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Aprikosen statt GeranienSo wird Ihr Balkon zum ertragreichen Nutzgarten

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Balkonschule Berlin

Birgit Schattling (rechts) vermittelt ihr Wissen seit Jahren in Online-Kursen, nun auch live.

Vom Aprikosenbaum bis zur Kiwi: Eine Balkonschule in Berlin zeigt, wie man selbst auf kleinstem Raum erfolgreich gärtnert.

„Hier sind noch ein paar Quadratzentimeter frei“, stellt Elke Schmude fest, während sie Kapuzinerkresse in ein vertikales Beet pflanzt. In diesem gedeihen auf sieben Etagen bereits Gewächse wie Asiasalate, Schnittlauch, Erdbeeren und Kornblumen. „Man muss sich einfach mal trauen, wenn es nicht wächst, dann eben nicht“, lautet der Ratschlag der Berlinerin.

Die Szene findet im Rahmen eines Kurses zum Balkongärtnern von Birgit Schattling statt. Sie lehrt seit Jahren im deutschsprachigen Raum mittels Online-Kursen und Kongressen, wie selbst die kleinsten Areale begrünt werden können. Ihr Angebot wurde nun durch die Balkonschule in Berlin um einen realen Standort erweitert. „Hier kann man fühlen, sehen, kosten“, so Schattling.

Praktische Gartenarbeit statt digitaler Anleitung

Auf dem Areal der Atelier Gardens, einem geschichtsträchtigen Campus für Film und Fernsehen, finden ganzjährig gemeinsame Gartenaktivitäten wie Säen, Pikieren, Pflanzen und Ernten statt. Besonders der persönliche Austausch wird von den Teilnehmerinnen gewürdigt. „Das ist viel besser als ein Online-Kurs, hier kann ich die Hände in die Erde stecken und muss nicht im dunklen Kämmerlein vor dem Bildschirm sitzen“, erklärt Bettina Schäfer.

Für Bärbel Schäfer, eine weitere Teilnehmerin, war der Kurs eine Quelle neuer Energie. Sie besitzt sowohl einen Balkon als auch einen Garten, doch es mangelte ihr zuletzt an der nötigen Tatkraft. „Ich wollte mich schon gar nicht mehr damit beschäftigen“, teilt die Rentnerin mit. Die gemeinschaftliche Gartenarbeit in der Balkonschule hat ihr jedoch frischen Ansporn gegeben.

Balkonschule Berlin

Die Teilnehmerinnen schätzen die praktische Arbeit in der Gemeinschaft.

Vielfalt auf dem Balkon: Von Beeren bis zu Obstbäumen

Vieles wird in der Balkonschule erfolgreich kultiviert: darunter Johannisbeeren, Glockenblumen, Kletterrosen und sogar Aprikosen. „Man lernt hier, dass man auch Sträucher gut auf Balkonen pflanzen kann“, berichtet Elke Schmude. Laut Schattling sind ebenfalls Obstbäume eine Option, mit Ausnahme von Walnüssen.

Jeder verfügbare Zentimeter wird verwendet: So fungieren neben herkömmlichen Töpfen auch eine Sauciere oder ein Wäschekorb als Behälter für Pflanzen. Schattling ist besonders angetan von der sogenannten Klimaterrasse, die Vertikalbeete mit einer begrünten Pergola verbindet. Dort sorgen Klettererbsen, Feuerbohnen, Kiwis, Passionsblumen und Wein für Beschattung und bringen gleichzeitig Ernte ein.

„Das ist die Lösung für überhitzte Terrassen und Balkone. Ab Mai bleiben Südlagen oft ungenutzt – Menschen ziehen sich hinter Jalousien in den Innenraum zurück“, erläutert Schattling. Sie offeriert auf dem Areal zudem separate Workshops, Veranstaltungen für Teams und Fachvorträge.

Balkonschule Berlin

Besonders stolz ist Birgit Schattling auf die Klimaterrasse.

