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Lesermeinungen zur Luxemburger„Finger weg von Kölns Einfall- und Ausfallstraßen!“

13 min
Das Foto zeigt die Luxemburger Straße auf Höhe der Eisenbahnbrücke Köln Süd. Die Straße wird genutzt von Straßenbahnen, Autos, Radfahrern und Fußgängern.

Straßenbahn, Autos, Radfahrer und Fußgänger auf der Luxemburger Straße 

Würde der Wegfall einer Auto- zugunsten einer Radspur auf der Luxemburger Straße Lärm mindern, zu mehr Verkehrschaos oder zu mehr Lebensqualität in der Stadt führen? 

Köln: „Glaubwürdige Mobilitätswende braucht Augenmaß“

Verkehrsdezernent Ascan Egerer macht aus seinen Zielen keinen Hehl: weniger Autoverkehr, mehr autoarme und autofreie Straßen, Vorrang für ÖPNV, Rad- und Fußverkehr. Das ist legitim und folgt einem politischen Auftrag – doch in der praktischen Umsetzung entsteht bei vielen Bürgerinnen und Bürgern der Eindruck, dass ideologische Symbolpolitik Vorrang vor dem hat, was diese Stadt eigentlich dringend bräuchte: eine funktionierende Infrastruktur.

Während über autofreie Straßen diskutiert wird und teure Gutachten in Auftrag gegeben werden, verrottet die vorhandene Substanz vor unseren Augen. Die Mülheimer Brücke ist seit 2018 eine Dauerbaustelle, ursprünglich für 2022 geplant, nun vielleicht erst 2026/27 fertig – bei Kosten, die sich von 160 auf über 300 Millionen Euro nahezu verdoppelt haben. Zoobrücke und Severinsbrücke warten auf ihre Sanierung, weil die Kapazitäten für mehrere Großprojekte gleichzeitig fehlen.

Während über autofreie Straßen diskutiert wird und teure Gutachten in Auftrag gegeben werden, verrottet die vorhandene Substanz vor unseren Augen
Kurt Schümmelfeder

Dazu kommen ständig neue Straßenbaustellen im gesamten Stadtgebiet, weil Fahrbahnen jahrzehntelang nicht ausreichend instandgehalten wurden. Wer als Autofahrer, Handwerker oder Pendler durch Köln fährt, erlebt eine Stadt im Dauerprovisorium: Umleitungen, Einbahnstraßen, halbe Fahrbahnen. Statt zuerst die bestehende Infrastruktur in einen verlässlichen Zustand zu bringen, wird zusätzlich Kapazität durch autofreie Zonen entzogen.

Das mag stadtplanerisch gewollt sein – es fühlt sich für viele Kölnerinnen und Kölner aber wie doppelte Bestrafung an: erst der marode Zustand, dann die bewusste Verknappung. Eine glaubwürdige Mobilitätswende braucht Augenmaß und den Mut, unterschiedliche Lebensrealitäten mitzudenken. Sie beginnt mit einer Stadt, die funktioniert – nicht mit einer, die gleichzeitig zerfällt und sich neu erfinden möchte. Kurt Schümmelfeder Köln

Verkehrssimulation auf der Lux: Verschwendung von Steuergeldern

Zu der Frage, ob die Luxemburger Straße aus Lärmschutzgründen einspurig werden soll, kann ich kostenlos folgende sachverständige Aussage machen: Falls der Entfall einer Fahrspur zur Halbierung des Verkehrs führen würde, ergäbe das eine Lärmpegelreduktion von 3 dB(A). Wahrscheinlich wird sich der Verkehr aber – mangels funktionierender ÖPNV-Alternativen – teils auf die eine Spur konzentrieren und teils anderswo zur Lärmpegelerhöhung führen, inklusive Staus und Hupkonzerten. Die Lärmpegelreduktion wird also weniger als 3 dB(A) betragen.

