Die Stadt Köln lässt prüfen, ob eine Autospur zugunsten des Radverkehrs entfallen kann. Die Entscheidung fiel nach einer politischen Debatte.
Kölner Hauptverkehrsachse270.000 Euro für Prüfung einer Radspur auf der Luxemburger Straße

Auf der Luxemburger Straße zwischen Barbarossaplatz und Militärringstraße gilt Tempo 30.
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Die Stadt Köln lässt für 270.000 Euro prüfen, ob auf der Luxemburger Straße eine Autospur zugunsten eines Radfahrstreifens entfallen kann. Anlass sind überschrittene Lärmgrenzwerte entlang der Hauptverkehrsachse. Tempo 30 gilt dort bereits, das reicht nach Einschätzung der Verwaltung aber nicht aus. Der Mobilitätsausschuss des Stadtrats hat am Dienstagnachmittag das Geld dafür freigegeben. Der Entscheidung war ein Richtungsstreit im Rathaus vorausgegangen.
CDU und FDP/KSG scheitern mit Anträgen
Grüne, Linke und Volt hatten sich bereits vorab für die Verkehrssimulation ausgesprochen, CDU und FDP/KSG dagegen. Die SPD hatte zunächst offengelassen, wie sie abstimmen würde. Am Dienstag stellte sich die Fraktion schließlich hinter die Untersuchung. „Die Beauftragung dieser Mikrosimulation ist in der Abwägung zu den horrenden, mindestens siebenstelligen Investitionen in mögliche Lärmschutz-Alternativen jetzt nur konsequent“, sagt Lukas Lorenz, verkehrspolitischer Sprecher. Die SPD erwarte jetzt eine ergebnisoffene Untersuchung, die eine Abwägung zwischen den Interessen der Anwohner und dem Bedarf des Durchgangsverkehr ermöglicht.
Die CDU scheiterte mit einem Änderungsantrag. Sie wollte auf der Luxemburger Straße stattdessen Flüsterasphalt einbauen lassen und auf die Verkehrssimulation – und damit auch auf die Prüfung des Radfahrstreifens – verzichten. Die FDP/KSG-Fraktion kam mit ihrem Antrag, die Verkehrsuntersuchung stattdessen zu nutzen, um den Lärm der Stadtbahnlinie 18 zu reduzieren, ebenfalls nicht durch.
Politisch bleibt die Idee heikel, die Luxemburger Straße auf eine Autospur je Richtung zu reduzieren: Es handelt sich um eine Bundesstraße und eine der wichtigsten Ein- und Ausfallstraßen Kölns. Zudem gehört sie zum städtischen Grundnetz für den Autoverkehr, das das Mobilitätsdezernat auf Wunsch des Stadtrats erstellt hatte. Auf diesen Routen sollen Auto- und Wirtschaftsverkehr priorisiert werden. Außerhalb des Grundnetzes will die Stadt dagegen den Fuß- und Radverkehr stärken, heißt es auf ihrer Internetseite.
Geplanter Tunnel am Militärring
Hinzu kommt, dass der Landesbetrieb Straßen NRW an der Kreuzung Luxemburger Straße/Militärring einen seit 25 Jahren geplanten Tunnel für die Stadtbahn bauen will. Dadurch soll die stauanfällige Kreuzung entlastet werden. Sollte die Luxemburger Straße in Richtung Innenstadt hinter der Kreuzung nur noch einspurig für Autos befahrbar sein, könnte dort jedoch ein neuer Engpass entstehen.
Bereits im August 2025 hatte die Stadt die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Luxemburger Straße von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde reduziert. Nach Einschätzung der Verwaltung reicht das jedoch nicht aus, um die Lärmgrenzwerte einzuhalten. Die Stadtbahnlinie 18 ist auf dem Abschnitt weiterhin mit bis zu 50 Kilometern pro Stunde unterwegs.
Roman Suthold, Leiter Verkehr und Umwelt beim ADAC Nordrhein, kritisiert, dass die Lärmbelastung durch die Stadtbahnen der Linie 18 stärker berücksichtigt werden müsse. Es brauche auch dort Maßnahmen zur Lärmminderung, statt das Problem allein dem Autoverkehr zuzuschreiben. Eine Reduzierung der Stadtbahngeschwindigkeit war politisch bislang jedoch nicht gewollt: Die Priorisierung und Pünktlichkeit der Bahnen seien „zwingend zu gewährleisten“, entschied der Verkehrsausschuss im Mai 2025.
Dominik Kerl, Sprecher der IG Lebenswerte Lux, begrüßt die beschlossene Verkehrsuntersuchung als Grundlage für weitere Maßnahmen für eine „leisere und sicherere Lux“. Ein Radfahrstreifen nach dem Vorbild der Kölner Ringe sei aus Gründen des Lärmschutzes und der Verkehrssicherheit „dringend nötig“, zudem müsse die Untersuchung schnell vergeben werden.
Kein Schallschutzfensterprogramm
Die Stadt Köln setzt bislang nicht auf lärmmindernden Asphalt oder ein Schallschutzfensterprogramm, wie es etwa die Stadt Düsseldorf fördert. Seit dem Jahr 2004 hat die Landeshauptstadt ein Schallschutzfensterprogramm für besonders lärmbelastete Straßenabschnitte aufgelegt. Die Stadt Köln verweist hingegen darauf, dass solche Maßnahmen mit langen Planungsvorläufen und hohen Kosten verbunden seien. Die Überlegung des Mobilitätsdezernats: Wenn eine Autospur entfällt, könnte der Kfz-Verkehr auf der Luxemburger Straße sinken, langsamer fließen oder sich auf andere Straßen verteilen.
Dass die Verkehrssimulation 270.000 Euro kosten soll (20.000 Euro davon entfallen auf eine aktuelle Verkehrszählung), hängt mit der Komplexität zusammen. Der Verkehrswissenschaftler Markus Friedrich von der Universität Stuttgart hält die Summe angesichts dessen grundsätzlich für erklärbar. Für eine solche Untersuchung müssten unter anderem aktuelle Verkehrsdaten erhoben, Ampelschaltungen angepasst, ein verkehrstechnischer Entwurf erstellt und mögliche Folgen für Fahrzeiten, Routenwahl und den Umstieg auf andere Verkehrsmittel simuliert werden.
Ein externes Ingenieurbüro soll nun mithilfe einer Mikrosimulation berechnen, wie sich der Wegfall einer Autospur auf Staus, Ausweichverkehre, Reisezeiten und Lärmbelastung auswirken würde. Die Ergebnisse werden Ende 2027 erwartet.
