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Kölnisches StadtmuseumVerein und OB setzen auf Rückkehr ins Zeughaus – Finanzierung noch offen

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Torsten Burmester schlägt einen Nagel in einen Fensterladen des Zeughauses ein

Torsten Burmester schlägt einen Nagel in einen Fensterladen des Zeughauses ein.

Der Verein Freunde des Kölnischen Stadtmuseums richtet ein Zeughaus-Dinner für 120 Gäste aus der Stadtgesellschaft aus.

Rund 60 Jahre war das Kölnische Stadtmuseum im Zeughaus untergebracht, bis es 2017 wegen eines Wasserschadens geschlossen werden musste. Seit zwei Jahren ist ein sehr geringer Teil der Sammlung im ehemaligen Modehaus Sauer zu sehen, das als Provisorium gedacht ist. „Eine Stadt wie Köln kann es sich nicht leisten, den Ort ihrer Geschichtserzählung sich selbst zu überlassen“, plädierte Konrad Adenauer, Vorsitzender des Vereins „Freunde des Kölnischen Stadtmuseums“, am Freitag dafür, das Zeughaus erneut als Domizil des Museums herzurichten.

Anlass war das „Zeughaus-Dinner“ des Vereins, eine traditionelle Zusammenkunft, die früher „Herrenessen“ hieß und seit 2018 nicht mehr am angestammten Ort stattgefunden hatte. Dass rund 120 Gäste aus Politik, Verwaltung, Kultur, Wirtschaft, Kirchen und Medien nun wieder dorthin eingeladen waren, kam einem Bekenntnis zur alten Heimstatt gleich, einem Statement des Rückkehrwillens. Musikalisch unterhielt der Kammerchor des Kölner Männer-Gesang-Vereins.

Für das Interim sei der Verein dankbar, sagte Adenauer, doch „auf 700 Quadratmetern lässt sich keine Geschichte erzählen, erst recht nicht die Geschichte der Stadt Köln.“ Oberbürgermeister Burmester bat er, das Anliegen ernst zu nehmen. Der Verein sei dabei, ein Konzept zu erarbeiten, wie die Instandsetzung des Zeughauses finanziert werden könnte. Möglich wäre sie mit privatwirtschaftlichem Projektmanagement, einem „klugen Fundraising“, einer „nachhaltigen Fördermittel-Akquise“, einem Beitrag der Stadt Köln und einer breiten Unterstützung der Stadtgesellschaft.

Dankbar für das Interim

Wie sich das Zeughaus und die Alte Wache unter Einbeziehung der Umgebung sanieren und neu gestalten lassen, zeigt eine bis Mitte Mai dauernde Ausstellung von neun Entwürfen, die sich die Gäste anschauen konnten. Es sind Grundrisse, Schnitte, Ansichten und Modelle. Thorsten Burgmer, Professor an der Technischen Hochschule Köln, hatte Studierenden der Fakultät für Architektur 2025 im Rahmen ihrer Bachelorarbeiten die Aufgabe gestellt, Konzepte zur stadträumlichen Einbindung sowie zum Umbau und zur Erweiterung des Stadtmuseums im Zeughaus-Areal zu entwickeln. Herausgekommen ist eine Fülle von Ideen.

Dazu gehört, die langgestreckte Freifläche an der Römermauer, die zurzeit als Parkplatz genutzt wird, zu bebauen, etwa mit einem Kubus. Die Entwürfe verstehen sich nicht als fertige Lösungen. So durften die Studierenden Bedenken des Denkmalschutzes, statische Probleme mit den U-Bahn-Tunneln unter dem Areal oder verkehrspolitische Hürden außer Acht lassen. Das galt auch für die Kosten der möglichen Umsetzung.

Gerade sie sind ein entscheidender Aspekt. Noch ist nicht klar, wie viel die Sanierung kosten würde. Erst wenn ein Konzept dafür vorliegt, ist eine Schätzung möglich. Er teile die Sorge um „einen der bedeutendsten Orte der Stadtgeschichte“, der sich in einem schlechten Zustand befinde, sagte Burmester. Zugleich bitte er um Verständnis, dass er wegen der angespannten Haushaltslage nicht in der Lage sei, eine „solide Zusage“ zu machen. Nichts versprechen zu können bedeute allerdings nicht, keine Perspektive schaffen zu wollen. Das Berliner Stadtschloss sei ein Beispiel dafür, wie ein historischer Ort durch „Kräftebündelung“ entwickelt werden könne, durch das Zusammenspiel von staatlicher Verantwortung, privater Förderung und bürgerschaftlichem Engagement. Auch die Zukunft des Kölnischen Stadtmuseums werde ein „Gemeinschaftswerk“ sein. Den Freunden und Förderern des Hauses dankte er für ihre Unterstützung.

Das Zeughaus ist seit 2017 geschlossen.

Das Zeughaus ist seit 2017 geschlossen.

Das Team des Museums arbeite momentan an einem Konzept, das Gebäude zur Präsentation von 2000 Jahren Stadtgeschichte erneut zu nutzen, sagte Direktor Matthias Hamann. Politik und Verwaltung bat er, dafür einen offiziellen Auftrag zu erteilen. Wie der Abend zeige, lasse sich der Ort auch in der Zwischenzeit bespielen, denn die Betriebserlaubnis bestehe fort. 2027 werde das Gebäude zum Zentrum des Festivals „Internationale Photoszene Köln“, mit einer großen Ausstellung von Werken aus der fotografischen Sammlung des Stadtmuseums. Im Jahr darauf werde im Zeughaus eine Jubiläumsschau zur Erinnerung daran gezeigt, dass 1928 in Köln die internationale Presse-Ausstellung „Pressa“ stattfand.

Alter Brauch wird wiederbelebt

Zu den prominentesten Exponaten des Museums gehört der „Kölsche Boor en Iser“, eine knapp 3,50 Meter hohe Holzskulptur, die 1915 vor dem Gürzenich stand. Gegen eine Spende für Kriegswitwen und -waisen konnten Kölnerinnen und Kölner einen Nagel erwerben und in die Figur einschlagen. Beim Dinner wurde der Brauch in Abwandlung wiederbelebt. Als Objekt diente einer der abgehängten, aus den 1980er Jahren stammenden Fensterläden des Zeughauses. Gegen eine Mindestspende von 50 Euro erhielt man einen Nagel, den man in das Holz hineintreiben konnte. Gehämmert wurde ausgiebig an diesem Abend. Den Auftakt machte Burmester.