Abo

Zu viel Fläche, zu wenig UmsatzGaleria Euskirchen droht mehr denn je das Aus

3 min
Das Bild zeigt das Kaufhof-Gebäude in Euskirchen.

Wie es mit dem Euskirchener Standort von Galeria weitergeht, hängt von den Gesprächen mit dem Vermieter ab.

Galeria sieht „strukturellen Handlungsbedarf“ und erwägt die Schließung des Standorts in Euskirchen. Gespräche mit dem Kaufhof-Vermieter haben begonnen.

Die Zukunft der Galeria-Filiale in Euskirchen ist – mal wieder – ungewiss. Nach Angaben des Unternehmens hängt das von Verhandlungen mit dem Vermieter ab. Nachdem der Warenhauskonzern den Standort auf die Liste von bundesweit 33 Häusern gesetzt hat, deren Zukunft überprüft wird, nennt das Unternehmen nun erstmals konkrete Gründe für die Unsicherheit.

Nach Angaben von Galeria besteht in Euskirchen „struktureller Handlungsbedarf“. Die Verkaufsfläche sei für den Standort zu groß und verursache Betriebskosten, die in keinem angemessenen Verhältnis zu den erzielten Umsätzen stünden.

In Euskirchen ist das Kernproblem struktureller Natur: Die Flächensituation und die Kostenstruktur passen nicht zusammen.
Vertriebsvorstand Philipp Kretzer

Deshalb sollen nun die Mietkonditionen an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Hauses angepasst werden. „In Euskirchen ist das Kernproblem struktureller Natur: Die Flächensituation und die Kostenstruktur passen nicht zusammen“, wird Vertriebsvorstand Philipp Kretzer in einer Pressemitteilung des Unternehmens zitiert.

Dieses Problem lasse sich nicht allein durch operative Maßnahmen lösen. „Wir brauchen einen Vermieter, der die wirtschaftliche Realität des Standorts anerkennt und gemeinsam mit uns eine tragfähige Lösung entwickelt“, so Kretzer weiter.

Dritter Filialleiter seit der Flutkatastrophe im Juli 2021

Der Euskirchener Filialleiter, Gerhard Ordczinsky, äußerte sich am Mittwoch auf eine Anfrage dieser Redaktion nicht. Er verwies an die Pressestelle des Unternehmens. Ordczinsky hat die Leitung des Euskirchener Standorts im November des vergangenen Jahres übernommen. Nach dem langjährigen Kaufhof-Chef Hans-Peter Neußer und Harry Benzrath, der 13 Monate in Euskirchen war, ist er der dritte Filialleiter seit der Flutkatastrophe.

Nach dem Hochwasser war ein Millionen-Betrag in den Standort investiert worden. „Wir werden das modernste Warenhaus in Deutschland sein“, sagte Filialleiter Hans-Peter Neußer damals: „So viel und umfänglich erneuert hat wohl kein Warenhaus in dieser Größe in den vergangenen Monaten.“

Gespräche mit dem Vermieter des Gebäudes haben begonnen

Laut Unternehmen haben die Gespräche mit dem Vermieter in Euskirchen begonnen. Galeria macht zugleich deutlich, dass ein Scheitern der Verhandlungen erhebliche Folgen haben könnte. Sollte keine wirtschaftlich tragfähige Lösung gefunden werden, sei auch ein Rückzug aus dem Standort möglich – gegebenenfalls nach Auslaufen bestehender Verträge. Oberstes Ziel bleibe zwar der langfristige Erhalt der Filiale, Voraussetzung dafür sei jedoch eine nachhaltige Profitabilität.

Der Euskirchener CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Voussem setztsich derweil für den Erhalt des Standorts ein. „Dass auch die Galeria-Filiale in Euskirchen wieder im Fokus möglicher Schließungen steht, ist beunruhigend. Aber wir stehen an der Seite der Beschäftigten und der örtlichen Geschäftsführung und werben für den Standort“, erklärt er.

Klaus Voussem verweist auf die Bedeutung des Kaufhauses für die Region

Voussem verweist auf die Bedeutung des Warenhauses für die Region. Die Filiale liege im Herzen des Mittelzentrums Euskirchen und erfülle eine zentrale Versorgungsfunktion für den gesamten Kreis sowie darüber hinaus. Nach seinen Angaben hätten bei früheren Standortentscheidungen neben der Wirtschaftlichkeit auch soziodemografische Faktoren eine wichtige Rolle gespielt. „Hier sehen wir uns gut aufgestellt“, so der Landtagsabgeordnete.

Alfred Jaax, Erster Beigeordneter der Stadt Euskirchen, sagt: „Wir unterstützen den Kaufhof wo wir können durch konstruktive Gespräche mit allen Beteiligten und gehen davon aus, dass es einen positiven Ausgang für unsere Filiale geben wird.“

Die Euskirchener Filiale gehört zu den 33 Warenhäusern, deren Zukunft derzeit besonders intensiv überprüft wird. Insgesamt betreibt Galeria noch 83 Häuser in Deutschland. Doch auch die übrigen 50 Standorte bleiben nicht unangetastet. Dort führt das Unternehmen ebenfalls Gespräche mit Vermietern, um Mieten, Flächengrößen und Kostenstrukturen an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen.

Hintergrund ist der laufende Sanierungskurs des Unternehmens. Jeder Standort müsse künftig für sich betrachtet dauerhaft profitabel arbeiten, heißt es von Galeria. Erst vor wenigen Tagen hatte sich der Konzern eine neue Kreditlinie über bis zu 160 Millionen Euro gesichert. Wann eine Entscheidung zur Euskirchener Filiale fällt, ist derzeit offen.