Nur zu Mittag kann im Frischeparadies Hürth auch gegessen werden. Ob das lohnt, hat unser Kritiker Carsten Henn probiert.
Henns GeschmackssacheWarum ein verstecktes Bistro in Hürth entdeckt werden sollte

Der Mittagstisch im Frischeparadies bietet typische Bistro-Küche und Top-Produkte.
Copyright: Uwe Weiser
Es gibt wohl kein Restaurant, das weniger auf Laufkundschaft hoffen kann als dieses. Gelegen im Gewerbegebiet Hürth-Efferen, am Ende einer langen Sackgasse, gegenüber einer Großbäckerei. Und noch dazu: in einem Feinkost-Supermarkt, so dass von außen kaum ersichtlich ist, dass hier drinnen zwischen Weinregalen und Kühltheken ein kleines Bistro beheimatet ist.
Sechs hohe Tische samt Barhockern stehen bei einer offenen Küche, an deren Tresen man ebenfalls Platz nehmen kann. Die Kasse piept, die Kühlung brummt. Das Frischeparadies gehört zu einer kleinen Kette, die vor allem Restaurants mit Waren versorgt, aber auch Otto Normalbürgern die Chance bietet, unter anderem hochqualitatives Obst und Gemüse, Fisch und Meeresfrüchte zu erwerben. Ich schreibe Otto Normalbürger, aber die Wagen vor dem Frischeparadies sprechen eine andere Sprache. Da steht eine Nobelkarosse neben der anderen, Und vielen Kunden merkt man an, dass sie „jet an de Föß han“. Aber das Bankkonto kontrolliert am Eingang niemand, und auch für kleineres Geld bekommt man etwas zu essen.
Austern und Kaviar, aber auch für kleineres Geld bekommt man etwas zu essen
Wer mehr ausgeben will kann sich Austern, Kaviar oder die große Seafood-Etagere samt halbem Hummer für zwei Personen servieren lassen (letztere nur mit zwei Tagen Vorbestellung). Für alle anderen gibt es wechselnd drei Vor- und bis zu neun Hauptspeisen.
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Dieses Bistro könnte eine Resterampe für Lebensmittel sein, die kurz vor dem Verfallsdatum stehen – oder ein Schaufenster für die Qualität der angebotenen Waren. Erfreulicherweise ist es letzteres. In der offenen Küche stehen mit Heiko Müller (unter anderem Victorian, Acht) und Viktoria Braun (Pullman Hotel, Aphrodite) zwei Menschen mit Erfahrung.

Menschen mit fundierter Koch-Erfahrung: Viktoria Braun und Heiko Müller
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Los geht es mit einem Klassiker des Bistros, der „Chefs Hummer Bouillabaisse“. Kurz könnte man denken, die Einlage bestünde nur aus Gemüse, denn Fisch und Meeresfrüchte liegen à part mit einigen Salatblättern und den – zu fettigen – Kerbelcroûtons auf dem Teller neben der Löwenkopf-Terrine. Die Bouillabaisse ist eher süßlich abgeschmeckt, die Sauce Rouille dagegen mit betonter Schärfe, was gut zusammengeht. Und die Hauptdarsteller aus dem Meer? Sind perfekt zubereitet und von beeindruckender Güte. Auch bei einer weiteren Vorspeise, die Lammfilet mit Karotten, Roter Bete, Apfelsalat, Walnuss, und knusprigem Papadam Chip zusammenbringt, strahlt die Qualität des zentralen Produkts, das noch dazu auf den Punkt rosa gegart ist.

Qualität, die strahlt: Lammfilet mit Karottenund knusprigem Papadam Chip
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Genau so geht es weiter mit einem großen, saftigen Skrei Loin, der kaum frischer sein könnte. Die Beilagen sind schlicht: Babymais, Zuckerschoten, eine einfache Kräutersauce, eine leicht knusprige und recht fettige Krustentier-Polenta-Schnitte (die mehr Krustentier-Aroma vertragen könnte). All das ist kein Fine Dining und will es auch gar nicht sein, sondern: klassische Bistroküche mit viel Butter. Schön wäre allerdings, wenn trotzdem kurz annonciert würde.
Butterweicher Schweinebauch
Auch der butterweiche BBQ-Schweinebauch ist ein Volltreffer, der Jasminreis dagegen gerät zu klebrig, die Teriyaki-Sauce zu süß und Sesam, Karotten, Frühlingslauch, ja selbst Koriander entfalten wenig Wirkung. Aber bei solch einem Schweinbauch ist einem das auch herzlich egal.
Die Portionen sind so groß, dass es nicht wundert, nur ein reguläres Dessert auf der Karte zu finden (zusätzlich gibt es Affogato). Ein anderer Grund, warum Desserts hier wenig gefragt sein könnten, sind die Stühle. Allesamt Barhocker ohne Rückenlehne sind sie nicht für langes, gemütliches Sitzen gemacht – eher für einen Hauptgang.

Der BBQ-Schweinebauch ist ein Volltreffer, auch wenn die Beilagen zu blass bleiben.
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Die Zitronen-Mandeltarte bietet eine angenehme Textur beim Teig, aber es mangelt an spielerischer Säure, die auch von den dünnen warmen Apfelscheiben obenauf nicht beigesteuert wird.

Die kleine Weinkarte ist klug zusammengestellt.
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Ein Pluspunkt ist die Weinkarte. Obwohl gerade einmal zehn Offene aus Deutschland, Frankreich und Italien darauf stehen. Aber diese sind klug mit renommierten Namen zusammengestellt, und mit Preisen von 4,90 bis 14,90 Euro (für den Champagner Deutz Rosé) das 0,1-l-Glas fair kalkuliert. Beim 0,2 l Glas wird der Schnitt noch besser und bei einer ganzen Buddel am attraktivsten. Der einzige Servicemitarbeiter berät bei der Auswahl, eingeschenkt wird in Stölzle-Gläser. Auch hier sorgt man dafür, dass die Hausprodukte einen guten Auftritt hinlegen können.
Fazit: Klassische Bistro-Küche, souverän gekocht, mit toller Produktqualität.
Bewertung: 5 von 6
Das Bistro im Frischeparadies, Max-Planck-Straße 44, 50354 Hürth, Mo-Sa 11-15.30 Uhr, Abholung Take Away täglich bis 12.45 UhrTel.: 02233 - 699644www.frischeparadies.de
Henns Auswahl:
Chefs Hummer Bouillabaisse / 26 Euro (klein), 33 Euro (normal)
Lammfilet / 17 Euro
Teriyaki-BBQ Schweinebauch / 29 Euro
Skrei Loin / 34 Euro
Zitronen-Mandeltarte / 9 Euro


