Abo

150 aus 150Cilly Aussem gewann als erste Deutsche Wimbledon

2 min
Miss Aussem GER at Wimbledon in 1929  PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY UnitedArchives00929343

Cilly Aussem beim Wimbledon-Turnier 1929. (Archivfoto)

Die Tennisspielerin gehörte in den 1920ern und 1930ern zur Weltspitze und gewann zahlreiche internationale Turniere.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 38. Teil der Serie geht es um die Tennisspielerin und Wimbledon-Gewinnerin Cilly Aussem.

Bedeutung

Mit 14 Jahren begann Cilly (eigentlich Cäcilia Edith) Aussem auf Drängen ihrer Mutter, die Mitglied im Kölner Tennis- und Hockey-Club Stadion Rot-Weiss war, mit dem Tennissport. Der Wohlstand der Eltern – ihr Vater war Vorstand der Käsefabrik Ch. Gervais AG – ermöglichte Aussem das Training bei erfolgreichen Tennisspielern. 1925 gewann sie die Deutsche Jugendmeisterschaft und 1926 die Deutsche Meisterschaft im gemischten Doppel. Im folgenden Jahr wurde sie Deutsche Meisterin im Solo.

Die englische Presse lobte „die fabelhafte Schnelligkeit, ihren Schlag und ihr wissenschaftliches Spiel“. 1931 gewann sie als erste Deutsche das Wimbledon-Turnier in Großbritannien. Im Herbst ging sie auf Südamerika-Tournee, wo sie im November bei den argentinischen Meisterschaften im Solo, Doppel und Gemischten Doppel siegte. Dort verschleppte sie eine Blinddarmentzündung und musste sich nach ihrer Rückkehr einer Operation unterziehen. Sie begann danach wieder mit dem Tennissport und gewann weitere Turniere. Im Juni 1933 verkündete sie aus Gesundheitsgründen ihren Rückzug.

Am 1. Mai war sie in die NSDAP eingetreten. Die Partei beeilte sich zu erklären, Aussem sei entgegen „im In- und Ausland verbreiteten Behauptungen“ keine Jüdin. Dies habe eine „Prüfung der Unterlagen“ ergeben. Im September stand sie erneut auf dem Tennisplatz. 1935 folgte der endgültige Rückzug. Im März 1936 heiratete sie den italienischen Grafen Fermo Murari Dalla Corte Brà. Mit ihm lebte sie bis 1939 in Afrika, wo er als Luftwaffenoffizier und Diplomat stationiert war. Nach der Rückkehr zog das Paar zunächst an den Gardasee, dann nach Portofino. Ein langwieriges Augenleiden führte zur Erblindung. Aussem starb an den Folgen einer Malariaerkrankung, die sie während ihres Afrikaaufenthalts erlitten hatte.


Cilly Aussem

Geboren: 4. Januar 1909 in Köln

Gestorben: 22. März 1963 in Portofino, Italien


Wirken in Köln

Ab 1916 besuchte sie für zwei Jahre die Ursulinen-Schule. Aussem verleugnete ihre Kölner Herkunft nicht und sprach mit kölschem Dialekt.

Bemerkenswert

Bei ihrer Rückkehr aus Wimbledon 1931 empfingen sie Hunderte Fans am Kölner Hauptbahnhof.

Spuren in der Stadt

Der KHTC Stadion Rot-Weiss verwahrt ihren Nachlas mit Fotos, Pokalen und der Wimbledon-Medaille.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.