Aus langjähriger Berufserfahrung weiß ich, dass man mit Simulationsrechnungen eine Nachkommastelle für eine Frage präzisieren kann, deren Antwort man links vom Komma – mit etwas Sachverstand – ohnehin schon kennt. Das Gutachten mag also klären, ob es sich bei verschiedenen Varianten um 2,5 oder 1,9 dB(A) Minderung handeln würde – das sind kaum wahrnehmbare Unterschiede. Außerdem gibt es für die Luxemburger Straße keine gesetzlich einzuhaltenden Lärmpegelwerte. Ich vermute, dass es dort vor 40 Jahren lauter gewesen ist als heute. 

Das Motiv für einen solchen Auftrag wäre ein offensichtlicher Unwille, Entscheidungsverantwortung zu übernehmen; da hat Gerald Selch völlig recht. Entscheidungsträger in öffentlichen Ämtern wissen offenbar zunehmend nicht mehr, was es bedeutet, Entscheidungen zu treffen. An anderen Stellen, etwa bei der Opern-Sanierung, wurden umgekehrt Entscheidungen zu oft getroffen, weil das kurzfristig opportun erschien – ohne die langfristigen Folgen ausreichend zu bedenken. An öffentlichen Stellen besteht häufig ein erschreckendes Ausmaß an Versuchen, Verantwortlichkeit anderswo abzuladen. Das ist nicht einmal mehr Dienst nach Vorschrift, sondern Dienstverweigerung und Verschwendung von Steuergeldern. Christian Fischer Köln

Kölner Finanzen: Sparen statt Kosten für Verkehrssimulation

Trotz leerer Kassen der Stadt Köln steht Sparen wohl nicht auf ihrem Programm. Die Prioritäten für Ausgaben müssen dringend geändert werden. Nur wirklich Notwendiges kann noch bezahlt werden. Das Gutachten für eine Verkehrssimulation an der Luxemburger Straße zählt mit Sicherheit nicht dazu. Man nehme rot-weiße Barken – davon gibt es ausreichend in Köln –, sperre die Spur ab, und die Herrschaften, die sich die Auswirkungen nicht vorstellen können, setzen sich ein paar Wochen mit dem Klappstuhl an die Straße und haben ein erkenntnisreiches Liveerlebnis – besser als jede Simulation es könnte.

Die Haushaltsüberwachung braucht dringend einen „NEIN/ABGELEHNT“-Stempel, sonst sieht es bei dieser Geldverschwendung bald finster aus. Cornelia Zietz Köln

Luxemburger Straße: Fahrradspur jetzt und ohne Gutachten einrichten

Man stelle sich vor, die Stadt hätte entschieden, dass auf der Luxemburger Straße eine Spur dem Autoverkehr entzogen und zur Fahrradspur wird, um den Lärmschutz durchzusetzen. Mal abgesehen davon, dass auch anderes dafürspricht: weniger Abgase, weniger Abrieb von Mikroplastik, mehr Sicherheit und eine schnell umsetzbare Fast Lane für Fahrradfahrer in die Stadt.

Da wäre das Geschrei groß und alle unbewiesenen Behauptungen über den Kollaps des Verkehrs, den Zusammenbruch der Kölner Wirtschaft und den eigentlichen Willen der Kölner würden zusammengeworfen und zu einer zielgerichteten Kampagne gegen den Mobilitätsdezernenten, die Verkehrswende und die Radfahrer gebündelt.

Dem will Ascan Egerer wohl aus dem Wege gehen, um Gegnern jeder Änderung an der Priorisierung des Automobils und der autogerechten Stadt mit finalen Sachargumenten begegnen zu können. Diese erkennen die Falle und schießen sich jetzt auf die insgesamt 380.000 Euro Kosten ein, die die Gutachten für die Mülheimer Brücke und die Luxemburger Straße verschlingen werden.

