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Wachstum in Rösrath
In vier Baugebieten könnten 300 Wohnungen entstehen

Die Frage nach der Verkehrsinfrastruktur, wie hier am Sülztalplatz, stellt sich dringend für eine wachsende Stadt wie Rösrath.

Die Frage nach der Verkehrsinfrastruktur, wie hier am Sülztalplatz, stellt sich dringend für eine wachsende Stadt wie Rösrath.

Rösrath – Dringend benötigten Wohnraum schaffen und den Charakter von Rösrath erhalten: Zwischen diesen beiden Kontrapunkten müssen die Planer der Stadtverwaltung zurzeit eine Balance finden. Der zuständige Dezernent Christoph Herrmann berichtet von den Anforderungen, die von allen Seiten zur Stadt Rösrath kommen: Der Deutsche Mieterbund fordere zu verstärktem Wohnungsbau auf, die Bauwirtschaft berichte von „riesiger“ Nachfrage.

Auch die Stadt Köln dränge die Nachbarn, einen Teil des Wohnungsbedarfs zu decken, den sie selbst nicht bewältigen könne. Auf der anderen Seite stehe der Wunsch von Anwohnern und Bürgerinitiativen, das bisherige Bild Rösraths zu erhalten.

Charakter erhalten

Herrmann betont, die Stadtverwaltung sei bestrebt, beiden Seiten gerecht zu werden. „Auch wenn die Bürger vielleicht ein anderes Bild haben: Wir versuchen schon seit Jahren, den Charakter der Stadt zu erhalten.“ Die von der Bürgerinitiative „Rösrath gemeinsam gestalten“ angeregte Denkmalbereichssatzung für Volberg halte er für sinnvoll, die Stadtverwaltung habe die Idee aufgegriffen. Zugleich betont der Dezernent, dass die Stadt auch die Interessen von jungen Familien und anderen, die gern nach Rösrath ziehen möchten, im Blick behalten müsse – nicht nur die Erwartungen alteingesessener Einwohner.

Die Diskussion über die zum Teil gegenläufigen Anforderungen und die weitere Stadtentwicklung ist zuletzt wieder hochgekocht. Anlass war, dass sich die städtischen Planer mittlerweile mit vier größeren Baugebieten beschäftigen. Es geht um die Freifläche am Kirchweg in Forsbach, um die Altvolberger Wiese, das Gelände der früheren Firma Pefa (Im Frankenfeld) und Venauen. In Venauen sind 75 neue Wohnungen in Mehrfamilienhäusern und 14 Doppelhaushälften anvisiert, auf dem Pefa-Gelände circa 56 Wohnungen in Mehrfamilienhäuser. Auf der Altvolberger Wiese haben die Planer zunächst knapp 50 Wohnungen, in Einfamilien- und Doppelhäusern, ins Auge gefasst. Die Diskussion über den Bebauungsplan könnte aber auf eine weniger dichte Bebauung hinauslaufen, wie Politiker andeuteten.

Für das Gelände am Kirchweg soll im Herbst ein erster Entwurf im Planungsausschuss vorgestellt werden, kündigt Herrmann an. Danach sollen in zwei Bauabschnitten insgesamt 74 Wohnungen, in Einfamilien- und Doppelhäusern, entstehen. Allerdings haben sich die tonangebenden Politiker im Stadtrat, insbesondere die CDU, darauf festgelegt, bis 2020 nur den ersten Bauabschnitt im nördlichen und nordwestlichen Teil der Freifläche anzugehen. Dafür nannten sie eine „Richtgröße von maximal 50 Häusern“. Angesichts der von Herrmann genannten Zahl von 74 Häusern – für die Gesamtfläche – könnte die Zahl von 50 Häusern im ersten Bauabschnitt noch deutlich unterschritten werden. Die in der „Initiative Bürgerpark Forsbach“ genannte Zahl von bis zu 300 Wohnungen am Kirchweg sei „völlig abwegig“, stellt Hermann fest.

700 neue Einwohner

Damit zeichnet sich ab, dass in den vier diskutierten Baugebieten insgesamt 250 bis 300 Wohnungen entstehen könnten. Bei 2,4 bis 2,5 Personen pro Wohnung sind somit 600 bis 700 neue Einwohner zu erwarten. Dabei steigt die Einwohnerzahl Rösraths auch ohne neue Baugebiete. Laut Stadtverwaltung sind allein durch Neubau 145 Wohnungen im Jahr 2015 entstanden, 2016 waren es 165 und in der ersten Jahreshälfte 2017 bereits 95. Diese Entwicklung hat bereits dazu geführt, dass die bislang relativ konstante Zahl von 28 000 Einwohnern inzwischen deutlich überschritten ist. So zählte Rösrath Ende 2016 genau 29 198 Einwohner.

Die Neubauten der letzten Jahre waren nach dem Baurecht zu genehmigen. Auch für die nahe Zukunft rechnet die Stadtverwaltung mit jährlich etwa 160 Neubauwohnungen, also etwa 400 zusätzlichen Einwohnern. Diese Zahl kommt nur durch Verdichtung zustande, die neuen Baugebiete kommen noch hinzu. Angesichts des ohnehin laufenden Zuzugs relativiert sich allerdings die Zahl der zusätzlichen Einwohner in den Neubaugebieten.

Damit stellt sich mit einiger Wucht die Frage nach der nötigen Infrastruktur für eine wachsende Stadt. Die zusätzliche Verkehrsbelastung werde durch Gutachten im Zuge des Planverfahrens geklärt, die verkehrlichen Voraussetzungen müssten vorhanden sein, erklärt Herrmann. Er weist aber auch darauf hin, dass die Stadt versuche, die Situation für Radverkehr und öffentliche Verkehrsmittel zu verbessern. Radstreifen und Pendlerparkplätze gehören zu den aktuellen Vorhaben. Auf Dauer lasse sich die Belastung durch Autoverkehr wohl begrenzen. Noch dringender als Verkehrsfragen scheinen Investitionen in Kitas und Schulen. Zu den Herausforderungen für die städtischen Planer gehört auch, zentral gelegenen Wohnraum für betagte Bürger zu schaffen. Projekte wie der Lindenhof oder das Wohnhaus auf dem früheren Post-Gelände in der Bahnhofstraße zeigen, dass die Stadt den Bedarf erkannt hat. Die absehbare weitere Verdichtung will Herrmann verträglich gestalten. Aus Kritik, dass einzelne Bauprojekte überdimensioniert seien, könne die Verwaltung lernen.

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