Urbanes Gärtnern: Autarkie und Wissensaustausch im Fokus

Laut der Journalistin, Podcasterin und Autorin Melanie Öhlenbach aus Bremen erfuhr das Gärtnern auf Balkonen während der Corona-Pandemie einen erheblichen Aufschwung, da die Menschen zu Hause blieben. Sie hat seit 2020 fünf Bücher zu dieser Thematik herausgebracht, das jüngste trägt den Titel „Klimahelden auf dem Balkon“. „Inzwischen beschäftigen sich auch viele Menschen mit der Frage, wo die Lebensmittel überhaupt herkommen und wie sie produziert wurden“, merkt Öhlenbach an. Eine wachsende Bedeutung kommt dem Streben nach Selbstversorgung zu, wobei auch die Kosten ein Motiv für die eigene Gartenarbeit darstellen.

Öhlenbach bietet ebenfalls Kurse an. „Wissen und Fertigkeiten gehen verloren, wenn man sie nicht mit anderen teilt und weitergibt“, hebt sie hervor. Sie fügt hinzu, dass es eine besondere Qualität habe, dies direkt, gemeinsam und vor Ort zu erleben, also abseits von Bildschirmen und Smartphones.

Balkonschule Berlin

Auch die Anzucht - hier von Mangold - wird in der Schule von Birgit Schattling geübt.

„Es braucht daher Orte, wo solche Begegnungen möglich sind - sei es selbst organisiert in der Nachbarschaft, im Kleingartenverein, an den Volkshochschulen und Bildungseinrichtungen generell, in urbanen Stadtgartenprojekten oder eben der Balkonschule“, äußert die Expertin aus Bremen, die inzwischen neben ihrem Balkon auch einen Garten pflegt.

Birgit Schattling: Eine Vorreiterin des urbanen Gärtnerns

Birgit Schattling perfektioniert das Gärtnern auf dem Balkon: Bei ihr gedeihen 120 Pflanzen auf einer Fläche von neun Quadratmetern, einschließlich Sträuchern und Obstbäumen. Zusätzlich bewirtschaftet sie fünf Fensterbänke und gestaltet Habitate für Insekten, Vögel sowie Eichhörnchen. „Ich bin mitten in Berlin und erlebe die Natur hautnah“, so die Buchautorin und Bloggerin.

Janna Einöder, Referentin für Stadtgrün beim Naturschutzbund (Nabu), nannte Schattling einen „Balkon-Ultra“. Die von Schattling gestalteten Balkone seien aus ihrer Perspektive von hohem ökologischem Nutzen. „Doch nicht jeder muss eine Birgit Schattling sein“, stellt Einöder fest. Das Gärtnern auf dem Balkon lasse sich auch in geringerem Umfang praktizieren, etwa mit Küchenkräutern. „Wenn viele kleine Flächen genutzt werden, ergibt das ein Mosaik in der ganzen Stadt“, erklärt die Fachfrau. Davon würden viele Spezies profitieren, wie zum Beispiel Wildbienen mit ihrem begrenzten Flugradius von nur einigen hundert Metern.

Balkonschule Berlin

Mit der Balkonschule hat Birgit Schattling (links) ihr Angebot erweitert.

Pflanzenauswahl: Was Insekten wirklich nützt

Aus Sicht des Naturschutzes ist das vorhandene Potenzial bei weitem nicht ausgeschöpft. Bedauerlicherweise werden zahlreiche Balkone mit Gewächsen wie Petunien oder Geranien bepflanzt, die Insekten keinen Nutzen bieten und häufig mit Pestiziden behandelt sind. Einöder erläuterte, dass mehrjährige Stauden oder Wildblumen deutlich besser geeignet wären. Der Nabu stellt hierzu Listen mit Pflanzen zur Verfügung, die je nach Ausrichtung des Balkons passende Spezies vorschlagen. „Geranien gehen gar nicht“, meint auch Schattling. Es existierten jedoch Bestrebungen, ursprünglichere Sorten zu kultivieren, die eine höhere Anziehungskraft auf Insekten ausüben. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.