Gerald Selch macht den richtigen Vorschlag: Entscheiden, statt weiter Daten zu sammeln. Städte in den Niederlanden und Skandinavien, ja sogar Paris haben es vorgemacht und liefern ausreichend Daten und Argumente. Und noch eins: Jeder Autofahrer, der weiterhin mit Tempo 50 bis 70 über die Luxemburger Straße brettert, weil Tempo 30 nur als allgemeine Empfehlung begriffen wird, ohne Rücksicht auf die Anwohner, ist ein gutes Argument, den Autoverkehr mit allen Mitteln herunterzubremsen! Klaus Brockerhoff Köln

Auf der Luxemburger Straße in Höhe von Universitäts- bis Sülzburgstraße wurde 2021 stadtauswärts ein geschützter Pop-up-Radweg eingerichtet.

Auf der Luxemburger Straße in Höhe von Universitäts- bis Sülzburgstraße wurde 2021 während der Kidical Mass ein geschützter Pop-up-Radweg eingerichtet.

Köln: Neues Verkehrsgutachten trotz leerer Kassen?

Wurde nicht gesagt, die Stadtkasse sei leer? Die Stadtverwaltung habe kein Geld? Woher kommt dann das Geld für ein lächerliches Verkehrsgutachten für die Luxemburger Straße? Und war die Luxemburger Straße nicht schon immer eine Hauptverkehrsstraße? Haben die Leute, die sich jetzt beschweren, das nicht gewusst, als sie dort hingezogen sind?

Es ist immer das gleiche Muster: Erst zieht man an die Hauptstraße oder in die Nähe des Flughafens und dann beklagt man sich über den Lärm. Jeder, der laut schreit und sich durch Straßenverkehr belästigt fühlt, stößt in Köln auf offene Ohren. Wenn ich mich über den Straßenbahnlärm beschwere, wird dann die Strecke geändert oder werden die Haltestellen verlegt? Es muss nur laut und oft genug geschrien werden, oder? Kordula Meixner Köln

Verkehr in Köln: Radspur auf der Berrenrather Straße wäre sinnvoll

Die Luxemburger Straße für Autos einspurig zu machen, würde eine massive Belastung für die eh schon überstrapazierte Berrenrather Straße bedeuten! Eine Fahrradspur auf der Berrenrather Straße einzurichten, wäre im Hinblick auf zwei anliegende Gymnasien und zwei Grundschulen deutlich sinnvoller. Hier fahren hunderte Schüler und Anwohner täglich unter gefährlichen Bedingungen.

Die Einhaltung der Tempo-30-Zone auf der Luxemburger Straße könnte über Ampelregelung und Blitzer erfolgen. Beim Thema Lärmschutz sollten Kontrollen auch die rücksichtslosen Motorradfahrer ins Visier nehmen. Bernadette Heuser Köln

Verkehrsgutachten für Luxemburger Straße: Verantwortung abschieben

Zu Recht wird kritisiert, dass die Stadt für eine Entscheidung über die Verkehrsführung auf der Luxemburger Straße ein Gutachten einholen will, das 270.000 Euro kosten soll. Mit diesem Ansinnen offenbart sich die Hilflosigkeit der gewählten Politiker, die Angst vor einer eigenen Entscheidung haben. Im Falle einer unglücklichen Entscheidung soll die Verantwortung auf die „Experten“ abgeschoben werden können. Es geht den Politikern also im Grunde nur um Wählerstimmen und nicht um das Wohl der Kommune. Gisbert Kamphoff Köln

Luxemburger Straße: „Radfahrer müssen irgendwo sicher fahren können“

Ein Gutachten für 270.000 Euro zur Beurteilung der Auswirkungen der Einspurigkeit der Luxemburger Straße spiegelt, wie Gerald Selch im Leitartikel schreibt, die Unfähigkeit der Politik zur Entscheidung wider. Dieses Phänomen lässt sich nicht nur in der Politik, sondern in allen Bereichen beobachten: Jeder Orthopäde lässt vor einer Diagnose erst einmal ein MRT machen; wenn in der Autowerkstatt das Diagnosegerät defekt ist, kann keiner feststellen, wo der Fehler liegt, und so weiter. Das zeigt nicht nur die Unfähigkeit zu Entscheidungen, sondern die Unfähigkeit zu eigener Urteilsfähigkeit – was viel schlimmer ist.

