Das bekannteste Lied von Karl Berbuer wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gelegentlich sogar als Ersatznationalhymne genutzt.
150 aus 150Karl Berbuer schrieb mehr als 120 Karnevalslieder

Der Komponist, Schlager- und Krätzchensänger Karl Berbuer während eines Auftritts. (Archivfoto)
Copyright: IMAGO/United Archives
Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 47. Teil der Serie geht es um den Karnevalisten und Liedermacher Karl Berbuer.
Bedeutung
Karl Berbuer erlernte im väterlichen Betrieb an der Metzer Straße den Bäckerberuf. Seine Bühnenkarriere begann 1919 als Mundart-Schauspieler. Den ersten Auftritt als Sänger hatte er 1924 bei den Roten Funken mit dem Lied „Se kriggen uns nit kapott“ als Antwort auf das Karnevalsverbot durch die britische Besatzung. Mit seinen selbst verfassten und komponierten Liedern animierte er in den kommenden Jahrzehnten das Publikum zum Mitsingen und Schunkeln. In den Texten griff er oft aktuelle Themen auf, so 1929 die „Rekordsucht“.
In der Wirtschaftskrise schaffte es Berbuer, so der „Kölner Lokal-Anzeiger“ 1931, „die Lachmuskeln auch in dieser schweren Zeit in Bewegung“ zu bringen. 1936 landete er mit „Heidewitzka, Herr Kapitän“ einen Hit, der noch heute die Menschen begeistert. Ob es sich ursprünglich um eine Verballhornung des Hitler-Grußes handelte, muss offenbleiben. 1940 sang er bei einer Rundfunkübertragung ein „neues Marschlied“ für die Soldaten im Krieg: „Heidemarie, wenn wir am Rhein marschieren, Heidemarie, wenn wir den Wein probieren ...“. Im selben Jahr trat er der NSDAP bei, vermutlich, um nicht eingezogen zu werden.
Bis 1943 trat Berbuer im Varieté-Theater Burghof als „Heidewitzka-Kapitän“ auf. Nach dem Krieg landete er 1948 einen weiteren Karnevals-Evergreen. „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ war eine Reaktion auf die Teilung des besetzten Deutschlands durch die Alliierten. Gelegentlich wurde dieses Lied als Ersatz-Nationalhymne gespielt: Mit „Heidewitzka“ begrüßte eine US-Militärkapelle Bundeskanzler Konrad Adenauer 1953 bei seiner Ankunft in Chicago.
Karl Berbuer
Geboren: 26. Juli 1900 in Köln
Gestorben: 17. November 1977 in Köln
Wirken in Köln
Nach dem Tod des Vaters 1920 leitete Berbuers Mutter die Bäckerei, in der er neben der Sängerkarriere noch einige Jahre arbeitete. Er war Mitgründer und Namensgeber der „Muuzemändelcher“, der Vereinigung Kölner Karnevalskünstler.
Bemerkenswert
Zur Vermarktung seiner 120 eigenen Lieder gründete Berbuer einen Musikverlag, der heute in Frankfurt am Main ansässig ist.
Spuren in der Stadt
Auf dem Karl-Berbuer-Platz im Severinsviertel erinnert seit 1987 ein Bronzebrunnen in Form eines Narrenschiffs an ihn und seine Lieder. Sein Grab befindet sich auf dem Südfriedhof.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.

