während lesbische Paare nur durch eine Samenspende Mütter werden können.

Es ist juristisch und moralisch nicht gerechtfertigt, diese notwendigen Maßnahmen zu verurteilen und damit homosexuellen Paaren das Glück einer Elternschaft zu verwehren. Zudem werden die Frauen freiwillig zu Leihmüttern und für ihren Einsatz großzügig entlohnt. Die Gegenargumente der üblichen konservativen Bedenkenträger sind wenig aussagekräftig und nicht überzeugend, zumal sie oft nicht an das Wohl der Kinder denken. Für diese Kinder ist es nicht von Bedeutung, wie sie gezeugt wurden, sondern dass sie in einer liebevollen Umgebung aufwachsen.

Es bleibt zu hoffen, dass Herr Spahn seine frühere Meinung ändert, den Vorwurf der Doppelmoral entkräftet und sich in Zukunft für eine Legalisierung der Leihmutterschaft auch in Deutschland einsetzt. Prof. Claus Werning Frechen

Spahn: Über CDU-Position zur  Leihmutterschaft hinweggesetzt

Die zu erwartende psychische Beschädigung sowohl der Leihmutter als auch des Kindes mit entsprechenden Spätfolgen wird dem persönlichen Glücksanspruch der Herren Spahn und Funke untergeordnet. Dass Herr Spahn darüber hinaus als leitender CDU-Politiker deutsches Rechtsgut zugunsten seiner Glückserwartung missachtet, ist ebenso bemerkenswert wie die fehlende Einbeziehung der Adoption eines bedürftigen Kindes als Alternative. Dr. Rüdiger Glase Reichshof Eckenhagen

Affäre um Leihmutterschaft: „Es reicht, Herr Spahn!“

Wenn man seiner Partei und seinem Chef das Leben schwer machen will, macht man es genauso wie Jens Spahn! Wie abgehoben und unverschämt muss man sein, sein Ego so auszuleben? Wir werden sicherlich noch hören, es sei „seine Privatangelegenheit“. Auch wenn er sich juristisch nicht schuldig gemacht hat, heißt das nicht, dass er in seiner exponierten Funktion machen kann, was er will. Wie dumm muss man sein, genau dies zu glauben? Schließlich hat er als CDU-Fraktionschef auch eine Vorbildfunktion!

Ob Herr Spahn schon einmal von Politikerverdrossenheit gehört hat? Politisch etwas verhindern, um es privat zu tun – da ist die Glaubwürdigkeit ein für allemal weg. Nach dem Versenken von Milliarden Euro für Masken in der Coronazeit, Kumpelgeschäften im Zusammenhang mit seiner Berliner Villa und der jetzigen Überführung von praktizierter Doppelmoral bleibt nur noch sein Rücktritt. Es reicht, Herr Spahn! Gerd Olbertz Kerpen

Spahn und Leihmutterschaft: An Arroganz kaum zu überbieten

„Quod licet Iovi, non licet bovi“ – „Was Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt.“ Dieses lateinische Sprichwort hat Herr Spahn wohl im Hinterkopf. Gesetze gelten halt nicht für jeden. Das ist an Arroganz kaum zu überbieten. Roland Kierspel Köln

Spahn und Leihmutterschaft: Eine Frage politischen Anstands

Die Spahn-Affäre um Leihmutterschaft ist für mich eine Frage des politischen Anstands. Die Partei mit dem großen „C“ kann sich diese Verlogenheit nicht leisten. Wo bleibt der sonst mit so viel Vehemenz vorgetragene moralische Anspruch? Eine Partei, die sich mit Recht gegen die Vetternwirtschaft in der AfD positioniert und sich von dieser Partei distanzieren will, disqualifiziert sich mit diesem Vorgang selbst.

Deutschland kann sich so eine Doppelmoral und Heuchelei nicht leisten! Reißen hier jetzt auch Zustände ein, wie sie derzeit in den USA zu beobachten sind? Hebt die politische „Elite“ vollkommen ab? Für viele Bürger ist die CDU sowieso nur noch bedingt wählbar, oder sie haben sie nur gewählt, um Schlimmeres zu vermeiden. Die CDU darf sich nicht wundern, wenn es mit ihr weiter bergab geht, wenn sie sich nicht von Jens Spahn trennt. Solche Handlungsweisen sind Brandbeschleuniger für die Politikverdrossenheit und Öl auf das Feuer der Extremisten! Wolfgang Tries Köln

Spahn und Leihmutterschaft: Beitrag zur Politikverdrossenheit

Den glücklichen Eltern Spahn und Funke ist zunächst einmal zu ihrem Babyglück zu gratulieren. Beide werden die Reaktionen der Öffentlichkeit vorab bereits durchdekliniert und schließlich das Glück der Dreisamkeit höher eingeschätzt haben. Alte Lateiner würden in Anlehnung an Jupiter sagen: „Quod licet Iovi, non licet bovi!“ Frei übersetzt: „Was den Göttern erlaubt ist, ist den Ochsen noch lange nicht erlaubt.“

Wenngleich Alt-Bundeskanzler Adenauer in der Sache vermutlich nicht folgen würde, so hatte er für seine Meinungswechsel oftmals die Aussage parat: „Was stört mich mein Geschwätz von gestern?“ So nun auch Herr Spahn?

Bei aller Glückseligkeit ist allerdings einzuräumen, dass diese Sache durchaus das Zeug dazu hat, einen Beitrag zur Politikverdrossenheit, eher noch zur Verdrossenheit über die politisch Handelnden, zu leisten. Umfragen und Wahlergebnisse werden es vielleicht belegen. Aber auch dies werden die glücklichen Eltern bedacht haben. Rainer Häusler Leverkusen