Schon heute ist die Luxemburger Straße de facto an vielen Stellen einspurig – weil Radfahrer auch irgendwo fahren müssen und die Autos auf die linke Spur ausweichen, wenn sie den ordnungsgemäßen 1,5-Meter-Abstand beim Überholen einhalten. Durch den ständigen Spurwechsel, von links nach rechts, bis zum nächsten Radfahrer, und dann wieder auf die linke Spur quetschen, wird der Verkehrsfluss bereits wesentlich mehr gestört als bei einem gleichmäßigen, wenn auch langsameren Verkehrsfluss. Und Fakt ist: Auch die Radfahrer müssen irgendwo sicher fahren können. Ein Umbau der alternativen Berrenrather Straße, 2016 beschlossen, wurde offensichtlich auf Eis gelegt. Dort soll jetzt nur die Fahrbahn geteert werden. Karin Jedner Köln

Radspur auf der Lux: „Finger weg von Kölns Einfall- und Ausfallstraßen!“

Der Verkehr in Köln steht kurz vor dem Kollaps. Auf den Autobahnen rund um Köln überall kaputte Abschnitte, die dringend renoviert werden müssen, was noch Jahre dauern wird. Und jetzt sollen Bundesstraßen wie die Luxemburger Straße noch künstlich verknappt werden, durch verbreiterte Radwege, wegen Lärmschutz. Ich bezweifle, ob durch den Wegfall einer Autofahrspur weniger Lärm durch den vorhandenen Verkehr erzielt wird. Der Hauptlärmverursacher ist die Straßenbahn, was wahrscheinlich auch jedem Anwohner klar ist. Aber in der grün-linken Szene in Köln ist es momentan en vogue, jede Möglichkeit zu nutzen, um mit dem erhobenen Zeigefinger auf den Autoverkehr zu zeigen.

Die Zahl der Autos auf der Luxemburger Straße wird nicht weniger werden, aber der Verkehr wird sich im Stop-and-go vorwärts quälen, wobei jedes Anfahren mehr Lärm verursacht als fließender Verkehr. Daher Finger weg von Kölns Einfall- und Ausfallstraßen! Fahrradfahrer haben genügend andere Möglichkeiten, über verkehrsberuhigte Nebenstraßen ihr Ziel zu erreichen. Im Übrigen sollte man auch an die Gewerbetreibenden in der Stadt denken. Jeder, der in der Innenstadt mal einen Handwerker benötigt, weiß hier eine Geschichte zu erzählen. Oliver Klein Bergisch Gladbach

Luxemburger Straße: Endlich Kölner Radverkehrskonzept umsetzen

Die Lärmgrenzwerte werden auch deshalb nach wie vor überschritten, weil sich niemand an das neue Tempolimit hält, da das Design der Straße nicht zu diesem passt. Daher muss die Straße verändert werden. Ein Weg, dies zu tun, bestünde darin, die Straße weitestgehend einspurig zu machen. Das teure Verkehrsgutachten braucht man nun genau deshalb, weil man eben nicht die gesamte Strecke einspurig machen kann. Vor Kreuzungen, die in der Stadt der kapazitätseinschränkende Faktor sind, müssen eben doch Abschnitte zweispurig verlaufen.

Wie groß diese Bereiche sein müssen, dürfte der größte Untersuchungspunkt des Verkehrsgutachtens sein. Da in diesen Bereichen die Parkmöglichkeiten an der Straße wegfallen werden, müssen sie natürlich klein gehalten werden. Weitere Parkplätze müssen außerdem zu Ladezonen umgestaltet werden, da schon heutzutage die Luxemburger Straße häufig im Effekt nur einspurig ist, da die rechte Spur zum Laden verwendet wird. Warum immer das beschlossene Grundnetz für den motorisierten Individualverkehr, aber nie das ebenfalls beschlossene Radverkehrskonzept betont wird, bleibt unklar. Letzteres sieht für die Luxemburger Straße eine Trennung von Auto- und Radverkehr vor, wie es auf verkehrsreichen Straßen üblich ist, da ansonsten die langsamen Radfahrer auf der rechten Spur die Luxemburger Straße praktisch einspurig machen. Und wenn wir dabei sind, wie man die Stadtbahn leiser machen könnte, fehlt mir eine in Köln bereits bewährte Technik: Rasengleis. Da bei Straßenbahnen wie bei Autos ab einem gewissen Tempo die Abrollgeräusche am lautesten sind, kann Rasen direkt neben den Gleisen genau diese dämpfen. Zwischen den Gleisen kann man etwas höher wachsende Büsche oder Ähnliches zur weiteren Schallminderung wachsen lassen. Neben weniger Lärm hat man so zusätzlich eine deutlich grünere Straße, was nicht nur schöner aussieht, sondern auch direkt zur Lebensqualität aller Anwohner beiträgt. Jan Garloff Köln

