Das Erbe ihres Vaters Gustav von Mevissen setzte sie für wohltätige Zwecke ein – unter anderem für das erste Mädchengymnasium in Köln.
150 aus 150Mathilde von Mevissen war eine bedeutende Frauenrechtlerin

Um Frauen den Weg zur Universität zu ermöglichen, setzte sich Mathilde von Mevissen für ein Mädchengymnasium in Köln ein.
Copyright: Rheinisches Bildarchiv
Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 79. Teil der Serie geht es um die Frauenrechtlerin Mathilde von Mevissen.
Bedeutung
Mathilde von Mevissen war eine bedeutende Frauenrechtlerin. Als eine von fünf Töchtern des Unternehmers Gustav von Mevissen und der früh verstorbenen Elisabeth Leiden wuchs sie wohlhabend auf. Übermäßiger Luxus war in der Familie aber nicht angesagt, so dass sie nach dem Tod des Vaters 1899 über ein großes Vermögen verfügte. Dieses setzte sie für wohltätige Zwecke ein.
Mathilde von Mevissen
Geboren: 30. Juli 1848 in Köln
Gestorben: 19. März 1924 in Köln
Die Erziehung der Töchter hatte sich auf die zukünftige Rolle als Ehefrau, Hausfrau und Mutter beschränkt. Drei ihrer Schwestern heirateten, Mathilde und Melanie blieben im Elternhaus. Dort gewährte ihnen der strenge Vater wenig Freiheiten. Die Benutzung der Bibliothek mit 25.000 Bänden war untersagt, Mathilde las heimlich. Mit 42 Jahren entdeckte sie die „Frauenfrage“ und widmete sich fortan der Verbesserung der Lebensverhältnisse von Frauen.
1893 gründete sie mit ihrer Freundin Elisabeth Mumm von Schwarzenstein eine Handelsschule für Mädchen und den Kölner Frauenfortbildungsverein. Um Frauen den Weg zur Universität zu ermöglichen, warb sie für ein Mädchengymnasium. Nach zweifacher Ablehnung durch das Kultusministerium erreichte sie dennoch dessen Zulassung. Mevissen stiftete das Schulvermögen und förderte Schülerinnen. 1908 übernahm die Stadt das Mädchengymnasium, das ab 1922 Merlo-Mevissen-Schule hieß. Mevissen rief eine Rechtschutzstelle für Frauen ins Leben und setzte sich für das Frauenwahlrecht ein, das erst 1918 eingeführt wurde.
Wirken in Köln
Mathilde von Mevissen unterstützte großzügig die von ihrem Vater initiierte und finanziell geförderte Handelshochschule, eine der drei Keimzellen der 1919 gegründeten Universität. Diese betrachte sie als ihre „Ehrenbürgerin“.
Bemerkenswert
Anlässlich der Silberhochzeit mit seiner zweiten Frau Therese schenkte Gustav von Mevissen 1885 den Töchtern jeweils einen Armreif. Mathildes Schmuckstück stiftete eine Großnichte 1989 dem Stadtmuseum.
Bemerkenswert auch
Anlässlich der Silberhochzeit mit seiner zweiten Frau Therese schenkte Gustav von Mevissen 1885 den Töchtern jeweils einen Armreif. Mathildes Schmuckstück stiftete eine Großnichte 1989 dem Stadtmuseum.
Spuren in der Stadt
In Nippes trägt eine Grundschule ihren Namen. Am Ratsturm wird sie mit einer Figur gewürdigt. Die Urne mit ihrer Asche wurde in der Familiengruft auf dem Melatenfriedhof bestattet. An der TH Köln ist die Promovendinnenförderung mit ihrem Namen verbunden.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biografien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
