Zum „Ehrentag“ des Grundgesetzes hatten sich Jugendliche und Helfer des Marie-Juchacz-Zentrums zusammengetan, um gemeinsam kreativ zu werden.
Chorweiler setzt ZeichenJugendliche und Ehrenamtliche gestalten Grundgesetz-Banner

Mehrere Generationen hatten an dem Banner mitgearbeitet.
Copyright: Christopher Dröge
Demokratie lebt vom Mitmachen, findet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: Da sich das Inkrafttreten des Grundgesetzes in diesem Jahr zum 77. Mal jährt, hatte er angesichts dieses Schnapszahl-Jubiläums dazu aufgerufen, sich im Zuge eines „Ehrentags“ an Initiativen und Aktionen zur Feier der Verfassung der Bundesrepublik zu beteiligen. Auch in Chorweiler war sein Ruf gehört worden: Im Rahmen des Projekts „Gemeinsam.Vielfältig.Engagiert“ des AWO-Verbands Nordrhein hatten sich ehrenamtliche Helfer des Marie-Juchacz-Zentrums mit jugendlichen Mitgliedern des Graffiti-Vereins „Outline“ zusammengetan, um einen Nachmittag lang ein großformatiges Banner zum Thema zu gestalten. Daraufhin hatten die Beteiligten visualisiert, was sie mit dem Grundgesetz verbanden: Deutschlands Flagge, ein Gesetzbuch, die Friedenstaube, die Weltkugel und nicht zuletzt den Grundsatz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Puya Bagheri, Gründer und Vorsitzender von Outline, nutzt die Jugendarbeit des Vereins rund um das Thema Graffiti immer wieder, um Jugendlichen Demokratie und Teilhabeprozesse nahezubringen. „Etwas wie ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar‘ klingt für sie sehr abstrakt, weshalb sie schnell gelangweilt sind“, sagt er. „Wenn man ihnen aber verdeutlicht, dass es um Religionsfreiheit geht, um Herkunft oder soziale Stellung, dann werden sie hellhörig und können es mit ihrer Lebenswelt verbinden. Denn dann verstehen sie, dass nach dem Grundgesetz niemand diskriminiert werden darf, nur weil er aus Chorweiler kommt.“ Nicht zuletzt wegen dieses Engagements wird Bagheris Verein von der Karl-Arnold-Stiftung unterstützt.
Die Zusammenarbeit mit dem Marie-Juchacz-Zentrum sieht Bagheri als einen „Brückenschlag“ zwischen verschiedenen Generationen. Bereits im vergangenen Jahr hatten Outline-Mitglieder das Wohnheim für Senioren besucht, um in Form eines „Speed-Datings“ mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen. „Das war faszinierend zu beobachten“, erinnert sich Joachim Krein vom AWO-Bezirksverband Nordrhein, dem Träger des Marie-Juchacz-Zentrums. „Die Jugendlichen und die Senioren hatten vorher keinen Kontakt gehabt und doch fanden sie schnell zu einer gegenseitigen Wertschätzung.“
Austausch zwischen den Lebenswelten ist gerade in der heutigen Zeit extrem wichtig, findet auch Bagheri. „Wir hier in unserer migrantisch geprägten Chorweiler Blase hören schon ein wenig die Uhr ticken“, sagt er. „Wenn die Demokratie nicht wehrhaft ist, wird sie von innen ausgehöhlt.“