Blick auf die Luxemburger Straße Richtung Kölner Dom. Im Bild auch Landgericht und  Amtsgericht.

Die Luxemburger Straße ist eine der Hauptachsen für den Kölner Autoverkehr.

Radspur auf der Lux: Demnächst noch mehr Stau in Köln

Jetzt reicht es wirklich. So langsam finde ich das Mobilitätsdezernat nur noch schrecklich. Jetzt also die Luxemburger Straße. Ich muss jeden Tag von Köln-Höhenhaus nach Köln-Sülz zur Arbeit. Die Innere Kanalstraße wird auf Höhe der Universität einspurig, und das für einige Jahre. Die kann ich nicht mehr befahren, da ich dort zu viel Zeit im Stau stehe. Ich weiche auf die Luxemburger Straße aus. Das wird dann demnächst auch nicht mehr gehen, wegen Stau.

Man könnte jetzt sagen: „Nimm doch den öffentlichen Nahverkehr.“ Ja, wenn der denn immer fahren würde. Die Bahnen fallen aus oder kommen zu spät. Ich brauche mit dem Auto bisher circa eine halbe Stunde zur Arbeit, mit den Öffis eineinviertel Stunde. Herr Egerer will die Autofahrer langsam, aber sicher aus der Stadt raus haben. Vielleicht sollte er mal an die vielen alten Menschen denken. An die Handwerker und Auslieferungsfahrer. Was für ein Quatsch muss eigentlich noch kommen, dass man nur noch wegziehen möchte? Constanze Hilt Köln

Radspur auf der Lux: Weg zu einer modernen Stadtentwicklung

Der Kommentar von Tim Attenberger verteidigt die Vierspurigkeit einer innerstädtischen Bundesstraße mit Argumenten aus den 1970er-Jahren und verkennt dabei völlig, was eine lebendige, demokratische Stadt ausmacht. Der Autor behauptet, die Reduzierung einer Autospur zugunsten des Radverkehrs sei ein „Nadelöhr“ und dürfe nur das allerletzte Mittel sein. Als Alternativen schlägt er vor, die Stadt solle lieber Flüsterasphalt verlegen, Schallschutzfenster für Anwohner bezahlen oder die Bahnen der KVB leiser machen.

Diese Argumentation greift zu kurz – Symptombekämpfung statt Ursachenlösung: Schallschutzfenster schützen Menschen nur, wenn sie die Fenster geschlossen halten. Sie lösen weder das Problem der Feinstaubbelastung noch den eklatanten Mangel an sicherem Raum für Fußgänger, spielende Kinder und Radfahrende. Und die Annahme, dass mehr Spuren den Verkehr flüssiger machen, ist wissenschaftlich längst widerlegt. Das Prinzip des „induzierten Verkehrs“ (auch bekannt als Braess-Paradoxon) zeigt: Wer Straßen sät, wird Autoverkehr ernten. Wer Spuren reduziert, bringt Menschen dazu, auf effizientere Verkehrsmittel umzusteigen.

Die Idee, den Radverkehr einfach komplett auf die parallel verlaufende Berrenrather Straße zu verlegen, ignoriert, dass die Luxemburger Straße eine vitale Lebens- und Einkaufsader ist. Auch Radfahrende und Fußgänger möchten Geschäfte, Arztpraxen und Cafés direkt an der Hauptstraße sicher erreichen, anstatt auf Umwege verbannt zu werden. Internationale Vorbilder wie Paris und Barcelona zeigen, wie es geht. Während in Köln noch das Credo der „autogerechten Stadt“ verteidigt wird, beweisen andere europäische Metropolen längst das Gegenteil.

