Bekannt wurde der Komponist durch sein „Instrumentales Theater“, eine Form von experimentellem Musiktheater.
150 aus 150Mauricio Kagel komponierte mehr als 200 Werke

Der deutsch-argentinische Komponist Mauricio Kagel galt als einer der wichtigsten Komponisten der Gegenwart. (Archibild aus dem Jahr 2000)
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 102. Teil der Serie geht es um den Komponisten Mauricio Kagel.
Bedeutung
Mauricio Kagel war nicht nur einer der einflussreichsten Komponisten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, sondern er wirkte auch als Dirigent, Regisseur und Hochschullehrer. Kagel stammte aus einer jüdischen Familie mit deutsch-russisch-ukrainischen Wurzeln. Neben Russisch und Spanisch lernte Kagel Englisch, Französisch und Deutsch sowie mehrere Instrumente, Gesang, Chorleitung und Dirigieren. An der Universität Buenos Aires studierte er Literatur und Philosophie.
Mauricio Kagel
Geboren: 24. Dezember 1931 in Buenos Aires
Gestorben: 18. September 2008 in Köln
Erste eigene Werke entstanden 1950. 1957 kam er durch ein Stipendium mit seiner Frau, der Künstlerin Ursula Burghardt, nach Köln und fand hier Anschluss an die Kulturszene. Mit dem Studio für elektronische Musik und eigenen Sendeformaten förderte der WDR die Neue Musik. In den 1960er Jahren erreichte Kagel breite Bekanntheit durch sein „Instrumentales Theater“, das nicht nur die Musik und die Sprache als Ausdrucksmittel einsetzte, sondern auch Bewegungen, Beleuchtung, Proben und Bühnenraum.
Kagel parodierte und verfremdete, indem er Sprache in Buchstaben zerlegte und diese für eine Komposition als Grundlage nutzte. In einem Stück wird der Rhythmus durch die Schritte der Darsteller erzeugt. Viele seiner über 200 Werke wurden bejubelt, aber auch kritisiert. Sein Stück „Staatstheater“, eine Art Anti-Oper, konnte 1971 in Hamburg wegen Bomben- und Gewaltdrohungen von Opernenthusiasten und Antisemiten nur unter Polizeischutz uraufgeführt werden.
Wirken in Köln
1960 war Kagel Mitgründer des „Kölner Ensemble für Neue Musik“. 1969 übernahm er die Leitung des Instituts für Neue Musik an der Rheinischen Musikschule und der Kurse für Neue Musik. Von 1974 bis 1997 hatte Kagel die Professur für Neues Musiktheater an der Hochschule für Musik und Tanz inne.
Bemerkenswert
Kagel schrieb Hörspiele und drehte 17 Filme. Am bekanntesten ist sein Film „Ludwig“ zum 200. Geburtstag Beethovens, in dem er sich mit dem Kult um den Komponisten auseinandersetzt.
Spuren in der Stadt
Leider liegt sein Nachlass in Basel. Das Studio für elektronische Musik ist seit Jahren in einem Keller in Ossendorf eingelagert. Die Kunststiftung NRW verleiht alle zwei Jahre einen Preis mit seinem Namen.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.

