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Zu viel LärmLuxemburger Straße soll Autospuren verlieren – trotz ihrer Bedeutung für den Verkehr

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Die Stadt Köln hat auf der Luxemburger Straße in beiden Fahrtrichtungen die Höchstgeschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde reduziert.

Die Stadt Köln hat auf der Luxemburger Straße in beiden Fahrtrichtungen die Höchstgeschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde reduziert.

Die Stadt Köln will prüfen, ob breite Radwege auf einer der wichtigsten Ein- und Ausfallstraßen möglich sind. Das Ziel ist weniger Verkehrslärm.

Auf der Luxemburger Straße könnten Autofahrer künftig je Richtung eine Spur verlieren. Das Mobilitätsdezernat will für 270.000 Euro untersuchen lassen, ob der Platz stattdessen für breite Radwege genutzt werden kann. Ziel ist es, die Lärmbelastung für Anwohner zu senken. Politisch ist der Vorschlag heikel: Die Luxemburger Straße ist Bundesstraße, eine der wichtigsten Ein- und Ausfallstraßen Kölns und Teil des städtischen Grundnetzes für den Autoverkehr.

Stadtbahn fährt weiter Tempo 50

Das Mobilitätsdezernat der Stadt Köln will jetzt von einem externen Ingenieurbüro mithilfe einer Mikrosimulation untersuchen lassen, welche Auswirkungen der Wegfall einer Autospur haben würde. Die Prüfung soll Ende 2027 abgeschlossen sein. Die Politik muss dem Vorhaben noch zustimmen und das Geld freigeben, ein Beschluss soll im September dieses Jahres kommen.

Bereits im August 2025 hatte die Stadt die Höchstgeschwindigkeit auf der Luxemburger Straße von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde gesenkt. Nach Einschätzung der Verwaltung reicht das jedoch nicht aus, um die Lärmgrenzwerte einzuhalten. Die Stadtbahnlinie 18 fährt auf der Strecke weiterhin mit bis zu Tempo 50.

Das Mobilitätsdezernat begründet den Schritt mit dem bestehenden Handlungsdruck beim Lärmschutz. Anwohner hatten in der Vergangenheit mehrfach erfolgreich gegen die Stadt Köln geklagt, weil die gesetzlichen Lärmgrenzwerte regelmäßig überschritten werden. „Ein von der Stadtverwaltung beauftragtes Lärmgutachten bestätigt die erhöhte Lärmbelastung und die Notwendigkeit, Maßnahmen zur Reduzierung dieser Lärmbelastung zu ergreifen“, teilt das Dezernat mit. Trotz der Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 würden die vorgeschriebenen Lärmgrenzwerte weiterhin überschritten.

Schallschutzfenster zu teuer

Andere Maßnahmen wie lärmmindernder Asphalt oder Schallschutzfenster seien nach Darstellung der Verwaltung mit langen Planungsvorläufen und hohen Kosten verbunden. Deshalb solle zunächst geprüft werden, ob der Wegfall einer Autospur zugunsten eines Radwegs schneller und kostengünstiger zur Lärmminderung beitragen kann.

Kritik an den Plänen übt Roman Suthold, Leiter Verkehr und Umwelt beim ADAC Nordrhein. „Niemand benennt den Elefanten im Raum, die Stadtbahnen der Linie 18, die einen großen Teil des Lärms erzeugen“, sagt er. Auch hier müsse es Anstrengungen geben, leiser zu werden, statt das Problem vollständig auf den Autoverkehr abzuwälzen. Stadtbahnen sind ähnlich laut wie Autos. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass bei Schienenfahrzeugen – ähnlich wie beim Straßenverkehr – mit steigender Geschwindigkeit die Rollgeräusche zunehmen.

