Mit dem kommenden Umzug an den Offenbachplatz erhöhen sich auch die Eintrittspreise an Oper und Schauspiel.
Höhere Eintrittspreise für Schauspiel und OperBühnen Köln führen „Dynamic Pricing“ ein

Herbst 2025, Blick in die Ränge der Oper Köln: Mit dem Einzug in das sanierte Haus am Offenbachplatz erhöhen sich auch die Eintrittspreise an Oper und Schauspiel.
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Bereits mit Beginn der Spielzeit 2023/24 – heißt es in einer Vorlage, über die der Betriebsausschuss Bühnen am Donnerstag beraten will – habe man die Karten- und Abo-Preise um durchschnittlich 11,5 Prozent angehoben. Dies allerdings „nach über zwölf Jahren konstanter Preisgestaltung“. Die kleine Ewigkeit der Preisstabilität fand ein Ende, nachdem der Rat im Juni 2023 Erlösziele beschlossen hat, die – man erinnert sich dunkel – aus dem actori-Gutachten stammen. Die Münchner Berater hatten damals mehrere Zukunftsszenarien für die Kölner Bühnen skizziert; jetzt sollen sie bitteschön auch Wirklichkeit werden.
In der Oper fällt der Anstieg noch halbwegs gesittet aus. Die teuersten Premierenkarten kosteten bisher 140 Euro, ab September wird der Klassikfreund dafür 155 Euro auf den Tresen legen – in Ausnahmefällen, wenn etwa ein Startenor die Bühne betritt, auch 170 Euro.
Preissprung wird regelmäßige Theatergänger schlucken lassen
Deutlich steiler geht der Preisanstieg im Schauspiel zu. Dort war man bislang mit 34 Euro pro Karte für die beste Platzkategorie dabei, beziehungsweise 44 für Premieren und Tanzgastspiele. Künftig klettern die Top-Preise auf 120 oder sogar 128 Euro. Ein Sprung, der regelmäßige Theatergänger wohl kurz schlucken lässt. Ein sozialverträglicher Zugang werde, laut Vorlage, durch die Preisgruppen in den Platzkategorien sechs und sieben (von fünf bis 55 Euro) weiterhin ermöglicht. Dies entspräche der gängigen Praxis vergleichbarer Theater im deutschsprachigen Raum.
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Zum dynamischen Kulturbetrieb, als den sich die Kölner Bühnen mit dem Neustart am Offenbachplatz präsentieren wollen, gehört auch eine neue Preisarchitektur, in der das sogenannte „Dynamic Pricing“ eingeführt wird – ein Instrument, das vor allem eines soll: die in Aussicht gestellten Einnahmen nicht dem Zufall zu überlassen. Musikfans werden bei diesem Stichwort erschrecken, ganz so dynamisch wie beim Bruce-Springsteen- oder zuletzt beim Harry-Styles-Konzert – wo der Betrag für ein Ticket plötzlich ins Vierstellige schnellen konnte – wird die Preisgestaltung in Köln nicht ausfallen.
Dynamischer Kulturbetrieb mit „Dynamic Pricing“
Das System ist in mehreren Stufen angelegt, die je nach Nachfrage gezogen werden können. Zunächst werden Plätze, die an der Grenze zweier Preiskategorien liegen, zum Vorverkaufsstart erst einmal weggesperrt. Später dürfen sie dann entweder in der günstigeren oder in der teureren Kategorie wieder auftauchen – je nachdem, wie dynamisch sich der Verkauf entwickelt. Die nächste Eskalationsstufe greift, wenn die Nachfrage kräftig anzieht: Ist eine Preiskategorie zu 70 Prozent ausgelastet, steigen die Preise um zehn Prozent. Klettert die Auslastung auf 90 Prozent, legen die Bühnen 20 Prozent drauf – gerechnet übrigens auf Basis des ursprünglichen Vorverkaufspreises. Auch hier soll die soziale Balance gewahrt bleiben: Die beiden günstigsten Kategorien bleiben von dieser Dynamik verschont. Ebenso die Kinderoper, hier gelten Einheitspreise zwischen acht und 22 Euro.
Und weil Dynamik ja in beide Richtungen wirkt, können die Preise auch sinken. Bleibt der Run aufs Ticket aus, werden die Karten um zehn oder 20 Prozent günstiger. Ein bisschen Marktlogik also im städtischen Theaterbetrieb – und auch für Voges und Opern-Chef Hein Mulders könnte dieser Beliebtheitswettbewerb ein Anreiz sein, mit populären Stoffen die Bilanz aufzubessern.
Insbesondere für junge Menschen: Weiterhin Vergünstigungen möglich
Es wird allerdings auch weiterhin verschiedene Wege geben, sehr viel günstiger in Schauspiel und Oper hineinzukommen. Etwa für junge Leute bis 27 Jahre: Die „U27 Card“ kostet einen symbolischen Euro, danach gibt es Einzelkarten für alle Sparten zum Zehner, zumindest solange das Kontingent reicht. Die „U30 Card“ (29 Euro pro Jahr) gewährt 30 Prozent Rabatt und zielt auf jene, die sich noch jung fühlen, aber schon mietzahlungsgeplagt sind.
Für alle anderen werden die „Card 10“ (25 Euro für 10 Prozent Nachlass) und die „Card 20“ (49 Euro für 20 Prozent) aufgelegt. Und mit der kostenlosen „Card Plus“ erhält man für vier Veranstaltungen innerhalb einer Saison jeweils 15 Prozent Preisnachlass auf bis zu zwei Karten – Treueprogramme, wie man sie vom Einzelhandel kennt. Dazu kommen wie gewohnt die diversen Abo-Modelle. Das vollständige Abonnementangebot für 2026/27 wird jedoch erst nach der jeweiligen Vorstellung der neuen Spielzeit bekanntgegeben.
Zweitägiges Eröffnungsfest geplant
Die Rückkehr der Bühnen an den Offenbachplatz nach 14 Jahren im Interim wird mit einem zweitägigen Eröffnungsfest am Wochenende des 19. und 20. Septembers gefeiert. Kay Voges hat zu diesem Anlass eine „große Technik-Show“ angekündigt, mit der er die „Maschine Theater“ feiern will. Begleitet wird die Wiedereröffnung von einer von der Agentur Jung von Matt entworfenen Imagekampagne, die unter dem Motto „Deine Bühne, Köln“ dem Sanierungsdesaster einen positiven Spin verleihen soll.
Am 24. folgt dann ein offizieller Festakt in der Oper – bei dem auch eine Gedenktafel zur Synagoge, die einst am Offenbachplatz stand, eingeweiht werden soll. Tags darauf folgt die erste Premiere im Schauspielhaus. Am 26. September findet die erste Vorstellung im kleinen Haus gegenüber statt. Am 27. beginnt die Opernsaison. Gegeben wird Richard Strauß’ „Rosenkavalier“.

