Jahresbilanz des Kölner Studierendenwerk1000 Zimmer gegen die Wohnungsnot

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Viele Studenten an der Uni Köln suchen nach einem günstigen Zimmer. Das Kölner Studierendenwerk kann die hohe Nachfrage derzeit nicht decken.

Viele Studenten an der Uni Köln suchen nach einem günstigen Zimmer. Das Kölner Studierendenwerk kann die hohe Nachfrage derzeit nicht decken.

Köln – Die Zahl der Studenten, die Bafög erhalten, ist 2018 erneut gesunken. Wurden 2017 insgesamt 17001 Anträge bewilligt, waren es zwölf Monate später nur noch 15500. Seit 2014 sind damit die bewilligten Anträge um mehr als 22 Prozent gesunken. Der Geschäftsführer des Kölner Studierendenwerks, Jörg Schmitz, glaubt nicht, dass die jüngste Bafög-Erhöhung den Trend stoppen werde. „Wir befürchten, dass die Bafög-Reform verpufft“, sagte er im Rahmen der Präsentation des Jahresberichts seiner Einrichtung.

Weniger Bafög-Anträge

Im Mai 2019 hatte der Bundestag beschlossen, den Bafög-Höchstsatz in zwei Schritten von 735 auf 861 Euro im Jahr 2020 zu erhöhen. Zudem wurden die Elternbeiträge angehoben. Schmitz zufolge reicht das nicht aus: Das Antragsverfahren sei zu bürokratisch, die Freibeträge für Eltern zu gering, die Fördersumme zu niedrig. Schmitz schloss sich der Forderung des Deutschen Studentenwerks an, dass Studenten einen Höchstbetrag von 1200 Euro pro Monat erhalten sollten. Denn schon die Bafög-Wohnpauschale von 325 Euro reiche nicht aus, um die tatsächlichen Mieten in Köln zu bezahlen. Einer Studie zufolge müssen Studenten 459 Euro im Durchschnitt bezahlen.

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Mit dem eigenen Angebot an Apartments kann das Studierendenwerk die Nachfrage nicht befriedigen. Über 5031 Zimmer verfügt die Einrichtung derzeit, aber rund 10000 Anfragen erreichen das Werk pro Jahr. „Beim Neubau kommen wir nur im Schneckentempo voran“, so Schmitz.

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Bis 2030 sollen immerhin weitere 1000 Apartments entstehen. So sind 250 Wohnheimplätze in Hürth-Efferen, 35 an der Franz-Kreuter-Straße sowie 200 Plätze an der Jennerstraße (beide Ehrenfeld) geplant. Weitere Plätze sollen an der Ludolf-Camphausen-Straße (Innenstadt, 120 bis 150), der Franz-Marc-Straße (Klettenberg, 60) und an der Otto-Fischer-Straße (Innenstadt, 30) entstehen. Übernehmen will das Werk eine Unterkunft für Obdachlose an der Stolzestraße in der Innenstadt, die in ein Wohnheim für Studenten umgebaut werden könnte. Schließlich könnten auch in einem Haus am Wesselinger Bahnhof 30 bis 40 Plätze für angehende Akademiker entstehen.

Private Wohnheime, die auch zunehmend in Köln gebaut werden, sieht Schmitz eher kritisch. Einerseits „nehmen sie etwas Preisdruck vom Markt“. Andererseits forderten die Anbieter hohe Mietpreise von 450 bis 600 Euro für die Apartments. „Und sie schnappen uns die Grundstücke vor der Nase weg.“ Schmitz forderte die Stadt auf, ihr Bauland günstig zu überlassen. Schließlich sei das Studierendenwerk eine Einrichtung der öffentlichen Daseinsvorsorge. Der durchschnittliche Mietpreis für ein Zimmer beim Kölner Studierendenwerk beträgt 262 Euro.

Für Aufmerksamkeit hatte kürzlich die private Zimmervermittlungsbörse des Werks gesorgt. Hier hatten Vermieter auf einer Internetseite angeben können, ob sie einen internationalen Studenten vom Angebot ausschließen wollen. Schmitz entschuldigte sich für den Fehler: „Xenophobie hat bei uns keinen Platz.“ Der entsprechende Vermerk im Online-Auftritt wurde inzwischen gelöscht. Wie der Fehler zustande kam, konnte Schmitz nicht nachvollziehen.

2,5 Millionen Mahlzeiten

Ansonsten zog Schmitz ein positives Fazit für das Geschäftsjahr 2018. „Das Werk steht wirtschaftlich solide dar.“ Erzielt wurde ein Plus von 3,5 Millionen Euro, die Bilanzsumme belief sich auf 134 Millionen Euro. Während die Einnahmen aus Mieten, Gastronomie (2,5 Millionen Essensausgaben) und Sozialbeiträgen der Studenten – der Betrag erhöhte sich von 73 auf 75 Euro –stiegen, stagnierten die Zuschüsse vom Land. Das bringt einige Probleme mit sich: So schiebt das Studierendenwerk einen Sanierungsstau von 87 Millionen Euro vor sich her. Die derzeit laufende Sanierung der 378 Zimmer im Uni-Center stemmt die Einrichtung aus eigenen Mitteln.

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