Eine Reduzierung der Stadtbahngeschwindigkeit war politisch bislang nicht gewollt. „Die Priorisierung der Stadtbahnen und deren Pünktlichkeit sind zwingend zu gewährleisten“, hieß es im Mai 2025 in einem Beschluss des Verkehrsausschusses zur Luxemburger Straße. Grüne, SPD, Linke, Volt und FDP stimmten dem Beschluss damals zu. Die Stadtbahnen sollen weiterhin gegenüber dem Autoverkehr bevorzugt sein, um schnell voranzukommen, hatte die KVB argumentiert.

„Mittelfristig wird sich das Thema ohnehin darüber lösen, dass das Elektroauto den Verbrenner nach und nach ablöst – ein Elektroauto erzeugt bei Tempo 30 weniger Lärm als ein Verbrenner“, sagt Suthold. „Jenseits davon ergibt es überhaupt keinen Sinn, dass die Luxemburger Straße in Hürth und an der Kreuzung zum Militärring ausgebaut wird, in Köln dann aber einspurig sein soll“, so der ADAC-Verkehrsexperte.

Die Bezirksregierung hatte, wie berichtet, vor einer Woche den Planfeststellungsbeschluss für den seit 25 Jahren geplanten Stadtbahntunnel an der Kreuzung Luxemburger Straße/Militärring erlassen. Das Projekt soll den Stau-Hotspot entlasten und sicherer machen. Der zuständige Landesbetrieb Straßen NRW will ab dem dritten Quartal dieses Jahres starten. Es folgen Planung, Ausschreibung und Bauvorbereitung. Die Bauzeit dürfte rund drei Jahre dauern. Bereits im Jahr 2022 ließ das Land die Luxemburger Straße vom Militärring bis zum Ortseingang Hürth mehrspurig ausbauen.

IG appelliert an die Kölner Politik

Die Anregung, auf der Luxemburger Straße einen Fahrradstreifen im „Kölner Standard“ einzurichten – also in voller Spurbreite und mit den notwendigen Sicherheitsabständen – stammt ursprünglich von der Interessengemeinschaft (IG) „Lebenswerte Lux“. Die Mitglieder setzen sich dafür ein, die Wohnviertel um die Hauptverkehrsstraße herum zu beruhigen.

„Wir begrüßen die Vorlage der Verwaltung und appellieren an die Politik, die Finanzierung zu beschließen – dies ist sowohl zum Schutz vor Verkehrslärm als auch für eine höhere Verkehrssicherheit nötig“, sagt IG-Sprecher Dominik Kerl. Knapp zwei Jahre nach einem Protestmarsch der Initiative, an dem nach dem schweren Unfall eines fünfjährigen Kindes 200 Menschen teilnahmen, vermisse er weitere Maßnahmen zum Schutz von Fußgängern und Radfahrern.

Unterstützung erhielt die IG von der Politik in den Bezirksvertretungen Innenstadt und Lindenthal, die ihren Forderungskatalog übernahmen. Auch der Verkehrsausschuss des Stadtrats schloss sich diesen Forderungen im Mai 2025 mehrheitlich gegen die Stimmen der CDU an. „Wer hier Fahrspuren streicht, legt bewusst eine der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt lahm“, sagt Stefan Götz, verkehrspolitischer Sprecher der CDU. Noch weniger nachvollziehbar sei es, dass laut Plänen der Stadt parallel auf der Berrenrather Straße bereits eine separate Radverkehrsachse entstehen soll.

Mit der Mikrosimulation will das von Dezernent Ascan Egerer geführte Mobilitätsdezernat jetzt den nächsten Schritt in Richtung möglicher Umsetzung einleiten. Der Plan steht allerdings in einem Spannungsverhältnis zu einem anderen verkehrspolitischen Ziel der Stadt: dem Grundnetz für den motorisierten Individualverkehr.

Dieses hatte das Mobilitätsdezernat auf Wunsch des Stadtrats erarbeitet. Auf den dort definierten Straßen soll der Fokus auf Kfz- und Wirtschaftsverkehr liegen. Auch die Luxemburger Straße gehört zu diesem Netz. „Abseits dieses Netzes fördern wir den Fuß- und Radverkehr“, heißt es auf der städtischen Internetseite.