Es ist eine Frage der demokratischen Fairness, wie der öffentliche Raum aufgeteilt wird
B. Marx

Oft wird das Schreckgespenst des wirtschaftlichen Niedergangs an die Wand gemalt, wenn dem Auto Platz weggenommen wird. Ein Blick in die direkte Nachbarschaft nach Bonn widerlegt dies eindrucksvoll. Auch dort wurden im Zuge von Verkehrsversuchen und der Stärkung des Radnetzes Autospuren reduziert. Die befürchteten wirtschaftlichen Einbußen für den Einzelhandel oder den Wirtschaftsverkehr blieben aus. Im Gegenteil: Eine Stadt, in der man gerne flaniert und Verweildauer besitzt, zieht nachweislich mehr Kundschaft an als eine reine Transit-Schneise, durch die Blechlawinen rollen.

Eine Stadt ist kein reiner Abstellplatz und keine reine Durchgangsstation für Pendler-Pkw. Sie ist Lebensraum für Hunderttausende Menschen. Es ist eine Frage der demokratischen Fairness, wie der öffentliche Raum aufgeteilt wird: Aktuell nimmt das Auto einen völlig unverhältnismäßig großen Teil der Flächen ein, während sich Fußgänger und Radfahrende auf engen Restflächen drängeln müssen. Die Luxemburger Straße einspurig zu machen und Platz für breite, sichere Radwege und Bäume zu schaffen, ist kein „Mittel der Hintertür“. Es ist der Vordereingang zu einer modernen, gesunden und menschenfreundlichen Stadtentwicklung. B. Marx Bornheim

Ascan Egerer, Mobilitätsdezernent der Stadt Köln

Ascan Egerer, Mobilitätsdezernent der Stadt Köln, steht in der Kritik.

Lärmschutz Luxemburger Straße: Bestehendes Tempolimit durchsetzen

Wie wäre es, wenn die Verwaltung das erst vor Kurzem eingerichtete Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde durchsetzen würde? Wenn ich über die Luxemburger Straße mit Tempo 30 fahre, werde ich angeblinkt und angehupt. Ich fahre vielen zu langsam. Die wenigsten fahren mit Tempo 30. Also, wo bleibt die Kontrolle? 

Mit den 270.000 Euro, die für das Gutachten im Raume stehen, kann man Vieles machen, etwa Toilettenanlagen in Schulen oder Spielplätze sanieren. Peter Hoffmann Köln

Radspur auf der Lux: Ideologisch determinierte Entscheidung

Mein Eindruck ist schon seit einiger Zeit, dass der für Mobilität verantwortliche Dezernent der Stadt Köln, Ascan Egerer, mehr oder weniger losgelöst vom Rat der Stadt Köln seine ideologisch determinierten Entscheidungen regelmäßig zuungunsten des Autoverkehrs trifft. Sollte sich Herr Egerer nachhaltig gegen den Autoverkehr in Köln durchsetzen können, plädiere ich für anteilige Nachlässe bei der erhobenen Kfz- und Mineralölsteuer. Denn vor allem Letztere ist unter anderem für Infrastrukturprojekte zugunsten des Auto-, einschließlich des Liefer- und Pendlerverkehrs, vorgesehen. Hans-Joachim Maurer Köln

Einspurige Lux: Willkommen in der „Kleingartenkolonie Köln“

Die Stadt soll an allen Einfahrtsstraßen Schlagbäume aufstellen mit dem Schild: „Hier beginnt die Kleingartenkolonie Köln. Zufahrt nur für Fahrräder und Lastenräder.“ Auf letztere müssen dann alle Waren für die Stadt umgeladen werden. Gartenzwerge als passende Deko wird die Verwaltung sicher im Depot haben. Dietrich Schwede Köln