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28 Jahre für das DRK LeverkusenWeshalb Josef Peters seinen Ruhestand immer wieder verschob

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Der Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Leverkusen, Josef Peters, in seinem Büro auf der Düsseldorfer Straße

Der Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Leverkusen, Josef Peters, in seinem Büro auf der Düsseldorfer Straße

Der gebürtige Opladener blickt auf einen ungewöhnlichen Berufsweg zurück.

Eigentlich hätte Dr. Josef Peters längst im Ruhestand sein können. Doch dann kam Corona. Danach die Flutkatastrophe. Und auch die Suche nach einem Nachfolger verlief dreimal erfolglos. Also blieb der Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Leverkusen weiter an Bord. Nun endet seine berufliche Laufbahn: Nach insgesamt 43 Berufsjahren, davon 28,5 Jahre beim DRK-Kreisverband Leverkusen, ist der 69-Jährige seit dem 1. Juli im Ruhestand. „In drei Monaten bin ich 70. Das reicht dann jetzt auch“, sagt er und lächelt.

Der gebürtige Opladener blickt auf einen ungewöhnlichen Berufsweg zurück: Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre und Agrarwirtschaft arbeitete er zunächst in der Konzernrevision eines Vorläufers des heutigen Eon-Konzerns, später elf Jahre beim TÜV Rheinland. Der Wechsel in den sozialen Bereich war für ihn eine bewusste Entscheidung. Die Erkrankung seiner Mutter brachte ihn erstmals intensiv mit Pflegeeinrichtungen und sozialen Diensten in Kontakt. „Ich dachte, ich kann etwas Gutes tun und die Versorgungssituation verbessern“, sagt Peters rückblickend.

1998 begann er als Verwaltungsleiter beim DRK-Kreisverband Leverkusen, wurde später Stellvertreter und schließlich Nachfolger des damaligen Kreisgeschäftsführers Toni Blankerts. Rückblickend beschreibt er seine Laufbahn mit wenigen Worten: „Es war immer spannend, immer interessant, immer arbeitsreich.“

Vom Verwaltungsleiter zum Krisenmanager

Als Peters 1998 beim DRK begann, beschäftigte der Kreisverband rund 70 bis 80 Mitarbeitende, heute sind es etwa 220. In seine Amtszeit fielen zahlreiche Ausbauprojekte: Dazu gehören die Übernahme von vier Kindertagesstätten der Bayer AG im Jahre 1998, die Einführung des Hausnotrufs im Jahr 2008 sowie der Ausbau des Standorts Opladen um 2013. Besonders stolz ist Peters auf das Katastrophenschutzzentrum in Hitdorf: Das Deutsche Rote Kreuz bündelte seine auf mehrere Standorte verteilten Kräfte 2005 zentral an der Hitdorfer Straße. Dort befinden sich heute unter anderem die Rettungswache, die Erste-Hilfe-Zentrale, Fahrzeuge des Ehrenamts und Teile des Rettungsdienstes. „Wir sind damals durch ganz Leverkusen gefahren und haben nach geeigneten Hallen gesucht“, erinnert er sich. Die ehemalige Bayer-Gärtnerei erwies sich schließlich als idealer Standort. Gleichzeitig konnte die Stadt dort auch Bedarfe der Feuerwehr lösen.

Bei der Flut im Juli 2021 wurden die Räumlichkeiten des DRK stark beflutet und zerstört.

Bei der Flut im Juli 2021 wurden die Räumlichkeiten des DRK stark beflutet und zerstört.

Doch vor allem Krisen haben seine letzten Berufsjahre geprägt: Zunächst die Corona-Pandemie, anschließend die Flutkatastrophe im Juli 2021. Während der Pandemie galt die Sorge den Bewohnern des Altenheims. Rund 100 Menschen lebten damals dort. Mit strengen Test- und Hygienekonzepten gelang es dem DRK, größere Ausbrüche zu verhindern, jedoch mussten zwei Etagen geschlossen werden, um sie für eine mögliche Quarantäne zu nutzen. Kaum war diese Herausforderung bewältigt, traf die Flutkatastrophe die Organisation mit voller Wucht.

Als wir Corona überwunden hatten, kam am 14. Juli die Hochwasserkatastrophe, die alles ruiniert hat.
Dr. Josef Peters, Kreisgeschäftsführer für den DRK-Kreisverband Leverkusen

Zeitweise gab es weder Strom, warmes Wasser noch funktionierende Datensysteme. Bewohner mussten dennoch versorgt und Abläufe neu organisiert werden. Bis heute sind die Folgen nicht vollständig aufgearbeitet. Auch bei der vorigen Bettenauslastung sei man noch nicht angekommen.

Sorgen um die Zukunft

Die gesellschaftlichen Veränderungen beobachtet Peters mit Sorge: Besonders die Pflege habe sich stark verändert. Während früher viele ältere Menschen auch ohne Pflegegrad in Altenheime zogen, seien die Einrichtungen heute auf deutlich pflegebedürftigere Menschen ausgerichtet. Gleichzeitig fehle zunehmend qualifiziertes Personal. Der Fachkräftemangel treffe das DRK in der Pflege, in den Kitas und der Verwaltung gleichermaßen. Neue Mitarbeitende müssen lange eingearbeitet werden, sagt Peters: „Der Gesetzgeber muss darüber nachdenken, ob wir so viel Verwaltungsbürokratie wirklich brauchen.“

Hinzu kämen neue Herausforderungen im Katastrophenschutz: Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine fordert Peters eine stärkere Vorbereitung auf Krisensituationen. Da habe man die letzten Jahrzehnte stark schleifen lassen.

Trotz aller Herausforderungen blickt er mit großer Wertschätzung auf seine Zeit beim DRK zurück: Besonders beeindruckt habe ihn das große Engagement im Ehrenamt. Rund 300 Freiwillige engagieren sich beim Leverkusener Kreisverband im Katastrophenschutz, bei Blutspenden, in Kitas oder im Altenheim.

Am Mittwoch hat Robert Korell übernommen, der zuletzt beim DRK-Landesverband tätig war. Seit März arbeitet er bereits als stellvertretender Kreisgeschäftsführer an der Seite von Peters. Deshalb könne der gebürtige Opladener nun mit einem guten Gefühl gehen. Auf einer großen Abschiedsfeier verabschiedete er sich mit Wegbegleitern aus Politik, Verwaltung und DRK. Und jetzt? Zeit für Reisen, Oldtimer, Gartenarbeit und Naturbeobachtungen stehen auf seiner Wunschliste. Was Peters vermissen wird? „Wahrscheinlich das Ganze hier“, sagt Peters.